Welcher Artikel gehört zu Bodypump?

Frage

Was für einen Artikel verlangt Bodypump? Ich habe die folgenden Sätze gesehen: Ich gehe ins Bodypump. Ich gehe in die Bodypump-Stunde. Ich gehe zum Bodypump. Welcher Satz ist eigentlich richtig?

Antwort

Guten Tag Herr C.,

die Sätze sind alle richtig:

Ich gehe ins Bodypump.
Ich gehe zum Bodypump.
Ich gehe in die Bodypump-Stunde.

Die Bezeichnung Bodypump wird wie zum Beispiel Pilates, Spinning, Zumba und Aerobics, aber auch „Traditionelleres“ wie Karate, Judo, Fußball, Tennis usw. meistens ohne Artikel verwendet:

Bodypump ist eine neue Art, fit zu bleiben.
Wir bieten Bodypump für Anfänger an.
Was man mit Bodypump alles erreichen kann.

Es steht selten mit Artikel. Dann ist es sächlich:

ins (= in das) Bodypump gehen
Sie geht regelmäßig zum Bodypump.
Er hat sich beim Bodypump verletzt.

Kurzum, Bodypump steht wie viele Sportarten usw. meistens ohne Artikel. Man spricht also höchst selten einfach von das Bodypump. Wenn das Wort mit Artikel o. Ä. erscheint, ist es sächlich.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Ist „ein gewalttätiges Gottesbild“ grammatisch korrekt?

Frage

Da lese ich: „Zum Gottesverständnis des alten Orients gehört ein gewalttätiges Gottesbild.“ Ich stutze, denn hier wird behauptet, dass ein Bild gewalttätig sei. Ein gewalttätiges Bild ist mir noch nie untergekommen. Freilich wäre denkbar, dass ein ein schweres Standbild aus Stein umfällt und einen daneben stehenden Menschen erschlägt. Allenfalls in diesem Sinn könnte ich mir „ein gewalttätiges Bild“ vorstellen. Aber in diesem Fall soll ja wohl gesagt werden, dass Gott gewalttätig ist, nicht dessen Bild. […]

Antwort

Guten Tag Herr Z.,

ein Attribut bezieht sich auf das Grundwort einer Zusammensetzung oder auf die gesamte Zusammensetzung. Es bezieht sich nicht auf das Bestimmungswort einer Zusammensetzung. In Ihrem Beispiel gilt:

gewalttätig = Attribut
Gottesbild = Zusammensetzung
Bild = Grundwort
Gott(es) = Bestimmungswort

Nach der genannten Regel wäre hier also von einem gewalttätigen Bild Gottes die Rede, nicht – so wie es sehr wahrscheinlich gemeint ist – von einem Bild eines gewalttätigen Gottes.

Die Verbindung gewalttätiges Gottesbild kann allerdings dann richtig sein, wenn Gottesbild als Ganzes mit gewalttätig charakterisiert wird und gewalttätig im Sinne von durch Gewalttätigkeit gekennzeichnet gemeint ist (vgl. z. B. eine gewalttätige Region, gewalttätige Zwischenfälle, heftige Sprache mit gewalttätigen Bildern). Es bleibt für mich aber ein Zweifelsfall.

In gewissen Fällen sind Formulierungen möglich und akzeptiert, in denen sich ein Attribut eigentlich auf das Bestimmungswort bezieht, im Gebrauch aber einen Bezug auf das ganze Wort als eine Einheit hat. Beispiele sind:

das katholische Pfarrhaus
die flektierbaren Wortarten
ein atlantischer Tiefausläufer
die erweiterte Vorstandssitzung
eine deutsche Touristengruppe

Gemeint ist nicht nur das Haus des katholischen Pfarrers, sondern auch das Pfarrhaus der katholischen Gemeinde; nicht nur ein Ausläufer eines atlantischen Tiefs, sondern auch ein vom Atlantik kommender Tiefausläufer; nicht nur eine Gruppe deutscher Touristen, sondern auch eine aus Deutschland stammende Touristengruppe.

Formulierungen dieser Art scheinen aber ausgeschlossen zu sein, wenn das Attribut gar nicht zum Grundwort passen kann. Beispiele, von denen einige in diesem Zusammenhang häufiger zitiert werden, sind:

der dreistöckige Hausbesitzer
die hölzerne Spielzeugmacherin
das kleine Kindergeschrei
schwere Unwetterwarnungen.

Diese Verbindungen sind nicht akzeptabel oder sogar unverständlich.

Der Übergang zwischen akzeptierten/akzeptablen und nicht akzeptierten/nicht akzeptablen Verbindungen dieser Art ist fließend. So ist ein deutscher Sprachexperte vielmehr ein Sprachexperte mit deutscher Staatsangehörigkeit als ein Experte in deutscher Sprache. Dahingegen finde ich die Verbindung ein deutscher Sprachblog für einen Blog zur deutschen Sprache wenn auch nicht eindeutig, so doch relativ unproblematisch. Ich vermute allerdings, dass nicht alle zum gleichen Urteil kommen.

Im Zweifelsfall vermeidet man deshalb besser solche Formulierungen. Gilt dies auch für „ein gewalttätiges Gottesbild“? – Diese Verbindung gehört eher zur Gruppe der nicht akzeptablen Formulierungen. Nur wenn man dem Adjektiv gewalttätig neben der wörtlichen Bedeutung auch eine übertragene Bedeutung durch Gewalttätigkeit gekennzeichnet zuerkennt, kann es als Attribut zu Gottesbild verwendet werden. Ich zweifle aber, ob diese Lesung von gewalttätig hier tatsächlich passt. Ich würde in diesem Fall auf zum Beispiel ein Bild eines gewalttätigen Gottes ausweichen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Wortstellung am Nebensatzende: wie es hätte sein sollen / sein sollen hätte / sein hätte sollen

Frage

Schon seit einer Weile quäle ich mich mit dem Thema Verbstellung im Nebensatz. Ich habe schon mehrere Bücher gewälzt und denke, den Ersatzinfinitiv verstanden zu haben.

… dass sie hätte mitmachen können.
… dass er hatte kochen müssen.

So weit, so gut. Es scheint auch so zu sein, dass in Österreich „mitmachen hätte können“ (das verwenden alle, sogar die Profs an der Germanistik) oder seltener „mitmachen können hätte“ verwendet wird. Am „richtigsten“ ist aber „hätte mitmachen können“. Liege ich so weit richtig? Kann ich das als Regel formulieren?

Problematisch wird es für mich jetzt bei „werde“ und „würde“. Da liegt ja kein Ersatzinfinitiv vor.

… dass er genug sparen können würde.
… dass sie helfen müssen wird.

Ist es eine Übergeneralisierung, wenn ich analog zu „hätte mitmachen können“ instinktiv „würde sparen können“ sagen will?

… dass er würde sparen können / … dass er sparen können würde
… dass sie wird helfen müssen / … dass sie helfen müssen wird

Ich blicke da leider gar nicht durch. Geht beides? Wenn ja, was ist „richtiger“?

Antwort

Guten Tag Frau W.,

das Bestreben, die Wortstellung bei mehreren Verbformen am Ende eines Nebensatzes vollumfänglich zu verstehen, kann sehr schnell zu Verwirrung und dann zu Resignation führen. Vieles ist möglich, vieles ist nicht eindeutig geregelt und das, was „eindeutig“ geregelt ist, wird häufig nicht von allen eingehalten.

Bei Verbgruppen mit mehreren Infinitiven am Ende eines Nebensatzes gilt im Standarddeutschen allgemein Folgendes als korrekt: Die finite (nach Person und Zahl bestimmte) Verbform wird vorangestellt:

… dass sie hätte mitmachen können.
… dass er hatte kochen müssen.
… obwohl sie nicht haben mitkommen dürfen.
… wie es hätte sein sollen.

Seltener kommt überall auch die Nachstellung der finiten Verbform vor. Sie gilt im Standarddeutschen beim Ersatzinfinitv der Modaleverben als nicht richtig:

… dass sie mitmachen können hätte.
… dass er kochen müssen hatte.
… obwohl sie nicht mitkommen dürfen haben.
… wie es sein sollen hätte.

Eine dritte Variante, die Zwischenstellung der finiten Verbform, ist vor allem in Österreich anzutreffen:

… dass sie mitmachen hätte können.
… dass er kochen hatte müssen.
… wie es sein hätte sollen.

Ob oder inwieweit diese Wortstellung im österreichischen Standarddeutschen akzeptiert ist, weiß ich nicht. Dazu liegen mir leider keine Informationen vor. Ich vermute, dass sie zumindest toleriert ist, wenn sie so häufig vorkommt. Im restlichen deutschen Sprachgebiet ist die Zwischenstellung selten oder gar nicht gebräuchlich.

Mehr zur regionalen Verteilung der verschiedenen Varianten finden sie in der Variantengrammatik.

Etwas anders sieht es aus, wenn das Hilfsverb werden bzw. würden mit mehreren Infinitiven am Ende eines Nebensatzes steht. Dann sind standardsprachlich sowohl die Voranstellung als auch die Nachstellung üblich und akzeptiert:

… dass er würde sparen können / … dass er sparen können würde
… dass sie wird helfen müssen / … dass sie helfen müssen wird

Keine der beiden Varianten ist standardsprachlich „besser“.

Eine Übersicht über die wichtigsten Aspekte der Wortstellung bei mehreren Verbformen am Ende eines Nebensatzes finden Sie auf dieser Seite in der LEO-Grammatik (allerdings ohne Erwähnung regionaler Varianten).

Auch für mich gilt übrigens, dass ich es nie wirklich vollständig werde verstehen können oder verstehen können werde. Die Wortstellung bei mehreren Verbformen am Ende eines Nebensatzes hat nämlich noch mehr Tücken.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

„Von Montag bis Donnerstag“ und „ab Montag bis Donnerstag“

Frage

Ich habe eine Frage, die mich seit längerer Zeit beschäftigt. Ist dieser Gebrauch korrekt: „Heute ist ab 8 Uhr bis 12 Uhr geöffnet.“ oder „Die Angebote sind ab Montag bis Freitag gültig.“

Aus meiner Sicht erfüllt „ab“ als temporale Präposition den Zweck einen Anfangspunkt anzugeben, jedoch KEINEN Endpunkt. Es müsste „von-bis“ heißen. Auf zahlreichen Anzeigen, Plakaten und Prospekten findet man jedoch „ab-bis“.

Antwort

Guten Tag Herr B.,

Ihr Zweifel ist berechtigt. Im Allgemeinen gibt man mit ab (wie mit von … an) einen Zeitpunkt an, der Anfangspunkt eines zeitlichen Ablaufs oder Zustandes ist:

Das Geschäft ist erst ab 8 Uhr geöffnet.
Ab dem 1. Februar sind wir wieder erreichbar.
Die Angebote sind ab Montag vier Tage lang gültig.

Mit von … bis … werden der Anfangs- und der Endpunkt eines zeitlichen Ablaufs oder Zustandes angegeben:

Das Geschäft ist heute von 8 bis 12 Uhr geöffnet.
Wir sind von Montag bis Freitag erreichbar.
Die Angebote sind von Montag bis Donnerstag gültig

In den meisten Fällen, in denen ab … bis … steht, wäre es deshalb besser, von … bis … zu verwenden.

Das ist aber keine festzementierte Regel. Wenn der Anfangspunkt betont wird und der Endpunkt als zusätzliche Information gemeint ist, sind auch Formulierungen mit ab … bis … gut vertretbar:

Ein Geschäft darf erst ab 8 Uhr und bis spätestens 17 Uhr geöffnet sein.
Wir sind ab nächstem [o. nächsten] Montag bis zum Monatsende täglich erreichbar.
Die Angebote sind ab Montagmorgen gültig, und dies bis Donnerstagabend.

Die Verbindung ab … bis … ist also nicht ausgeschlossen, es ist aber in den in der Regel stilistisch besser, sie nicht anstelle von von … bis … zu verwendet. Es ist also meist besser von Montag bis Donnerstag als ab Montag bis Donnerstag zu sagen und zu schreiben.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Der Dativ „wem“ in „Ich helfe, wem ich will“

Frage

Ich habe neulich den Satz gelesen: „Ich helfe, wem ich will.“ Dieser kam mir falsch vor, da „helfen“ den Dativ verlangt und „wollen“ den Akkusativ. Umgangssprachlich hört man aber oft solche Sätze. Gelten sie als richtig?

Antwort

Guten Tag Frau N.,

Sätze wie diese hört man nicht nur umgangssprachlich:

Ich helfe, wem ich will.
Wir helfen, wem wir können.
Sie sprachen, wo sie wollten und mit wem sie wollten.

Man findet sie auch zum Beispiel in der Bibel und bei Schiller:

Und er [der Teufel] sagte zu ihm [Jesus]: All die Macht und Herrlichkeit dieser Reiche will ich dir geben; denn sie sind mir überlassen und ich gebe sie, wem ich will.1

Gefalle dieser Gedanke, wem er will.2

Die mit wem eingeleiteten Nebensätze sind Objektsätze. Sie sind das Dativobjekt (bzw Präpositionalobjekt) des Verbs im übergeordneten Satz:

Wem helfen wir? – Wem wir wollen.

Dabei ist der Dativ wem im Nebensatz nicht von wollen oder können abhängig (diese Verben stehen ja nicht mit dem Dativ), sondern vom Verb des übergeordneten Satzes. Dieses Verb wird im Nebensatz einfach nicht wiederholt:

Ich helfe, wem ich (helfen) will.
Wir helfen, wem wir (helfen) können.
Gefalle dieser Gedanke, wem er (gefallen) will.

Es ist recht schwierig, diese Satzkonstruktionen zu analysieren, wenn man die „klassische“ Rollenverteilung im Satz vor Augen hat. Dann müsste nämlich etwas wie das Folgende herauskommen:

Ich helfe denen, denen ich helfen will.
Wir helfen (all) denen, denen wir helfen können
Gefalle dieser Gedanken denjenigen, denen er gefallen will.

Sie sind aber zum Glück gar nicht so schwer zu verstehen, wenn man nicht alles bis ins Detail analysieren will oder muss. Die meisten wissen – bewusst oder unbewusst – die „Kurzversion“ mit wem als elegantere Formulierung zu schätzen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

1 Lukasevangelium 4,6; Einheitsübersetzung 2016
2 Friedrich Schiller: Über Egmont, Trauerspiel von Goethe. Anonym erschienen in der „Jenaischen Allgemeinen Literaturzeitung“, September 1788, zit. n. Friedrich Schillers Werke. Nationalausgabe, 22. Band. Hrsg. v. Herbert Meyer, Weimar: Hermann Böhlmanns Nachfolger 1958, S. 104, Auszüge

Schöne Feiertage wünschen mit und ohne „zu“

Frage

In der Zeitung lese ich:

Mit dem neuen Format verfolgen wir zwei Ziele: zum einen Ihnen einen noch tieferen Einblick in das Berliner Leben geben und zum anderen Sie so gut und objektiv wie möglich über die komplexen Verflechtungen unserer Welt informieren.

Sollte oder muss da nicht ein „zu“ vor „geben“ und „informieren“ stehen?

Antwort

Guten Tag Herr T.,

ob die Infinitive in diesem Satz mit zu stehen sollten oder nicht, ist vor allem eine stilistische Frage. Möglich ist beides.

Mit zu wird das, was nach dem Doppelpunkt folgt, in den Satz integriert. Die Infinitivgruppen sind von Ziel abhängig:

Wie verfolgen zwei Ziele, nämlich [das Ziel] dies zu tun und [das Ziel] das zu tun.

Wir verfolgen zwei Ziele: Ihnen einen Einblick zu geben und Sie über die komplexen Verflechtungen zu informieren.

Mit dem neuen Format verfolgen wir zwei Ziele: zum einen Ihnen einen noch tieferen Einblick in das Berliner Leben zu geben und zum anderen Sie so gut und objektiv wie möglich über die komplexen Verflechtungen unserer Welt zu informieren.

Ohne zu folgen nach dem Doppelpunkt unabhängige erweiterte Infinitive, die zum Beispiel auch mit Strichen, Nummerierungszeichen o. Ä. stehen könnten:

Wie verfolgen zwei Ziele: 1) dies tun, 2) das tun.

Wir verfolgen zwei Ziele: Ihnen einen Einblick geben und Sie über die komplexen Verflechtungen informieren.

Mit dem neuen Format verfolgen wir zwei Ziele: zum einen Ihnen einen noch tieferen Einblick in das Berliner Leben geben und zum anderen Sie so gut und objektiv wie möglich über die komplexen Verflechtungen unserer Welt informieren.

Zur Verbindung zum einen – zum anderen passt meiner Meinung nach die Einbindung mit zu besser. Das ist aber ein stilistisches, kein grammatisches Urteil.

Es bleibt mir nun nur noch etwas: Ihnen schöne und angenehme Feiertage (zu) wünschen.

Dr. Bopp

Die Adjektivendung, wenn Fische auf andere unter bestimmten Oberflächen versteckte(n?) Objekte zielen

Frage

Ich habe eine Frage zur Wortgruppenflexion. Welche der beiden Versionen ist richtig („versteckte“ vs. „versteckten“):

Die Fische zielen auf Flaschen und andere unter bestimmten Oberflächen versteckte Objekte.
Die Fische zielen auf Flaschen und andere unter bestimmten Oberflächen versteckten Objekte.

Kann man den Einschub „unter der Oberfläche“ ausklammern? Nach was richtet sich die Flexion von „versteckte“? Bei der Flexion von Adjektiven in solchen komplexeren Gruppen komme ich jedes Mal an meine Grenzen. […] Über ein paar allgemeine Tipps oder eine Art Bauplan für solche Wortgruppen wär ich sehr dankbar!

Antwort

Guten Tag Frau R.,

richtig ist hier zweimal die starke Endung e:

Die Fische zielen auf Flaschen und andere unter bestimmten Oberflächen versteckte Objekte.

Vor einem Substantiv wird andere gleich gebeugt wie ein Adjektiv. Ein auf ander- folgendes Adjektiv hat in der Regel die gleiche Endung wie ander-. Dies gilt in einfachen wie in (sehr) komplexen Wortgruppen:

Die Fische zielen auf andere Objekte.

Die Fische zielen auf versteckte Objekte.

Die Fische zielen auf unter bestimmten Oberflächen versteckte Objekte.

Die Fische zielen auf andere versteckte Objekte.

Die Fische zielen auf andere unter bestimmten Oberflächen versteckte Objekte.

Wenn Sie unsicher sind, wie Adjektive bzw. adjektivisch verwendete Partizipien in komplexen Wortgruppen gebeugt werden sollten, können Sie einfach alle vom Partizip abhängigen Erweiterungen weglassen. Sie sehen dann meist besser, welche Endung stehen sollte. Dabei muss übrigens nicht unbedingt ein wirklich sinnvoller Satz entstehen.

In Ihrem Beispielsatz ist die Erweiterung unter bestimmten Oberflächen von versteckt abhängig (wo versteckt?). Um die Beugung von versteckt zu testen, lassen Sie diese Erweiterung weg. Das Wort versteckt wird in der komplexen Formulierung  gleich gebeugt wie in der vereinfachten Variante:

auf andere unter bestimmten Oberflächen versteckte Objekte (zielen)
auf andere versteckte Objekte (zielen)

Verunsichernde Wortgruppen dieser Art finden sich vor allem bei adjektivisch verwendeten Partizipien. Hier noch ein paar Beispiele:

Die Reaktion vieler nach der uninteressanten Vorstellung sehr enttäuschter Zuschauerinnen und Zuschauer war äußerst negativ.
(Die Reaktion vieler enttäuschter Zuschauerinnen und Zuschauer …)

Die Reaktion dieser nach der uninteressanten Vorstellung sehr enttäuschten Zuschauerinnen und Zuschauer war äußerst negativ.
(Die Reaktion dieser enttäuschten Zuschauerinnen und Zuschauer …)

Die Feuerwehr räumte zwei durch einen Unfall, der sich im Nebel ereignet hatte, ineinander verkeilte Fahrzeuge von der Kreuzung.
(Die Feuerwehr räumte zwei verkeilte Fahrzeuge von der Kreuzung.)

Die Feuerwehr räumte alle durch einen Unfall, der sich im Nebel ereignet hatte, ineinander verkeilten Fahrzeuge von der Kreuzung.
(Die Feuerwehr räumte alle verkeilten Fahrzeuge von der Kreuzung.)

Kurz gesagt: Ein adjektivisch verwendetes Partizip wird in einer komplexen Wortgruppe gleich gebeugt, wie wenn es ohne eine von im abhängige Erweiterung steht. Wenn Sie diese Erweiterung(en) weglassen, sehen Sie besser, welche Endung gewählt werden sollte. Ich hoffe, dass dieser „Trick“ Ihnen in vielen Fällen weiterhelfen kann.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Der Nominativ in „als strategischer Fehler bezeichnet werden“

Frage

Welche der beiden Varianten ist richtig und warum?

Ihre Kandidatur für das Stadtpräsidium muss als strategischer Fehler bezeichnet werden.
Ihre Kandidatur für das Stadtpräsidium muss als strategischen Fehler bezeichnet werden.

Der erste Satz klingt für mich richtig. Wenn ich den Satz umformuliere, tauchen jedoch Zweifel auf:

Ich muss ihre Kandidatur als strategischen Fehler bezeichnen.

Antwort

Guten Tag Herr J.,

richtig ist hier, was für Sie richtig klingt:

Ihre Kandidatur für das Stadtpräsidium muss als strategischer Fehler bezeichnet werden.

Warum steht hier der Nominativ und nicht wie in Ihrem dritten Beispielsatz der Akkusativ? – Das liegt daran, dass als nicht mit einem festen Fall steht. Die als-Gruppe steht im gleichen Fall wie das Wort, auf das sie sich bezieht. Hier steht Kandidatur (der Kern der Wortgruppe ihre Kandidatur für das Stadtpräsidium) im Nominativ. Die als-Gruppe bezieht sich auf das Subjekt des Satzes:

Wer oder was muss als strategischer Fehler bezeichnet werden?

Wenn man den Satz vom Passiv ins Aktiv umsetzt, lautet er so:

Ihre Kandidatur für das Stadtpräsidium muss man als strategischen Fehler bezeichnen.

Die als-Gruppe steht dann wie „Kandidatur“ im Akkusativ. Sie bezieht sich auf das Akkusativobjekt:

Wen oder was muss man als strategischen Fehler bezeichnen?

Dies gilt auch für Verben wie (an)sehen als, auszeichnen als, empfehlen als, darstellen als, empfinden als, hinstellen als, legitimieren als, präsentieren als, preisen als, rühmen als, werten als. Zum Beispiel:

Man sieht ihn als ehrlichen Mann an.
Er wird als ehrlicher Mann angesehen.

Man empfindet das als großen Einbruch in die Privatsphäre.
Das wird als großer Einbruch in die Privatsphäre empfunden.

Man bezeichnet das Buch als ihren größten Erfolg.
Das Buch wird als ihr größter Erfolg bezeichnet.

Diese Verben haben noch eine Gemeinsamkeit: Wenn sie reflexiv verwendet werden, steht die als-Gruppe heute meistens im Nominativ. Sie bezieht sich auf das Subjekt und nicht auf das Reflexivpronomen:

Er sieht sich als ehrlicher Mensch an.
Napoleon empfand sich als der wiedergekehrte Karl der Große.
Der Betrieb bezeichnet sich als deutscher Marktführer.

Wie „meistens“ oben angibt, ist der Akkusativ selten, aber nicht falsch. Wer sich als eherlichen Menschen ansieht und nicht als ehrlicher Mensch, macht also zumindest sprachlich gesehen keinen Fehler. (Die Beispiele stehen übrigens alle im männlichen Singular, weil die Formen des Nominativs und des Akkusativs sich im weiblichen und sächlichen Singular und im Plural nicht voneinander unterscheiden. Dann stellt sich die Frage der Übereinstimmung nur theoretisch.)

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Werden meine Haare grau oder wird mein Haar grau?

Frage

Ich wüsste gerne wie es richtig ist:

Claras lange braune Haare sind sehr schön.
Claras langes braunes Haar ist sehr schön.

Oder ist beides richtig?

Antwort

Guten Tag Frau H.,

beides ist hier möglich, gebräuchlich und korrekt. Das Wort Haar hat im Singular zwei Bedeutungen:

  1. einzelnes Haar
  2. Gesamtheit der Haare (Sammelbezeichnung)

Wenn es sich um eine Gesamtheit von Haaren handelt, kann man unterschiedslos die Mehrzahl Haare oder die Sammelbezeichnung Haar verwenden:

Claras lange braune Haare sind sehr schön.
Claras langes braunes Haar ist sehr schön.

Mit der Mehrzahl sind alle einzelnen Haare gemeint, mit der Einzahl die Gesamtheit der Haare. In den meisten Fällen gibt es dabei keinen Unterschied:

die Haare kämmen
das Haar kämmen

die Haare wachsen lassen
das Haar wachsen lassen

Männer mit vielen Brusthaaren
Männer mit viel Brusthaar

Das Haar des Pudels ist lockig
Die Haare des Pudels sind lockig

blonde / gewellte / frisch gewaschene / kurzgeschnittene / echte Haare
blondes / gewelltes / frisch gewaschenes / kurzgeschnittenes / echtes Haar

Nicht immer kommt beides gleich häufig vor: In der Regel rauft man sich die Haare und nur sehr selten rauft sich jemand das Haar.

Ich konnte nirgendwo Informationen dazu finden, ob es bei der Verwendung von die Haare und das Haar regionale Unterschiede gibt. Bei einzelnen Sprechenden scheint es aber deutliche Vorlieben zu geben. So verwende ich eigentlich nie das Haar für die Gesamtheit der Haare. Ich sage immer, dass meine Haare grau werden, und nie, dass mein Haar grau wird, auch wenn Letzteres ebenfalls korrekt und gebräuchlich ist. Älter werde ich so oder so.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

„Das rührt daher, dass“ – oder
„Das rührt davon her, dass“?

Frage

Heute habe ich eine Frage zum Verb „herrühren“ bzw. zum Adverb „davon“ mit dem Verbzusatz „her“. Wie muss es richtig heißen:

a) Das rührt daher, dass der Kanzler sich in Schweigen hüllt.
b) Das rührt davon her, dass der Kanzler sich in Schweigen hüllt.

Ich bin mir einigermaßen sicher, dass a) falsch ist. Das Verb heißt ja nicht „daherrühren“ oder „rühren“ (Letzteres gibt es zwar, bedeutet aber etwas anderes). Trotzdem ist dies wohl die gängigste Schreibweise. […]

Antwort

Guten Tag Herr K.,

die Wendung lautet tatsächlich von etwas herrühren (seine Ursache in etwas haben):

Der üble Geruch rührte von verdorbenen Lebensmitteln her.
Diese Verletzungen können nicht von einem Sturz herrühren.

Es müsste entsprechend auch heißen:

Wovon rührte der üble Geruch her?
Diese Verletzungen rühren nicht davon her, dass das Kind gestürzt ist.

Und bei der Formulierung in Ihrer Frage:

Das rührt davon her, dass der Kanzler sich in schweigen hüllt.

Das ist zwar korrekt, aber so wird dennoch verhälnismäßig selten formuliert. Warum?

Das einfache Verb rühren hat nicht immer eine andere Bedeutung. In der gehobenen Sprache kann es ebenfalls seine Ursache haben bedeuten:

Ihre Beschwerden rühren von einer Erkältung.
Die Aufregung rührt von einem Missverständnis.

Dieses einfache rühren klingt nicht mehr so gehoben, wenn Fragen formuliert oder Nebensätze angeschlossen werden:

Woher rührte der üble Geruch?
Die Aufregung rührt daher, dass es ein Missverständnis gegeben hat.

Das gilt auch für die allgemein gebräuchliche Wendung das rührt daher, dass:

Das rührt daher, dass der Kanzler sich in Schweigen hüllt.

Man könnte also sagen, dass das einfache rühren in Verbindung mit woher und daher an die Stelle des sonst üblichen herrühren tritt, wenn eher schwerfälliges  wovon … her oder davon her vermieden werden soll. Das ist hier sehr einfach und unauffällig, weil ja gewissermaßen ein her erhalten bleibt.

Die Formulierung das rührt daher, dass ist gebräuchlich und korrekt. Das rührt daher, dass wir manchmal mühelos von der einen zur anderen Konstruktion wechseln können, wenn dies einfacher ist oder besser klingt.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp