Das Sich-sehr-Wundern und die sich sehr Wundernden

Warnung: Es folgt trockener Stoff. Er könnte diejenigen Interessieren, die sich wie Herr F. wundern, warum man „offiziell“ das Sich-sehr-Wundern und die sich sehr Wundernden schreibt.

Frage

[…] Immer noch unsicher bin ich in folgendem Fall:

Das Sich-Weiterbilden/Sichweiterbilden ist heute sehr wichtig.
Das Angebot richtet sich an Sich-Weiterbildende/Sichweiterbildende/sich Weiterbildende.

Irgendwie wird mir nicht klar, ob und wenn ja warum sich die Schreibung von substantivierten Infinitivgruppen von derjenigen substantivierter Partzipgruppen (erweitert oder nicht) unterschiedet:

das Sich-Verändern – das Sich-schnell-Verändern
ABER
das sich schnell Verändernde – das sich schnell Verändernde

Antwort

Sehr geehrter Herr F.,

Sie sind nicht der Einzige, der sich wundert – oder stilistisch unschön, aber zur Frage passend: Sie sind nicht der einzige sich Wundernde. Bei einer als Substantiv verwendeten Infinitivgruppen gilt (Regel):

zwei Elemente → Zusammenschreibung
mehr als zwei Elemente → Schreibung mit Bindestrichen

Also:

sich verändern → das Sichverändern
sich schnell verändern → das Sich-schnell-Verändern

Deutlich anders sieht die Schreibung bei einer substantivierten Partizipgruppe aus:

sich verändernd → das sich Verändernde
sich schnell verändernd → das sich schnell Verändernde

Die einfache Antwort auf die Frage nach der unterschiedlichen Schreibung von substantivierten Infinitivgruppen und substantivierten Partizipgruppen lautet: Weil es so in der amtlichen Rechtschreibregelung steht. Das ist aber eine wenig befriedigende Auskunft.

Eine etwas ausführlichere Begründung könnte die folgende sein: Der Hauptunterschied liegt in der Veränderung der syntaktischen Rolle der Wortgruppe, die bei der Substantivierung auftreten kann. Das klingt recht kompliziert – und sehr einfach ist es tatsächlich nicht. Im Einzelnen gilt:

Bei der Substantivierung einer Infinitivgruppe wird eine verbale Gruppe zu einer nominalen Gruppe. Die ganze Wortgruppe erhält im Satz eine andere Funktion. Entsprechend wird die ganze Gruppe in der Rechtschreibung als Substantiv gekennzeichnet. Dies geschieht durch Großschreibung sowie Zusammenschreibung oder Schreibung mit Bindestrichen.

Verbgruppe wird Nomengruppe:
sich schnell verändern → das Sich-schnell-Verändern

Bei der Substantivierung einer Partizipgruppe wird im Prinzip einfach der Kern einer nominalen Gruppe verschoben. Der (gedachte) substantivische Kern fällt weg und das adjektivisch verwendete Partizip übernimmt die Rolle des Wortgruppenkerns. Die Gruppe hat im Satz immer noch die gleiche Funktion. Orthografisch wird nur der verschobene Kern gekennzeichnet, und zwar durch Großschreibung:

Nomengruppe bleibt Nomengruppe:
das sich schnell verändernde Etwas → das sich schnell Verändernde

Es folgen ein paar Beispiele:

sich weiterbilden müssen
→ die Verpflichtung des Sichweiterbildens
die Wünsche der sich weiterbildenden Menschen
→ die Wünsche der sich Weiterbildenden

Er möchte Rad fahren.
→ Sein Wunsch ist das Radfahren.
Die Rad fahrenden o. radfahrenden Leute leben gesund.
Die Rad Fahrenden o. Radfahrenden leben gesund.

den Text sehr klein drucken
das Sehr-klein-Drucken des Textes
das sehr klein gedruckte Etwas
das sehr klein Gedruckte

Man kann sich sehr über die Rechschreibung wundern.
→ Die Rechtschreibung gibt Anlass zum Sich-sehr-Wundern.
Sie sind nicht der einzige sich sehr wundernde Mensch.
→ Sie sind nicht der einzige sich sehr Wundernde.

Die hier beschriebenen Unterschiede bedingen nicht logisch zwingend, dass in dieser Weise unterschiedlich geschrieben werden muss. Es ist aber in der deutschen Rechtschreibung so üblich. Gerne würde ich es einfacher machen, ich weiß aber leider nicht wie. Nur dies: Oft lohnt es sich, substantivierte Infinitivgruppen und Partizipgruppen zu vermeiden. Man umgeht dann nicht nur diese Rechtschreibfrage, sondern formuliert in vielen Fällen auch stilistisch besser. Die letzten Beispielsätze zeigen es deutlich!

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Aus „touch panel“ wird Touchpanel

Der Bindestrich und die Getrennt- und Zusammenschreibung bei Zusammensetzungen aus dem Englischen sind ein häufig wiederkehrendes Problem. Vor einiger Zeit ging es um den Bindestrich bei Golfausdrücken. Heute geht es darum, wie man das englische „touch panel“ im Deutschen schreibt:

Frage

Ich habe mal eine Frage zum Wort „Bildschirm-Tastfeld“. So übersetzt dict.leo.org das „touch panel“. Natürlich möchte man dann lieber auch im Deutschen die englische Bezeichnung wählen, denn „Bildschirm-Tastfeld“ hört sich schon reichlich antiquiert an. Aber wie schreibt man das? „Touch Panel“ wie im Englischen, nur in Großschreibung? Oder ist das Leerzeichen dann ein „Deppenleerzeichen“, so dass „Touchpanel“ richtig wäre?

Antwort

Sehr geehrter Herr C.,

wenn Sie lieber die englische Bezeichnung als die etwas gar gründlich umschreibende, ziemlich langatmige deutsche Entsprechung Bildschirm-Tastfeld verwenden, schreiben Sie sie am besten zusammen:

das Touchpanel

ebenso:

der Touchscreen

Zusammensetzungen aus dem Englischen werden im Deutschen im Prinzip zusammengeschrieben. Es wäre auch möglich, einen „verdeutlichenden“ Bindestrich zu verwenden (Touch-Panel, Touch-Screen), aber das ist hier eigentlich nicht notwendig.

Die Getrenntschreibung (Touch Panel, Touch Screen) ist nach der amtlichen Rechtschreibregelung nicht korrekt.* Ich würde allerdings nicht so weit gehen, diejenigen, die sich nicht daran halten und hier ein Leerzeichen verwenden, als Deppen zu bezeichnen. Gerade bei mehrteiligen Entlehnungen aus dem Englischen mögen sich manche etwas überlegen, bevor sie sich bewusst gegen die amtliche Regel entscheiden. Allerdings werden falsche Leerzeichen tatsächlich oft aus Unkenntnis gesetzt, aber sind alle, die die entsprechenden Rechtschreibregeln nicht kennen, einfach Deppen? Es mag deutlich geworden sein, dass mir die ziemlich populäre Bezeichnung „Deppenleerzeichen“ nicht gefällt. Ich muss aber zugeben, dass ich die Beispiele, die die gleichnamige Webseite sammelt, trotz des soeben kritisierten Ausdrucks manchmal sehr erheiternd finde. Es ist schwierig, immer konsequent zu bleiben.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

* Die Getrenntschreibung ist nach der Rechtschreibregelung nur dann möglich, wenn die Wörter als direkte Zitate aus dem Englischen gemeint sind ­– dann allerdings kleingeschrieben und zum Beispiel durch Anführungszeichen als Zitat gekennzeichnet: „touch panel“,  „touch screen“.

Wissen Sie(,) wie?

Frage

Kommt bei Fragewörtern ein Komma, wenn sie keinen Nebensatz bzw. einen verkürzten Nebensatz einleiten?

Zum Beispiel: „Er weiß nicht(,) warum.“

Eigentlich könnte dieser Satz ja erweitert werden: „Er weiß nicht, warum er nicht gewählt worden ist.“ In diesem Falle müsste ein Komma stehen. Gilt das denn auch für die verkürzte Variante?

Antwort

Guten Tag A.,

Ihre Frage enthält schon die meisten Elemente, die zu ihrer Beantwortung beitragen. Wenn statt eines abhängigen Fragesatzes ein einzelnes Fragewort steht, kann man es mit einem Komma abtrennen. Das Fragewort wird dann als verkürzter Nebensatz behandelt. Man kann das Fragewort aber auch als einfache Ergänzung interpretieren und kein Komma setzen. Zum Beispiel:

Er weiß nicht, warum?
Er weiß nicht warum.

Weiß er wirklich nicht, weshalb?
Weiß er wirklich nicht weshalb?

Sie kommen bestimmt. Wenn ich nur wüsste, wann!
Sie kommen bestimmt. Wenn ich nur wüsste wann!

Ich weiß nicht, wie, aber ich werde es herausfinden.
Ich weiß nicht wie, aber ich werde es herausfinden.

Repariere es! Womit ist mir egal.
Repariere es! Womit, ist mir egal.

So viel Freiheit ist ja schön und gut, aber wann soll man denn nun ein Komma setzen und wann nicht? – Das liegt ganz in Ihrem Ermessen. Als Faustregel könnte hier gelten: Das Komma steht dann, wenn Sie in der gesprochenen Sprache eine das einzelne Fragewort hervorhebende Pause machen oder machen würden.

Es ist nicht immer einfach, Kommas zu setzen. Ich hoffe, dass Sie in diesem Fall nun ein bisschen besser wissen(,) wie.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Informanten informieren Informanden

Frage

Warum werden Reaktanten am Ende mit einem t geschrieben? Diese Frage taucht regelmäßig auf, wenn es um chemische Reaktionen geht. Nun hatte ich nie Latein, aber denke, dass es etwas mit dem „Vorgang“ zu tun haben könnte, denn ein Doktorand ist ja jemand, der gerade dabei ist, seinen Doktortitel anzustreben; er ist im Prozess des Doktorwerdens. Bei einem Konfirmanden kann man ähnlich argumentieren. Ist ein Reaktant nun etwas, was einfach reagiert?

Antwort

Sehr geehrter Herr M.,

Reaktant bedeutet wörtlich Reagierender. Die Endung –ant geht auf die Endung des lateinischen Partizip Präsens Aktiv (–ans/–antis) zurück. Es gibt im Deutschen relativ viele Fremdwörter dieser Form. Zum Beispiel:

Demonstrant/-in = demonstrierende Person
Informant/-in  = informierende Person
Simulant/-in  = simulierende Person
Sympathisant/-in  = sympathisierende Person
Repräsentant/-in  = repräsentierende Person

Es gibt auch „Nichtpersonen“ auf –ant:

Hydrant = Zapfstelle am Wasserleitungsnetz; wörtlich: Hydrierender (Wassergebender)
Reaktant = Stoff, der mit einem anderen eine chemische Reaktion eingeht; wörtlich: Reagierender
Konsonant = Mitlaut; wörtlich: Mitklingender

Die Variante –ent (lat. -ens/–entis) hat die gleiche Bedeutung:

Assistent/-in = assistierende Person
Dirigent/-in  = dirigierende Person
Konkurrent/-in  = Konkurrierende(r)
Produzent/-in  = Produzierende(r)
Student/-in  = studierende Person
Substituent = Atome, die in einem Molekül andere Atome ersetzten können; wörtlich: Substituierender (Ersetzender)

Nun kommen wir zur zweiten Endung, die Sie erwähnen: Ein Doktorand ist wörtlich genommen eine Person, die zum Doktor gemacht werden soll. Die Endung –and geht auf die Endung des lateinische Gerundivs (–andus) zurück. Diese Verbform entspricht im Deutschen einer Umschreibung mit zu + Partizip Präsens (…and = zu …end). Sie drückt aus, dass etwas mit jemandem oder einer Sache getan werden sollte. Weitere Beispiele sind:

Konfirmand/-in = Person, die konfirmiert wird/werden soll
Informand/-in = zu informierende Person
Multitplikand = zu multiplizierende Zahl

Promovend/-in = zu promovierende Person
Subtrahend = zu subtrahierende Zahl

Der Informant ist also der Informierende und der Informand der zu Informierende. Das ist eine klare Rollenverteilung: Informanten informieren Informanden. Trotzdem begegnen sich die beiden in der Sprachrealität erstaunlich selten. Das hat damit zu tun, dass Fremdwörter, wie auch Ihr Beispiel Reaktant zeigt, oft in einem bestimmten Zusammenhang verwendet werden. Informanten versorgen in der Regel die Polizei und (wissenschaftliche) Untersuchungen mit Informationen. Der Begriff Informand hingegen kommt vor allem im Bereich der beruflichen Aus- und Weiterbildung vor – es sei denn, es handle sich, wie recht oft, um einen falsch geschriebene Informanten!

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Angela Merkel mit und ohne Kommas

Frage

Ich hatte noch gelernt, dass bei Funktionsbezeichnungen wie: „Die Bundeskanzlerin, Angela Merkel, sagte …“ die Apposition mit Kommata abgetrennt wird, weil es nur eine amtierende Bundeskanzlerin gibt. Wenn man die Bezeichnung wie einen Titel gebraucht, steht kein Komma: „Bundeskanzlerin Angela Merkel erklärte …“

Dann hatte ich noch gelernt, dass wenn z. B. ein Amt von mehreren Personen ausgeübt wird, kein Komma steht: „Der stellvertretenden Landesvorsitzende der GdP-Saarland Ralf Porzel sagte …“

Ich bin durch die ganzen Rechtschreibreformen verunsichert und wollte deshalb wissen, ob das immer noch so ist?

Antwort

Sehr geehrter Herr S.,

durch die Rechtschreibreform hat sich in diesem Bereich der Kommasetzung nichts geändert. Die Regel, die Sie hantieren, führt meist zu einem korrekten Resultat, sie ist aber viel zu strikt. Es gibt oft mehr als eine Möglichkeit.

Die Kommasetzung hängt hier nämlich nicht davon ab, ob es einen oder mehrere Vertreter einer bestimmten Funktion gibt, sondern davon, ob man die Nennung des Namens als Hauptsache oder als nachgestellte Apposition (nähere Bestimmung) versteht. Im Prinzip ist es ganz einfach: Wenn man in der gesprochenen Sprache vor und nach dem Namen eine Pause macht, ist er eine Apposition, das heißt eine nähere Bestimmung, wer genau mit der genannten Funktion gemeint ist. Man setzt Kommas. Wenn man beim Sprechen keine Pausen macht, ist der Name der Kern der Wortgruppe, dem ein Titel oder eine Funktionsbezeichnung vorausgeht. Man schreibt keine Kommas. In vielen Fällen ist beides möglich, unabhängig davon, ob es mehrere Vertreter oder Vertreterinnen der genannten Funktion gibt oder nicht. Ein paar Beispiele:

Mit oder ohne Pause → mit oder ohne Komma:

Es spricht die Bundeskanzlerin Angela Merkel.
Es spricht die Bundeskanzlerin, Angela Merkel.

Der Vorsitzende Hans Christoph Brummer begrüßte die Anwesenden.
Der Vorsitzende, Hans Christoph Brummer, begrüßte die Anwesenden.

Der Angeklagte sagte, dass er nicht mit seiner Verteidigerin Dr. Thekla Araneus einverstanden sei.
Der Angeklagte sagte, dass er nicht mit seiner Verteidigerin, Dr. Thekla Araneus, einverstanden sei.

Ich reiste mit meinem Nachbarn Alois Siebenpunkt nach Prag.
Ich reiste mit meinem Nachbarn, Alois Siebenpunkt, nach Prag.

Ohne Pause → ohne Komma:

Nach der Aussage der Landtagsabgeordneten Maja Apis verliefen die Unterhandlungen gut.

Mit Pause → mit Komma:

Nach der Aussage einer Landtagsabgeordneten, Maja Apis, verliefen die Unterhandlungen gut.

Mir persönlich helfen die Pausen in der gesprochenen Sprache gut bei der Entscheidung, ob ich in solchen Fällen ein Komma setzen will oder nicht.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

O oder oh

Frage

Eine Frage zum Thema Interjektion: Schreibt man zum Beispiel „Oh Gott“ oder „O Gott“; „Oh lasst uns singen!“ oder: „O lasst uns singen!“? Wann also „Oh“, wann „O“ und warum? Ich habe diesbezüglich beide Möglichkeiten schon gesehen, aber nicht immer ist das, was allgemein so verwendet, auch richtig.

Antwort

Sehr geehrter Herr S.,

ob Sie oh oder o schreiben, hängt davon ab, was Sie rufen:  Wenn die Interjektion allein steht oder betont ist, schreibt man oh. Man schreibt o, wenn sie einen Ausruf einleitet, vor allem wenn sie nicht die Hauptbetonung trägt:

Oh!
Oh, oh!
Oh, wie schön! (oh ist betont, Komma entspricht einer Pause)
Oh, Gott! (oh ist betont, Komma entspricht einer Pause)

O weh!
O ja!
O wie schön!  (keine Pause, Hauptbetonung liegt auf schön)
O Gott! (keine Pause, Hauptbetonung liegt auf Gott)

Im Allgemeinen können Sie sich an diese Richtlinien halten:

  • oh wenn betont und lang
  • o wenn nicht betont und kurz

Oft sind beide Schreibweisen möglich, je nachdem, welche Aussprache gemeint ist:

Oh, lasst uns singen!
O lasst uns singen!

Wenn man den Ausruf nicht auch hört, kann man also in der Regel gar nicht beurteilen, ob er tatsächlich orthographisch richtig wiedergegeben wird. Das ist aber oft gar nicht so wichtig: Es macht mir zum Beispiel nicht viel aus, ob Sie beim Lesen dieses Texts Oh, wie interessant! oder O wie interessant! rufen …

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Die 24-Volt-Spannung und die 25-Grad-Grenze

Die elektrische Spannung und die Temperaturgrenze stehen nur deshalb gemeinsam im Titel, weil beide mit Bindestrichen geschrieben werden. Heute geht es nämlich um eine zwar recht einfach zu beantwortende, aber trotzdem immer wieder auftauchende Rechtschreibfrage:

Frage

Gerne würde ich wissen, wie man Zusammensetzungen wie „24 V Spannung“ und „24 Volt Spannung“ schreibt. Mit Bindestrichen, Leerstellen oder zusammen?

Antwort

Guten Tag,

in Zusammensetzungen mit Ziffern und Abkürzungen verwendet man Bindestriche. Für Ihr Beispiel bedeutet dies, das wie folgt geschrieben wird:

die 24-Volt-Spannung
die 24-V-Spannung

Die entsprechende Regel finden Sie hier. Man schreibt also zum Beispiel auch:

die 100-Jahr-Feier
der 80-Meter-Lauf oder der 80-m-Lauf
der 5-Liter-Kanister oder der 5-l-Kanister
der 6-Zylinder-Motor
das 2.-Klasse-Abteil oder das 2.-Kl.-Abteil
der ¾-Takt

Oft ist natürlich auch die Schreibung in Worten möglich (und meiner Meinung nach zu empfehlen, denn auch längere Wörter sind oft ohne Bindestriche gut lesbar und ergeben ein ruhigeres Schriftbild – doch das ist wohl eher eine Geschmacksfrage):

Hundertjahrfeier
Achtzigmeterlauf
Fünfliterkanister
Sechszylindermotor
Dreivierteltakt

Wenn das Thermometer die richtige Temperatur anzeigt, haben wir hier soeben die 25-Grad-Grenze überschritten!

Mit sonnigen Grüßen

Dr. Bopp

Regelmässig trennen

Wenn Sie denken, im Titel einen Fehler entdeckt zu haben, stimmt das nur bedingt.  Es geht heute um eine Frage, die mich hin und wieder aus der Schweiz erreicht. In der schweizerischen Rechtschreibung gibt es das ß (Eszett) ja nicht. Man verwendet immer ss. Manchmal stellt sich dann am Zeilenende die Frage, wie dieses anstelle von ß verwendete ss zu trennen ist. Wie also trennt man regelmäßig, wenn man regelmässig schreibt?

Frage

Können Sie mir bitte die korrekte Trennung von „regelmässig“ sagen. Im Duden finde ich nur die deutsche Schreibweise.

Antwort

Sehr geehrte Frau W.,

wenn man ss statt ß schreibt, trennt man ss gleich wie andere Doppelkonsonanten:

re-gel-mäs-sig (re-gel-mä-ßig)
schweis-sen (schwei-ßen)
Straus-sen-fe-der (Strau-ßen-fe-der)
gros-se Füs-se (gro-ße Fü-ße)

und

schweiss-te (schweiß-te)
scheuss-lich (scheuß-lich)
Fleiss-ar-beit (Fleiß-ar-beit)
klei-ne Füss-chen (kleine Füß-chen)

Die entsprechende Regel finden Sie hier (unter „x, ss und ß“).

Das war früher, das heißt vor der Rechtschreibreform, übrigens anders. Damals war man „offiziell“ gehalten, für ß stehendes ss gemeinsam abzutrennen (re-gel-mä-ssig). Wahrscheinlich haben sich aber nur wenige an diese Regel gehalten – sofern sie überhaupt bekannt war. Die mit der Reform eingeführte Änderung ist kaum jemandem aufgefallen, geschweige denn, dass es zu Protesten gekommen wäre. Man trennt in der Schweiz heute also nicht nur in der Praxis, sondern auch mit offzieller „Genehmigung“ der Rechtschreibregelung re-gel-mäs-sig.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

NS: Leser und Leserinnen, die diese schweizerische Schreibgewohnheit nicht kennen, und sich nun vielleicht fragen, wie man überhaupt ohne ß auskommen kann, verweise ich auf den schon etwas älteren Blogeintrag „Die Maße und die Masse in der Schweiz“.

Siehe und sieh!

Frage

In unserem Arbeitsalltag als technische Übersetzer stolpern wir oft über Querverweise auf Abbildungen, Tabellen usw. mit dem kleinen Wörtchen „siehe“. Wird dieses groß- oder kleingeschrieben oder gibt es keine wirkliche Konvention. Zum Beispiel: „Die Warnleuchte befindet sich auf der Rückseite des Deckels (siehe/Siehe Abbildung 3 auf Seite 7).“ Und wie verhält es sich mit den Punkten?

Antwort

Sehr geehrter Herr P.,

eine allgemeingültige Regelung gibt es meines Wissens nicht, aber die folgenden Schreibweisen kommen häufig vor und sind recht praktisch:

Der Verweis wird oft in Klammern gesetzt. Man schreibt siehe dann klein und verwendet direkt nach dem Verweis keinen Punkt:

Die Warnleuchte befindet sich auf der Rückseite des Deckels (siehe Abbildung 3, Seite 7). Sie wird mit Schalter C bedient.
Die Warnleuchte befindet sich auf der Rückseite des Deckels (siehe Abbildung 3, Seite 7) und wird mit Schalter C bedient.
Die Warnleuchte befindet sich auf der Rückseite des Deckels (siehe Abbildung 3, Seite 7), wo auch der Schalter C zu finden ist.

Man kann dem Verweis auch etwas mehr Gewicht geben, indem man ihn nicht in Klammern setzt, sondern nach einem Punkt separat aufführt. Auch dann verwendet man üblicherweise kein Ausrufezeichen, obwohl es sich bei siehe um eine Art Befehlsform des Verbs sehen handelt.

Die Warnleuchte befindet sich auf der Rückseite des Deckels. Siehe Abbildung 3 auf Seite 7.

Weiter gibt es noch die folgende Art des Verweises. Man beachte, dass hier zwischen dem eigentlichen Verweis und demjenigen, wozu der Verweis angegeben wird, kein Komma steht (nein, auch nicht vor siehe im ersten Beispiel!):

Für die Montage der Warnleuchte siehe Anleitung B auf Seite 7.
Siehe Anleitung B auf Seite 7 für die Montage der Warnleuchte.

Dies sind nicht die einzig möglichen Schreibweisen, aber mit diesen einfachen „Regeln“ bin ich bis jetzt immer gut gefahren.

Wenn wir schon dabei sind, hier noch ein paar Worte zur Form: siehe mit e steht nur in Verweisen und Ausrufen:

Siehe Seite 7.
Siehe da, es funktioniert!
Und siehe, ein Engel des Herrn erschien.

Die „gewöhnliche“ Befehlsform von sehen ist sieh ohne e:

Sieh mich bitte an!
Sieh dir den Text noch einmal an!
Sieh her und sei ruhig!

Noch eine allerletzte Bemerkung und dann werde ich wirklich ruhig sein: Auch wenn die Befehlsform sieh! kein e am Schluss hat, kommt sie ganz ohne Apostroph aus!

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Der Bindestrich beim Golfen

Frage

Ich schlage mich gerade mit Golfvokabular herum und bin etwas erstaunt, wie wenig davon in gängigen Nachschlagewerken zur deutschen Sprache zu finden ist. So gerate ich bereits bei Schreibungen von „Hole-in-one“ oder „Driving-Range“ ins Grübeln, was hier denn korrekt wäre. Ich bin hier nicht sicher, ob „driving“ als Partizip einzustufen ist oder nicht […]. Können Sie mir weiterhelfen? Auch anspruchsvolle Zeitungen sind sich hier leider nicht immer einig …

Antwort

Sehr geehrter Herr F.,

es gibt kaum einen Bereich in der Rechtschreibung, bei dem durch die Rechtschreibregelung vorgeschriebene Schreibungen und wirklich vorkommende Schreibungen so häufig nicht übereinstimmen: Mehrwortbegriffe aus dem Englischen. Es kann deshalb vorkommen, dass man gewisse Begriffe sehr viel öfter in nicht standardgemäßer als in „korrekter“ Schreibung antrifft.

Wenn die Golfbegriffe nicht als Zitatwörter aus dem Englischen gemeint sind (dies ist eigentlich schon eine Art ein „Gummiparagraph“), müssen Sie wie folgt geschrieben werden:

Hole-in-one
Driving-Range oder Drivingrange

Man kann driving nicht als adjektivisch verwendetes Partizip ansehen, weil es sich hier nicht um eine „drivende Range“, sondern um eine „Range für das Driven“ handelt (engl. nicht so etwas wie range that is driving, sondern range for [the] driving). Man sollte deshalb wie zum Beispiel bei Swimmingpool, Shoppingcenter und Chewinggum zusammen- oder mit einem verdeutlichenden Bindestrich schreiben. Das gilt auch für zum Beispiel die folgenden Golfbegriffe:

Putting-Green oder. Puttinggreen resp. Putting-Grün oder Puttinggrün
Pitching-Green oder Pitchinggreen resp. Pitching-Grün oder Pitchinggrün

Siehe die Regel für die Zusammenschreibung und die Regel für die Schreibung mit Bindestrich.

Soweit also die nach der Rechtschreibregelung korrekten Schreibweisen. Wundern Sie sich aber nicht, wenn Sie – wie eingangs gesagt – sehr häufig andere, sich mehr nach dem englischen Original richtende Schreibungen antreffen!

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp