Indirekte Fragen und das Fragezeichen

Indirekte Fragen scheinen bei vielen zu Fragezeichen zu führen. Die Frage lautet: Setzt man ein Fragezeichen oder nicht?

Frage

Immer zweifle ich bei indirekten Fragen: Braucht es am Ende ein Fragezeichen oder nicht? Zum Beispiel:

Kennt sie Weimer gut?
Mich würde interessieren, ob sie Weimar gut kennt.

Wo wohnt deine Schwester jetzt?
Kannst du mir sagen, wo deine Schwester jetzt wohnt?

Haben Sie Feuer?
Darf ich Sie fragen, ob Sie Feuer haben?

Warum steht nach der indirekten Frage manchmal ein Fragezeichen und manchmal nicht?

Antwort

Guten Tag Frau M.,

eine indirekte Frage hat keinen Einfluss auf das abschließende Satzzeichen. Sie ist zwar eine Art Frage, aber sie hat als Nebensatz in Sachen Satzzeichen (außer bei den Kommas) nichts einzubringen. Entscheidend für die Wahl des abschließenden Satzzeichens ist der übergeordnete Satz. Am besten sieht man dies vielleicht anhand einiger Beispiele. Die direkten Fragen sind:

Kennt sie Weimar gut?
Wo wohnt deine Schwester?

Wenn diese Fragen als indirekte Fragen in einem Gesamtsatz erscheinen, geschieht das Folgende:

Übergeordneter Satz = Aussagesatz:

Mich würde interessieren, ob sie Weimar gut kennt.
vgl. Mich würde das interessieren.

Ich möchte wissen, wo deine Schwester wohnt.
vgl. Ich möchte das wissen.

Übergeordneter Satz = Aufforderungssatz:

Erzähl mir, ob sie Weimar gut kennt!
vgl. Erzähl mir das!

Sag mir sofort, wo deine Schwester wohnt!
vgl. Sag mir das sofort!

Ein Fragezeichen steht nur dann, wenn der übergeordnete Satz eine Frage ist:

Übergeordneter Satz = Fragesatz:

Weißt du, ob sie Weimar gut kennt?
vgl. Weißt du das?

Darf ich dich fragen, wo deine Schwester wohnt?
vgl. Darf ich dich das fragen?

Nun wüsste ich natürlich gerne, ob diese Erklärung verständlich ist. Darf ich Sie fragen, ob diese Erklärung verständlich ist? Sagen Sie mir auf der Stelle, ob diese Erklärung verständlich ist! Den letzten Satz sollten Sie bitte unbedingt als Beispielsatz verstehen. Ganz so unfreundlich bin ich nämlich selten.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Knall, schepper, knatter, dröhn

Bei prächtigstem Wetter unterwegs auf einer deutschen Autobahn; so viel Verkehr, dass man sich auch mit einem bescheideneren Untersatz auf die Überholspur wagen kann, ohne gleich von hinten weggedrückt zu werden; dann plötzlich: knall, schepper, knatter, dröhn! Es galt, das Überholmanöver trotz Schreckmoment abzuschließen, das plötzlich wie ein vorsintflutlicher, hoffnungslos überladener Laster bei 18,5 Prozent Steigung dröhnende Gefährt auf die glücklicherweise sogleich auftauchende Ausfahrt zu lotsen und bei der ersten besten Gelegenheit sicher am Straßenrand abzustellen.

Meine technische Kenntnis sagte mir gleich: „Das ist der Auspuff. So, wie das dröhnt und knattert, muss das der Auspuff sein.“ Da ich aber ein bisschen mehr von Grammatik als von Autos verstehe, haben wir doch den Pannendienst angerufen. Der nette junge Mann stellte dann fest, dass die Zündkerze des dritten Zylinders herausgesprungen war, wahrscheinlich weil jemand dem Gewinde Gewalt angetan hatte. „Zu fest angedreht.“ (Wenn Sie der Werkstattchef unserer Autogarage sind, dies lesen und noch nichts davon gehört haben: Wir werde uns noch bei Ihnen melden.)  Aus verschiedenen Gründen – meine technischen Kenntnisse sind wirklich ziemlich beschränkt – kam eine Reparatur an Ort und Stelle nicht in Frage. Unser armes Auto musste abgeschleppt werden und steht nun ganz allein vor einer ihm völlig unbekannten deutschen Autowerkstätte.

So etwas passiert natürlich nicht direkt vor der Einfahrt einer Werkstätte, die gerade um Aufträge verlegen ist und die für den Fall, dass es etwas länger dauern sollte, einen gemütlichen Spaziergang von zu Hause entfernt liegt! Nein, es geschieht Hunderte von Kilometern weit weg an einem Sonntag, auf den ein arbeitsfreier Montag folgt (Tag der Deutschen Einheit) – und man hat zu viel Gepäck im Kofferraum, um einfach per Bus und Zug weiterzureisen. Ich will Sie nun nicht mit weiteren Details langweilen, die unter anderem mit Herumtelefonieren und Mietwagen zu tun haben. Wir sind jedenfalls mit großer Verspätung, aber heil und gesund am Ziel angelangt.

Damit ich hier nicht nur mein „Leid“ klage, sondern auch noch etwas Sprachliches zum Besten gebe, sei noch das Folgende erwähnt: Auch für Ausdrücke wie knall, schepper, brumm, knatter, dröhn, die ich u. a. von früher aus den Comicsheftchen kenne, gibt es (mindestens) ein Fachwort. Man nennt sie Inflektive, weil sie unflektiert, das heißt nicht gebeugt sind. Ihre Form entspricht dem reinen Verbstamm, den man erhält, wenn man bei der Grundform die Endung en resp. n weglässt: knallen, scheppern usw. Mehr dazu finden Sie hier.

Auch hier: Altweibersommer

Nachsommerwetter und insbesondere Altweibersommer sind Wörter, die in den letzten Tagen inflationär verwendet werden. Im Normalfall reagiere ich auf übertrieben Klischeeartiges und Hypemäßiges „offiziell“ mit passender Zurückhaltung und versuche ich „inoffiziell“, mich möglichst wenig darüber zu ärgern. In diesem Fall jedoch würde es mich in keiner Weise stören, wenn die Präsentatoren und Präsentorinnen der Wetterberichte den Arbeitsaufwand minimal halten und ihre Ansagen noch ein paar Tage lang unverändert wiederverwerten könnten. Meine Hoffnung scheint sich zu erfüllen. Es ist deshalb zu erwarten, dass dieser Tage an dieser Stelle nicht viel von mir zu erwarten ist. „Dr. Bopp“ genießt den Altweibersommer und hofft, dass Sie auch ein bisschen die Gelegenheit dazu haben.

Böden, Bögen, Bröte

Frage
In „Allerhand Sprachdummheiten“ bin ich über die Pluralbildung gestolpert:

„Bei einer Anzahl von Hauptwörtern wird der Plural jetzt oft mit dem Umlaut gebildet, wo dieser keine Berechtigung hat … Ärme, Böte, Bröte, Röhre, Täge, Böden, Bögen.“

Bei „Ärme“ und „Bröte“ hab ich ja noch geschmunzelt, aber bei „Böden“ und „Bögen“ fühle ich mich ertappt und Google liefert jede Menge Belegstelle für z. B. „Bögen“, „Sportbögen“, „Pfeile und Bögen“ etc. Gibt es eine heute gültige Regel, die das teilweise erlaubt, oder ist das nach wie vor schlicht falsch?

Antwort

Sehr geehrter Herr B.,

in den über hundert Jahren, seit „Allerhand Sprachdummheiten“ von Gustav Wustmann (1844 – 1910) erschienen ist*, hat sich in der deutschen Sprache einiges getan; auch in diesem Bereich: Während die umgelauteten Mehrzahlformen Ärme, Böte, Bröte, Röhre und Täge standardsprachlich immer noch als falsch gelten, ist die Bögen heute als die „im Süden“ gebräuchliche Variante zu die Bogen akzeptiert. Die Form die Böden hat den nicht umgelauteten Plural die Boden standardsprachlich sogar ganz verdrängt:

der Bogen – die Bogen, auch: die Bögen
der Boden – die Böden

Eine feste Regel gibt es hier nicht. Entscheidend ist der Gebrauch in der sogenannten Standardsprache. Als Standardsprache gilt – einfach gesagt – die Sprache in der Form, in der sie allgemein akzeptiert im offiziellen und im formelleren Umgang verwendet und auch an Schulen gelehrt wird. Das ist eine recht ungenaue Definition. Es ist deshalb nicht erstaunlich, dass häufiger eine gewisse Uneinigkeit oder Unsicherheit herrscht, welche Formen als standardsprachlich korrekt gelten. So geben einige Wörterbücher bei Kragen auch heute noch nur den Plural die Kragen an (z. B. Wahrig), während andere auch die Krägen als im südlichen deutschen Sprachraum verwendeten Pluralvariante erwähnen (z. B. Duden).

Wenn Sie wissen möchten, was heute als richtiges Deutsch gilt, können Sie also besser in Wörterbüchern und Grammatiken nachschlagen, die etwas jüngeren Datums als „Allerhand Sprachdummheiten“* sind. (Boden, Bogen). Es ist allerdings immer interessant, ältere Beschreibungen der deutschen Sprache zu lesen. Sie zeigen unter anderem, wie zeitgebunden die Etiketten „richtig“ und „falsch“ sein können.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

* Gustav Wustmann: Allerhand Sprachdummheiten. Kleine deutsche Grammatik des Zweifelhaften, des Falschen und des Häßlichen. Ein Hilfsbuch für alle, die sich öffentlich der deutschen Sprache bedienen. Grunow, Leipzig 1891;
2. erw. Aufl. 1896; 3. erw. Aufl. 1903; 4. erw.. 1908;
Nachdruck der 3. Aufl 2008.

Ich warte schon darauf/auf ihn

Frage

Für mich war es eigentlich immer klar:

  • Lebewesen: Präposition + Pronomen (mein Vater – ich denke an ihn)
  • Dinge: Pronominaladverb (der Unfall – ich muss oft daran denken).

Mein Problem sind nur Formulierungen wie die folgenden:

Angst – Wie gehe ich mit ihr um?
Schüchternheit – Manche schämen sich für sie, andere ärgern sich über sie und wieder andere fürchten sie.

Natürlich steht im letzten Satz „Schüchternheit = sie“, aber schämt man sich nicht dafür und ärgert sich darüber? Oft klingt die Formulierung Präposition+ Pronomen ganz normal, manchmal bekomme ich aber Bauchschmerzen. Damit kann ich nicht arbeiten! Ich könnte abschließend sagen: „Der nächste Wutanfall beim Korrigieren kommt bestimmt. Ich warte schon darauf / auf ihn“. Ja, was denn nun?

Antwort

Sehr geehrter Herr S.,

es steht zu befürchten, dass ich Ihre eventuellen Wutanfälle nicht durch die Angabe einer eindeutigen Regel verhindern kann. Ich würde Ihnen aber dringend empfehlen, sich in diesem Bereich vor allem auf Ihr Sprachgefühl zu verlassen und die Regeln nicht allzu streng anzuwenden. Das erspart einem Bauchschmerzen und Wutanfälle und ist somit gesund und bekömmlich für Leib und Seele.

Es gilt allgemein standardsprachlich als besser, in Ihren Beispielsätzen Pronominaladverbien zu verwendet:

Angst – Wie gehe ich damit um?
Schüchternheit – Manche schämen sich dafür, andere ärgern sich darüber und wieder andere fürchten sie.

Die Verwendung und Nichtverwendung der Pronominaladverbien wie daran, darauf, damit, darüber usw. ist allerdings ein komplexer, nicht vollständig geklärter Bereich. Man kann deshalb oft keine festen Regeln, sondern nur Tendenzen angeben.

Bei Personen verwendet man (fast) nie Pronominaladverbien:

Die neue Mitarbeiterin – Wir sind sehr zufrieden mit ihr (NICHT damit).
Mein Vater – Ich denke oft an ihn (NICHT daran).

Bei Sachverhalten, Nebensätzen, Infinitiven u. Ä. muss man sie verwenden:

Er ging weg und lachte dabei (NICHT bei ihm).
Rauchen, du solltest damit aufhören (NICHT mit ihm).

Dazwischen, das heißt bei Dingen und Abstrakta, ist die Lage etwas komplizierter. Es ist oft besser, dafür statt für ihn oder für sie zu sagen (vgl. Ihre Beispielsätze oben). Es ist aber nicht immer die einzig richtige Möglichkeit. Die Verbindung Präposition + Pronomen wird nämlich manchmal verwendet, um etwas hervorzuheben oder zu verdeutlichen:

Hervorhebung:
Ich finde diesen Satz den wichtigsten von allen, weil gerade in ihm zum Ausdruck kommt, was …

Verdeutlichung:
Ich habe diese Zeichnung selbst gemacht und möchte wissen was du von ihr hältst.
(d.h. von der Zeichnung, nicht von der Tatsache, dass ich sie selbst gemacht habe)

Sie können entsprechend beides sagen:

Der nächste Wutanfall kommt bestimmt. Ich warte schon darauf.
Der nächste Wutanfall kommt bestimmt. Ich warte schon auf ihn.

Im zweiten Satz verdeutlichen Sie, dass Sie auf den Wutanfall warten und nicht auf das Kommen des Wutanfalls. Das klingt im Zusammenhang mit Wutanfällen allerdings etwas ungewöhnlich. Besser sieht man das bei Bussen:

Der nächste Bus kommt bestimmt. Ich warte hier darauf.
(auf den Bus, auf das Kommen des Busses)
Der nächste Bus kommt bestimmt. Ich warte hier auf ihn.
(auf den Bus)

Es gibt also eine Grundregel, von der man in gewissen Fällen abweichen kann. Wann man abweicht, hängt von Situation, Kontext und Bedeutung/Absicht der Aussage ab. Wahrlich kein einfaches Feld für einfache Regeln.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

PS: Eine zusammenfassende Darstellung der Verwendung der Pronominaladverbien finden Sie hier.

Es hat

Und hier ist sie dann, die schon lange erwartete, berühmte, unvermeidliche Frage nach es hat:

Frage

Wir diskutieren gerade, ob „es noch Joghurt im Kühlschrank hat“ oder ob „noch Joghurt im Kühlschrank ist“. Genauso: „Es hat hier viele gute Restaurants“ oder „Es gibt hier viele gute Restaurants“. Was ist richtig?

Antwort

Guten Tag H.,

grundsätzlich falsch ist keine der beiden Formulierungen.

a) Es gibt hier viele gute Restaurants.
b) Es hat hier viele gute Restaurants.

a) Im Kühlschrank ist noch Joghurt.
b) Im Kühlschrank hat es noch Joghurt

Welche Formulierung man verwendet, hängt von der Region ab. Nach den mir vorliegenden Informationen verwendet man b) es hat im Südwesten Deutschlands, im Westen Österreichs (Vorarlberg) und in der Schweiz. Es ist also nicht, wie manchmal gesagt wird, ein rein schweizerisches Phänomen. In Deutschland gilt es als regionale, landschaftliche Variante der Standardformulierung a) mit es gibt oder sein. In der Schweiz ist es hat die allgemein übliche und akzeptierte Variante.

Wenn Sie also sagen: „Es hat hier viele gute Restaurants“, verwenden Sie eine regionalsprachliche Variante, mit der Sie, ob Sie es nun wollen oder nicht, augenblicklich Ihre Herkunft aus der südwestlichen Ecke des deutschen Sprachraums zu erkennen geben. In der Schweiz gehört diese Formulierung zum Standard.

Wenn Sie sagen: „Es gibt hier viele Restaurants“, verwenden Sie in Deutschland und Österreich die allgemein akzeptierte, standardsprachliche Variante. In der Schweiz hingegen fällt man damit ein wenig auf. Wenn Sie dann auch noch erklären, dass im Kühlschrank noch Joghurt ist, dann outen Sie sich unweigerlich als „Import aus dem großen Nordkanton*“ (oder als „Groschli*“).

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

*Übersetzungshilfe für diejenigen, die die Schweiz (noch) nicht so gut kennen: Der große Nordkanton liegt nördlich der Schweiz und ist im Vergleich zu ihr sehr, sehr groß. Ein(e) Groschli kommt von dort, wo es vor den Eurocents Groschen hatte.

Er fürchtet nichts so sehr, als mit sich allein zu sein

Frage

Vor ein paar Tagen zitierte ein Radiosender den von mir für seine Aphorismen mittlerweile sehr geschätzten Wissenschaftler Blaise Pascal wie folgt:

Der Mensch, welcher nur sich selbst liebt, fürchtet nichts so sehr, als mit sich allein zu sein.

Ich würde ja anstelle des „als“ ein „wie“ verwenden, da es sich meiner Meinung nach um einen Gleichheit ausdrückenden Komparativsatz handelt. Bei einem Freund bin ich damit auf Unverständnis gestoßen und er unterstellte mir, dass ich „als“ und „wie“ verwechsle, was ich allerdings tunlichst zu vermeiden versuche. Handelt es sich vielleicht sogar um einen Übersetzungsfehler?

Antwort

Sehr geehrte Frau R.,

Sie haben recht. Auch ich würde hier wie satt als verwenden. Die Übersetzung des Zitats ist aber nicht unbedingt falsch, sondern vermutlich älteren Datums. Da ich nicht weiß, von wem die Übersetzung stammt, kann ich diese Vermutung leider nicht beweisen. Ich vermute es aufgrund einer veralteten Verwendung von als statt wie und einer eher altmodischen Verwendung von welcher statt der.

Pascal schreibt im französischen Original (heutige Orthographie):

L’homme qui n’aime que soi ne hait rien tant que d’être seul avec soi.
[Pensées – XXVI. Misère de l’homme]

Ich würde dies wörtlich wie folgt übersetzen:

Der Mensch, der nur sich selbst liebt, hasst nichts so sehr, wie mit sich allein zu sein.

Im heutigen Standarddeutsch steht nach Vergleichen mit [nicht] so sehr, [nicht] so groß, [nicht] so viel usw. das Vergleichswort wie. Zum Beispiel:

Er ist nicht so groß wie du.
Rede bitte nicht so viel wie das letzte Mal.
Ich mag nichts so sehr wie deine Kochkunst.
Ich mag nichts so sehr, wie wenn du für mich kochst.
Er fürchtet nichts so sehr, wie mit sich allein zu sein.

Die Verwendung von als gilt hier als veraltet, regional- oder umgangssprachlich. Deutschlehrer und -lehrerinnen müssten also im eingangs zitierten Satz einen Fehler anstreichen, wenn ein heutiger Blasius ihn in einem Aufsatz so formulieren würde.

Das Vergleichswort als wird heutzutage in einem Satz wie diesem verwendet:

Der Mensch, der nur sich selbst liebt, hasst nichts mehr, als mit sich allein zu sein.

Das Pascal-Zitat (oder vielmehr seine Übersetzung) zeigt, dass auch eine „eindeutige“ Regel wie die Unterscheidung zwischen als und wie in Vergleichen nicht immer so felsenfest verankert war, wie wir dies oft annehmen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Wenn ab morgen alle auf korrekte Adressangaben achten

Frau G. hat für ihre Frage das Kontaktformular verwendet. Dabei hat sie sich bei der Angabe ihrer E-Mail-Adresse wohl vertippt. Ich habe nämlich die Antwort postwendend zurückerhalten: user unknown, d.h. Empfänger(in) unbekannt.

Ich möchte alle Fragesteller und Kommentatorinnen wieder einmal bitten, auf die Angabe einer korrekten Antwortadresse zu achten, wenn sie das Kontaktformular verwenden. Wenn alle dies ab morgen tun, schicke ich nie mehr vergeblich Antworten ins Netz. Noch besser wäre natürlich ab heute.

Und hier dann die Antwort auf Frau G.s Frage:

Frage

Was bedeutet : „ab morgen“? Ist damit der morgige Tag gemeint oder erst der darauf folgende, also übermorgen?

Antwort

Sehr geehrte Frau G.,

ab morgen bedeutet von morgen an. Ein paar (hoffentlich) erläuternde Beispiele:

Wenn am 12. September gesagt wird, dass ein Pass ab morgen gültig ist, können Sie den Pass vom 13. September an benutzen. Der Pass ist am 13. bereits gültig.

Wenn der Zutritt ab nächstem Mittwoch nicht mehr möglich ist, bleiben die Türen bereits vom nächsten Mittwochmorgen an und nicht erst am nächsten Donnerstag verschlossen.

Wenn die Preise ab nächstem Monat erhöht werden, kann man nur noch bis zum Letzten des laufenden Monats günstiger „zuschlagen“. Am Ersten des folgenden Monats (und danach) ist es dann teurer.

Wenn ein Film für Jugendliche ab 16 Jahren freigegeben ist, dürfen Sechzehnjährige sich den Film anschauen, ohne sich älter machen zu müssen, als sie sind.

Etwas gar theoretisch ausgedrückt: Bei Zeitangaben mit ab ist die nach ab genannte Zeiteinheit inbegriffen. Bei ab morgen wird der morgige Tag also mitgezählt.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

PS: Bei Zeitangaben ohne Artikelwort kann nach ab der Dativ oder der Akkusativ stehen (vgl. hier):

ab nächstem Mittwoch oder ab nächsten Mittwoch
ab nächstem Monat oder ab nächsten Monat
Jugendliche ab 16 Jahren oder Jugendliche ab 16 Jahre

PS: Eine ähnliche Frage wird hier behandelt: Bis oder bis einschließlich.

Zusammensetzung, Zahl und Bindestrich

Zum Wochenende relativ leichte Kost – es muss ja nicht immer so kompliziert sein:

Frage

Gibt es eine Regel oder Norm die besagt, wie Wortzusammensetzungen mit Zahlen und Einheiten korrekt geschrieben werden? Zum Beispiel:

230 V Antrieb,
230-V-Antrieb oder
230 V-Antrieb?

Antwort

Sehr geehrte Frau V.,

in Wortzusammensetzungen mit Zahlen und Abkürzungen setzt man zwischen alle Teile der Zusammensetzung einen Bindestrich. Beispiele sind:

der 230-V-Antrieb
der 500-m-Lauf
das 1.-Kl.-Abteil
die 4-Zr.-Wohnung
die 100-km/h-Grenze
die 9/11-Attentate

Auch wenn das nicht abgekürzte Wort steht, verwendet man Bindestriche:

der 230-Volt-Antrieb
der 500-Meter-Lauf
das 1.-Klasse-Abteil
die 4-Zimmer-Wohnung
die 100-Stundenkilometer-Grenze
die 11.-September-Attentate

Die entsprechende Regeln finden Sie hier und hier.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp