1,5 Pfund Erbsen – Singular oder Plural?

Nachdem ich die Antwort auf die untenstehende Frage wieder zurückerhalten habe („Absender unbekannt“), möchte ich Sie wieder einmal bitten, darauf zu achten, im Kontakformular die richtige Adresse anzugeben oder einfach die ebenfalls hier genannte E-Mail-Adresse zu verwenden. Sie erhalten dann nämlich ganz bestimmt eine Antwort – und auch noch schneller.

Frage

Auf Ihrer Webseite http://www.canoonet.eu/services/OnlineGrammar/Wort/Verb/Numerus-Person/ProblemNum.html führen Sie den Beispielsatz an: „Hinzu kommen 1,5 Pfund Erbsen.“ Mehrere Personen sind der Meinung, dass dies „Hinzu kommt 1,5 Pfund lauten muss“ (ab „2 Pfund“ dagegen Plural). Mit den anderen Beispielsätzen sind wir dagegen einverstanden.

Antwort

Guten Tag!

Als standardsprachlich richtig gilt:

Hinzu kommen 1,5 Pfund Erbsen.

Vermutlich finden Sie in diesem Beispielsatz die Einzahl besser, weil Sie 1,5 als eine Einzahl ansehen. Dass dies nicht der Fall ist, wird dann ersichtlich, wenn das nachfolgende Substantiv keine immer in der Einzahl stehende Mengenangabe wie Pfund ist:

1 Pfund Erbsen
1,5 Pfund Erbsen
2 Pfund Erbsen

1 Tonne Erbsen
1,5 Tonnen Erbsen (nicht: 1,5 Tonne)
2 Tonnen Erbsen

Ein Tag ist lang.
eineinhalb Tage sind lang. (nicht: eineinhalb Tag)
Zwei Tage sind lang.

Wir haben es also bei 1,5 Pfund Erbsen mit einer Mengenangabe in der Mehrzahl und etwas Gemessenem in der Mehrzahl zu tun. Standardsprachlich sollte das Verb deshalb ebenfalls in der Mehrzahl stehen (siehe hier):

Hinzu kommen 1,5 Pfund Erbsen.

Vgl.

Hinzu kommen 1,5 Tonnen Erbsen.
Hinzu kommen 2 Pfund Erbsen.

Es ist allerdings nicht sehr erstaunlich, dass Sie hier den Singular wählen möchten: 1,5 (eins Komma fünf) beginnt mit 1 (eins) und Pfund steht trotz der „mehrzahligen“ Bedeutung in der Einzahl (1,5 Pfund, nicht 1,5 Pfunde). Bei so vielen wie eine Einzahl aussehenden Elementen drängt sich die Singularform für das Verb beinahe auf. Standardsprachlich sollte aber, wie gesagt, trotzdem der Plural stehen. Wie bei vielen Mengenangaben, die ja nicht grundlos zu den problematischen Fällen gezählt werden, findet man „in der freien Wildbahn“ auch hier häufig andere Formulierungen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Wer am besten am Lachen ist

Frage

Es ist zwar kein gutes Deutsch, aber wenn man schreibt: „Wir waren heute nur am lachen“, schreibt man „lachen“ groß oder klein? Ich hätte es instinktiv kleingeschrieben, weil es ja eine Tätigkeit ist. Aber dann hieß es, am sei eine Präposition und dann werde „lachen“ großgeschrieben. Jetzt bin ich total verwirrt. Laut Regeln schreibt man Verben, vor denen eine Präposition steht, groß, aber ergibt das einen Sinn? „Wir waren heute nur an dem Lachen?“ Wenn man schreibt: „Ich habe ihn am Lachen erkannt“, das ergibt Sinn. Ich hoffe nun, dass ich mit dieser Frage nicht zur Lachnummer Nr. 1 in ihrem Blog geworden bin .

Antwort

Sehr geehrter Herr M.,

man schreibt in diesem Fall tatsächlich groß:

Wir waren am Lachen.

Ebenso zum Beispiel:

Das ist zum Lachen.
Sie ist beim Lachen beinah erstickt.
Seid ihr fertig mit Lachen?
Haben Sie sich vom Lachen erholt?

Siehe hier und hier.

Ihre Frage ist aber keineswegs eine Lachnummer. Es gibt auch Gründe, die für die Kleinschreibung sprechen. Die Wendung am Lachen sein ist standardsprachlich noch nicht vollständig akzeptiert. Sie ist eine Art Zeitform des Verbs, wie es sie zum Beispiel im Englischen gibt:

we are laughing = wir sind am Lachen

Man nennt diese Form u. a. die rheinische Verlaufsform, weil sie angeblich vor allem am Rhein gebräuchlich ist. Sie kommt aber auch andernorts immer häufiger vor und breitet sich im heutigen Deutsch schnell aus.

Wenn man am Lachen sein in dieser Weise als eine Verbform interpretiert, könnte man auch für die Kleinschreibung argumentieren. Man schreibt schließlich auch die mit am gebildeten Steigerungsformen von Adjektiven klein:

gut, besser, am besten
klein, kleiner, am kleinsten
(Mehr zu dieser Schreibung lesen Sie hier.)

ich lache, ich bin am *lachen
ich werde lachen, ich werde am *lachen sein
ich lachte, ich war am *lachen
usw.

Die Rechtschreibregeln folgen aber nicht dieser Argumentation, sonder einer anderen: Infinitive schreibt man nach Artikel und Präposition groß. Es gibt hier also zwei mögliche Argumentationen, die einander widersprechen. Die Rechtschreibregelung hat sich in diesem Fall für die Großschreibung entschieden. Man schreibt deshalb die oben mit einem Sternchen gekennzeichneten Formen groß: am Lachen sein.

Ich finde die Großschreibung hier gut vertretbar, nicht so sehr weil diese Verlaufsform nicht allgemein akzeptiert ist, sondern weil sie nicht uneingeschränkt verwendbar ist. Anders als die englische ing-Form steht sie hauptsächlich bei einfachen Infinitiven. Je mehr ein Verb mit weiteren Satzteilen erweitert wird, desto unüblicher ist die Form am + Infinitiv:

Wir waren am Reden.
Wir waren miteinander am Reden. (?)
Wir waren über ein anderes Thema am Reden. (?)
Wir waren miteinander über ein anderes Thema am Reden. (??)

Die am-Verlaufsform des Verbs ist also (vorläufig?) viel weniger eine systematisch verwendete Flexionsform als die am-Superlativform des Adjektivs. Wenn wir aber alle fleißig am+Infinitiv am Verwenden sind und bleiben, ändert sich das vielleicht eines Tages.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Ohrwürmer

Wenn man an einem Sonntagmorgen Radio hört, ist die Gefahr einer Ohrwurmattacke groß. Bei mir ist heute die Textzeile „Weine nicht, wenn der Regen fällt / dam, dam, dam, dam / Es gibt einen, der zu dir hält / dam, dam, dam, dam“ mit der dazugehörendem Melodie aus Drafi Deutschers Evergreen „Marmorstein Marmor, Stein und Eisen bricht“ in der Endlosschlaufe hängen geblieben. Ohrwürmer sind Melodien, die sich einem so einprägen, dass man sie stunden- und in hartnäckigen Fällen tagelang nicht mehr loswird. Das Bild ist relativ einfach: Wie ein Wurm bohrt sich eine Melodie ins Ohr und lässt einen dann nicht mehr in Ruhe.

Es gibt noch andere Ohrwürmer: die krabbelnden Tierchen mit dem schönen wissenschaftlichen Namen Dermaptera. Ihr deutscher Name ist eigentlich ein Doppelfehler. Es sind keine Würmer, sondern Insekten, und sie interessieren sich nicht sonderlich für Ohren. Man glaubte früher, dass Ohrwürmer in die Ohren Schlafender kriechen und sich mit ihren Zangen einen Weg durchs Trommelfeld zum Hirn bahnen, um dort Blut zu saugen oder – eine noch unangenehmere Vorstellung – ihre Eier abzulegen. Da sich Ohrwürmer wie andere kleinere Tierchen gerne in Ritzen und Spalten verstecken, ist es im Laufe der Menschheitsgeschichte sicher mehr als einmal vorgekommen, dass sich ein Ohrwurm in ein Ohr verirrt hat, aber sehr weit kann ein solches Tierchen mit seinen schwachen Zangen dort nicht vordringen.

Ohrwürmer wurden lange Zeit auch als Mittel gegen Taubheit verwendet. Eines dieser Rezepte schrieb vor, zu diesem Zweck in Hasenurin aufgelöste pulversierte Ohrwürmer zu sich zu nehmen …

Solche Überlieferungen waren nicht nur unter den Deutschsprachigen verbreitet. Auf Englischen heißt der Ohrwurm earwig (Ohr + ein altes Wort für Insekt), auf Französisch perce-oreille (Ohrenbohrer), auf Niederländisch oorworm oder oorwurm (…) und der wissenschaftliche Name des Gemeinen Ohrwurms lautet Forficula auricularia (Ohrenzänglein).

Inzwischen bin ich den musikalischen Ohrwurm leider noch nicht losgeworden: „Nimm den goldenen Ring von mir / dam, dam, dam, dam / Bist du traurig, dann sagt er dir / dam, dam, dam, dam …“ Falls ich sie nun angesteckt habe, tut mir das sehr leid. Und für alle, die diesen Ohrwurm noch nicht kennen, gibt es Youtube.

Die Frage mit dem Ausrufezeichen

Frage

Ich habe eine Frage zu den Satzzeichen. Gesetzt den Fall, es findet eine Unterhaltung statt, in der einer der Partizipierenden sehr aufgebracht ist, wie kann ich das korrekt zum Ausdruck bringen? Zum Beispiel: „Sie wagen es, mich anzugreifen?!?“

Gibt es die Möglichkeit, Ausrufezeichen mit Fragezeichen zu kombinieren? Wenn ich lediglich ein Ausrufezeichen setze, ist zwar zum Ausdruck gebracht, dass hier eine stärkere Emotion vorherrscht, jedoch wird die Bedeutung dadurch verschoben. Was für „korrekte“ Möglichkeiten gibt es?

Antwort

Sehr geehrter Herr B.,

wenn eine Frage gleichzeitig auch ein Ausruf ist, kann man nach dem Fragezeichen noch ein Ausrufezeichen setzen:

Sie wagen es, mich anzugreifen?!
Wer soll das noch verstehen?!

Im Prinzip reicht es, ein Fragezeichen und ein Ausrufezeichen zu setzen. Mehrfache Frage- und Ausrufezeichen wirken eher comicartig (was sich allerdings manchmal gut als Stilmittel einsetzen lässt).

Wie man sieht, kann eine Äußerung gleichzeitig Frage und Ausruf sein. Die Grenzen zwischen Frage, Ausruf, Aufforderung und Aussage sind nicht ganz so deutlich, wie man dies auf Anhieb meinen würde.

Eine Frage ist einfach zu erkennen. Sie fängt entweder mit der konjugierten Verbform oder mit einem Fragewort an und man schließt sie mit einem Fragezeichen ab:

Hast du Zeit?
Wann hast du Zeit?

Es gibt aber auch Aussagesätze, die als Frage gemeint sind:

Du bist schon 16 Jahre alt?
Ich kann Deutsch mit Ihnen reden?

Es handelt sich meist um Vergewisserungsfragen, das heißt Fragen, deren Antwort man zu kennen glaubt und die man nur zur Vergewisserung stellt.

Es gibt auch Fragesätze, die gar nicht als Fragen gemeint sind. Dazu gehören rhetorische Fragen:

Wer hört schon auch mich? (= Es hört ohnehin nie jemand auf mich.)
Habe es dir nicht gesagt? (= Ich habe es dir doch gesagt.)

Auch höfliche Aufforderungen kleiden wir oft in die Form einer Frage:

Kannst du bitte herkommen?

Wenn die Aufforderung etwas eindringlicher gemeint ist, kann man auch mit einem Ausrufezeichen abschließen:

Kommst du bitte sofort hierher!

Nicht alle Fragen sind also als Fragesatz formuliert und nicht alles, was  wir als Fragesatz formulieren, ist auch als Frage gemeint.

Noch viel inkonsequenter sind wir, wenn es um Aufforderungen geht. Das Deutsche stellt uns dafür eigentlich den Imperativ, die Befehlform, zur Verfügung:

Geh schlafen!
Löschen Sie bitte das Licht!

Damit geben wir uns aber nicht zufrieden. Wie bereits oben gesagt, gießen wir eine höfliche Aufforderung häufig in die Form einer Frage:

Gehst du bitte schlafen?
Könnten Sie bitte das Licht löschen?

Damit ist unser Repertoire an Aufforderungsarten noch lange nicht ausgeschöpft. Bei Hinweistafeln, Zetteln, Anleitungen, Geboten und Verboten, die sich nicht an eine bestimmte Person richten, steht oft ein Infintiv:

Bitte beim Verlassen des Raumes Licht löschen.

Auch die Modalverben müssen und sollen können verwendet werden, um eine Aufforderung zu formulieren:

Du musst herkommen!
Sie sollten das Licht löschen!

Wenn man ihn entsprechend betont, kann auch ein Aussagesatz im Präsens oder Futur als dringliche Aufforderung dienen:

Du gehst jetzt schlafen!
Sie werden sofort das Licht löschen!

Erstaunlicherweise kann man sogar ein Passiv mit unpersönlichem es oder ganz ohne Subjekt als nachdrückliche Aufforderung verstehen:

Es wird jetzt geschlafen!
Nun wird sofort das Licht gelöscht!

Eine Frage ist nicht immer eine Frage, ein Aussagesatz kann auch Frage oder Aufforderung sein und alle möglichen Formulierungen können als Aufforderung gemeint sein. Wer soll das noch verstehen?!

Ganz so schlimm ist es allerdings nicht. Wir verstehen all diese Formulierungen meist problemlos. Zum Problem werden sie erst dann, wenn man die Bezeichnungen Aussagesatz, Fragesatz und Aufforderungssatz allzu eng nimmt und den Sätzen ausschließlich die Funktion zugesteht, nach der sie benannt sind.

Stilfigur mit URLs

Frage

Ich habe eine Frage zur Präposition vor der URL in folgendem Fall:

Weitere Informationen finden Sie unter www.canoonet.eu.
Weitere Informationen finden Sie auf www.canoonet.eu.

Ist beides möglich?

Antwort

Sehr geehrter Herr F.,

beides ist möglich, üblich und meiner Meinung nach auch korrekt:

Weitere Informationen finden sie unter www.canoonet.eu.
Weitere Informationen finden sie auf www.canoonet.eu.
Vgl.
Weitere Informationen finden sie unter [der Adresse] www.canoonet.eu.
Weitere Informationen finden sie auf [der Website] www.canoonet.eu.

Man kann sagen, dass wir es hier mit einer Metonymie (griech. metonymia = Namensvertauschung, Umbenennung) zu tun haben: Ein Ausdruck wird durch einen anderen ersetzt, der in engem sachlichem Zusammenhang dazu steht.

Beispiele sind:

  • Mit ein VW ist eigentlich ein Wagen der genannten Marke gemeint.
  • Wenn man ein Glas trinkt, nimmt man eigentlich den Inhalt des genannten Gefäßes zu sich.
  • Wer Dürrenmatt liest, liest eigentlich ein Werk des genannten Autors.
  • Ein tosender Applaus des ganzen Saales ist eigentlich ein tosender Applaus aller im genannten Raum Anwesenden.
  • Die auf www.canoonet.eu zu findende Information steht eigentlich auf der Website mit der genannten Adresse (URL).

Hier zeigt sich schön, dass wir im täglichen Sprachgebrauch immer wieder diese klassische Stilfigur anwenden, sogar mit modernen Begriffen wie URLs.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Auf der Hinreise zur Fortsetzung der Rückreise

Schon wieder auf deutschen Autobahnen unterwegs, diesmal bei viel schlechterem Hersbstwetter. Nach dem Knall-schepper-knatter-dröhn-Erlebnis am letzten Wochenende ist es nämlich Zeit, unser vor einer deutschen Autowerkstätte hinterlassenes Auto wieder abzuholen. Wir sind sozusagen auf der Hinreise zur Fortsetzung der eigentlichen Rückreise.

Ach ja, diese Rückreise! Ich habe zwar im ersten Blogbeitrag geschrieben, dass ich Sie nicht mit weiteren Details langweilen möchte, aber auf vielfachen Wunsch (na ja, zwei waren es bestimmt) folgt hier doch noch eine Art Fortsetzung:

Das Auto hatte eine Geräuschpalette von sich gegeben, die nicht viel Gutes erahnen ließ, und der Pannendienst hatte festgestellt, dass die Reparatur nicht an Ort und Stelle durchgeführt werden konnte. Der nette junge Mann vom ADAC (er war wirklich sehr nett, fährt ein altes Sammlerstück, aber nur bei schönem Wetter, bei Regen und Schnee den Corsa seiner Freundin, arbeitet nur in Teilzeit im Auftrag des ADAC und studiert sonst in Esslingen – kurzum ein geselliger Mensch) dieser junge Mann vom ADAC also schleppte unser Auto zuerst zur Markenvertretung, die wegen Fortbildung der Mitarbeiter die ganze folgende Woche geschlossen sein würde, danach zu einer anderen Garage, und bestellte in der Zwischenzeit einen Mietwagen zu dieser zweiten Werkstätte. Der Mietwagen kam dann auch prompt. Er hat uns hier schön vorgezeigt hat, wie man servicegerichtet, unkompliziert und freundlich handelt. Wir sind wirklich sehr zufrieden. So etwas darf man ja auch einmal erwähnen.

Die Rückreise, inklusive Baustellen und Staus, haben wir also im Mietwagen gemacht. Der stand in der Zwischenzeit bei uns vor der Tür und einige Nachbarn wunderten sich wahrscheinlich schon, wo denn der Deutsche herkomme. Zurzeit (ich tippe dies im Auto auf dem Schoßrechner) fahren wir die gut 500 km zurück, um  das reparierte Auto abzuholen. Dann gibt es noch ein bisschen Sightseeing, ein gutes deutsches Essen (saisongerecht etwas mit Pfifferlingen, hoffe ich) und eine Hotelübernachtung. 500 km hin und 500 km zurück am selben Tag, das muss  wirklich nicht sein!

Was das alles kostet! Aber was soll’s. Es ist nichts Ernstes passiert und vielleicht zahlt ja meine Reiseversicherung noch etwas. Letzteres ist allerdings alles andere als sicher, doch das ist eine Geschichte,  mit der ich Sie – großes Linguistenehrenwort! – bestimmt nicht behelligen werde.

Eine kleine Ergänzung für diejenigen, denen die obengengenannte Abkürzung wenig sagt: ADAC steht für Allgemeiner Deutscher Automobil-Club und entspricht ungefähr dem Österreichischen Automobil-, Motorrad- und Touring-Club ÖAMTC bzw. dem Touring-Club der Schweiz TCS. Damit wäre an dieser Stelle doch noch etwas im weitesten Sinne Sprachliches gesagt. Es soll hier ja um die deutsche Sprach und Rechtschreibung gehen.

Nachtrag

Noch etwas Regionales: Der Pfifferling heißt in der Schweiz und in Österreich Eierschwamm und Eierschwammerl. Ob Sie nun Pfifferlinge, Eierschwämme oder Eierschwammerln genannt werden, sie schmecken überall gleich gut.

Warum geht einem ein Licht auf und nicht an?

Frage

Warum geht jemanden ein Licht auf ? Das Licht geht doch eigentlich an.

Antwort

Guten Tag C.,

woher der Ausdruck genau stammt, weiß ich leider nicht. Er ist nämlich schon recht alt. So kommt die Wendung schon in der Lutherbibel 1545 vor:

… die da sassen / am ort vnd schatten des tods / den ist ein Liecht auffgangen.
… und die da saßen am Ort und Schatten des Todes, denen ist ein Licht aufgegangen.
(Matthäus 4, 16)

Gemeint ist weniger das Licht als Glühbirne, die als Zeichen einer Erleuchtung oder guten Idee über dem Kopf von zum Beispiel Daniel Düsentrieb und anderen Donald-Duck-Figuren angeht. Gemeint ist vielmehr das Licht als leuchtender Himmelskörper, der in der Finsternis der Unwissenheit aufgeht und Klarheit bringt. Meistens ist es heute allerdings etwas nüchterner gemeint, wenn man sagt, dass einem ein Licht aufgegangen ist. Das Bild hat im Laufe der Zeit an Kraft verloren.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Indirekte Fragen und das Fragezeichen

Indirekte Fragen scheinen bei vielen zu Fragezeichen zu führen. Die Frage lautet: Setzt man ein Fragezeichen oder nicht?

Frage

Immer zweifle ich bei indirekten Fragen: Braucht es am Ende ein Fragezeichen oder nicht? Zum Beispiel:

Kennt sie Weimer gut?
Mich würde interessieren, ob sie Weimar gut kennt.

Wo wohnt deine Schwester jetzt?
Kannst du mir sagen, wo deine Schwester jetzt wohnt?

Haben Sie Feuer?
Darf ich Sie fragen, ob Sie Feuer haben?

Warum steht nach der indirekten Frage manchmal ein Fragezeichen und manchmal nicht?

Antwort

Guten Tag Frau M.,

eine indirekte Frage hat keinen Einfluss auf das abschließende Satzzeichen. Sie ist zwar eine Art Frage, aber sie hat als Nebensatz in Sachen Satzzeichen (außer bei den Kommas) nichts einzubringen. Entscheidend für die Wahl des abschließenden Satzzeichens ist der übergeordnete Satz. Am besten sieht man dies vielleicht anhand einiger Beispiele. Die direkten Fragen sind:

Kennt sie Weimar gut?
Wo wohnt deine Schwester?

Wenn diese Fragen als indirekte Fragen in einem Gesamtsatz erscheinen, geschieht das Folgende:

Übergeordneter Satz = Aussagesatz:

Mich würde interessieren, ob sie Weimar gut kennt.
vgl. Mich würde das interessieren.

Ich möchte wissen, wo deine Schwester wohnt.
vgl. Ich möchte das wissen.

Übergeordneter Satz = Aufforderungssatz:

Erzähl mir, ob sie Weimar gut kennt!
vgl. Erzähl mir das!

Sag mir sofort, wo deine Schwester wohnt!
vgl. Sag mir das sofort!

Ein Fragezeichen steht nur dann, wenn der übergeordnete Satz eine Frage ist:

Übergeordneter Satz = Fragesatz:

Weißt du, ob sie Weimar gut kennt?
vgl. Weißt du das?

Darf ich dich fragen, wo deine Schwester wohnt?
vgl. Darf ich dich das fragen?

Nun wüsste ich natürlich gerne, ob diese Erklärung verständlich ist. Darf ich Sie fragen, ob diese Erklärung verständlich ist? Sagen Sie mir auf der Stelle, ob diese Erklärung verständlich ist! Den letzten Satz sollten Sie bitte unbedingt als Beispielsatz verstehen. Ganz so unfreundlich bin ich nämlich selten.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Knall, schepper, knatter, dröhn

Bei prächtigstem Wetter unterwegs auf einer deutschen Autobahn; so viel Verkehr, dass man sich auch mit einem bescheideneren Untersatz auf die Überholspur wagen kann, ohne gleich von hinten weggedrückt zu werden; dann plötzlich: knall, schepper, knatter, dröhn! Es galt, das Überholmanöver trotz Schreckmoment abzuschließen, das plötzlich wie ein vorsintflutlicher, hoffnungslos überladener Laster bei 18,5 Prozent Steigung dröhnende Gefährt auf die glücklicherweise sogleich auftauchende Ausfahrt zu lotsen und bei der ersten besten Gelegenheit sicher am Straßenrand abzustellen.

Meine technische Kenntnis sagte mir gleich: „Das ist der Auspuff. So, wie das dröhnt und knattert, muss das der Auspuff sein.“ Da ich aber ein bisschen mehr von Grammatik als von Autos verstehe, haben wir doch den Pannendienst angerufen. Der nette junge Mann stellte dann fest, dass die Zündkerze des dritten Zylinders herausgesprungen war, wahrscheinlich weil jemand dem Gewinde Gewalt angetan hatte. „Zu fest angedreht.“ (Wenn Sie der Werkstattchef unserer Autogarage sind, dies lesen und noch nichts davon gehört haben: Wir werde uns noch bei Ihnen melden.)  Aus verschiedenen Gründen – meine technischen Kenntnisse sind wirklich ziemlich beschränkt – kam eine Reparatur an Ort und Stelle nicht in Frage. Unser armes Auto musste abgeschleppt werden und steht nun ganz allein vor einer ihm völlig unbekannten deutschen Autowerkstätte.

So etwas passiert natürlich nicht direkt vor der Einfahrt einer Werkstätte, die gerade um Aufträge verlegen ist und die für den Fall, dass es etwas länger dauern sollte, einen gemütlichen Spaziergang von zu Hause entfernt liegt! Nein, es geschieht Hunderte von Kilometern weit weg an einem Sonntag, auf den ein arbeitsfreier Montag folgt (Tag der Deutschen Einheit) – und man hat zu viel Gepäck im Kofferraum, um einfach per Bus und Zug weiterzureisen. Ich will Sie nun nicht mit weiteren Details langweilen, die unter anderem mit Herumtelefonieren und Mietwagen zu tun haben. Wir sind jedenfalls mit großer Verspätung, aber heil und gesund am Ziel angelangt.

Damit ich hier nicht nur mein „Leid“ klage, sondern auch noch etwas Sprachliches zum Besten gebe, sei noch das Folgende erwähnt: Auch für Ausdrücke wie knall, schepper, brumm, knatter, dröhn, die ich u. a. von früher aus den Comicsheftchen kenne, gibt es (mindestens) ein Fachwort. Man nennt sie Inflektive, weil sie unflektiert, das heißt nicht gebeugt sind. Ihre Form entspricht dem reinen Verbstamm, den man erhält, wenn man bei der Grundform die Endung en resp. n weglässt: knallen, scheppern usw. Mehr dazu finden Sie hier.

Auch hier: Altweibersommer

Nachsommerwetter und insbesondere Altweibersommer sind Wörter, die in den letzten Tagen inflationär verwendet werden. Im Normalfall reagiere ich auf übertrieben Klischeeartiges und Hypemäßiges „offiziell“ mit passender Zurückhaltung und versuche ich „inoffiziell“, mich möglichst wenig darüber zu ärgern. In diesem Fall jedoch würde es mich in keiner Weise stören, wenn die Präsentatoren und Präsentorinnen der Wetterberichte den Arbeitsaufwand minimal halten und ihre Ansagen noch ein paar Tage lang unverändert wiederverwerten könnten. Meine Hoffnung scheint sich zu erfüllen. Es ist deshalb zu erwarten, dass dieser Tage an dieser Stelle nicht viel von mir zu erwarten ist. „Dr. Bopp“ genießt den Altweibersommer und hofft, dass Sie auch ein bisschen die Gelegenheit dazu haben.