Neuigkeiten in Canoonet

[Dieser Artikel und die in ihm genannten Links sind nicht mehr relevant, seit es Canoonet nicht mehr gibt.]

Vor meinem Urlaub hatte ich angedeutet, dass Canoonet mit Neuigkeiten aufwarten würde. Wie Sie vielleicht schon gemerkt haben, sind sie auch tatsächlich eingeführt worden. Worum geht es:

Neue Darstellung der Treffer in den Wörterbüchern

In der neuen Darstellung der allgemeinen Resultatseiten in Canoonet werden die Treffer in den Wörterbüchern noch übersichtlicher dargestellt. Bei jedem Resultatwort gibt es einen direkten Zugang zu den drei wichtigsten Canoo-Wörterbüchern Rechtschreibung, Flexion (= Wortformen) und Wortbildung. Die Verbindungen zu den weiteren Wörterbüchern sind über einen einfach Klick auf “Mehr” aufrufbar. Beispieleintrag: liegen.

Es sind dies weiterhin das Canoo-Morphologiewörterbuch, das deutsch-englische Übersetzungswörterbuch von LEO und die Internetenzyklopädie Wikipedia. Neu sind die folgenden Verweisungen hinzugekommen:

  • Einsprachige Wörterbücher:
  • Übersetzungswörterbücher
    • Deutsch-Englisch dict.cc
    • Deutsch-Englisch Beolingus
    • Deutsch-Englisch Pons
    • Deutsch-Französisch LEO
    • Deutsch-Französisch Pons
    • Deutsch-Spanisch LEO
    • Deutsch-Spanisch Pons
    • Deutsch-Spanisch DIX
    • Deutsch-Italienisch Pons
    • Deutsch-Polnisch Pons

Die Canoonet-Trefferliste wird in dieser Weise zu einem Instrument, mit dem in einfachster Weise direkt viele verschiedene Wörterbücher durchsucht werden können. So können Sie zum Beispiel die englische Übersetzung eines Wortes falls gewünscht nicht mehr nur in einem, sondern in vier verschiedenen Online-Wörterbüchern nachschlagen.

Zusätzliche Rechtschreibinformationen

Bei einigen hundert Einträgen im Rechtschreibwörterbuch werden neu zusätzliche Informationen angegeben. Es geht um Fragen der Groß- und Kleinschreibung, Getrennt- und Zusammenschreibung usw. die vom Satzzusammenhang abhängig sind. So finden Sie zum Beispiel bei den Einträgen Zeit und zurzeit Angaben dazu, wann man zur Zeit und wann zurzeit schreiben muss. Weitere Beispiele sind Abend, bisherig, englisch, Euro, vier, groß, jahrelang, sooft, Stopp.

Zurzeit 😉 gibt es diese Zusatzinformationen für die wichtigsten Problemfälle. Wir hoffen, solche Angaben in Zukunft auch für weitere Wörter zur Verfügung stellen zu können.

Der untrennbare Igel

Dass die neuen Rechtschreibregeln mehr Unklarheiten geschaffen als beseitigt hätten, darüber wurde schon sehr, sehr viel geschrieben, gebloggt und gesagt, auch gestritten, geseufzt und geklagt. Ich bin damit nicht ganz einverstanden. Auch aus meiner Sicht hätte vielleicht hie und da etwas einfacher oder übersichtlicher geordnet werden können. Wenn man aber bedenkt, wer alles zufriedengestellt sein wollte, ist es nicht erstaunlich, dass das Regelwerk eben lange nicht jeden zufriedenstellen kann. Grammatikprofessoren und Grundschüler, konservative “Verteidiger” der Sprache Goethes und progressive Anhänger des Neudeutschen, professionelle Schreiber und Menschen, die außer vielleicht der wöchentlichen Einkaufsliste nichts mehr schreiben, sie alle sollten die gleichen Rechtschreibregeln einigermaßen verstehen und sich daran halten können. Wenn man sich diese Aufgabe vor Augen hält, ist das (inzwischen schon gar nicht mehr so) neue Regelwerk ein recht gut gelungener Kompromiss. Und mehr als ein Kompromiss ist eben in nicht diktatorisch geführten Gesellschaften meistens nicht möglich.

Für den Eindruck, alles sei (noch) schwieriger geworden, sind unter anderem zwei Ursachen anzuführen: Die neuen Regeln sind nicht komplizierter, akademischer oder unlogischer als die alten. Vor der Reform wusste wir einfach nicht, dass es SO viele Tücken, Schwierigkeiten und Zweifelsfälle gab. Nach der Reform und der Diskussion über die Regeln, sind wir uns dessen plötzlich viel stärker bewusst. Früher hat man sich nicht so oft gewundert, ob eine Verbindung getrennt oder zusammengeschrieben wird, wie man es heute tut. Das hat aber vor allem damit zu tun, dass wir früher nicht wussten, dass wir die Regeln eigentlich gar nicht so gut kannten, und wir heute wissen, dass wir die Regeln nicht so gut kennen.

Der zweite Grund für zumindest einen Teil der Verunsicherung ist die gestaffelte Einführung der Neuregelung. Und damit sind wir dann endlich beim “untrennbaren Igel” in der Überschrift:

Die Tochter von Frau S. musste in der Schule Wörter trennen. Eines der Wörter war eben Igel. Auf Canoonet hat Frau S. die entsprechende Regel gefunden:

Einzelne Vokalbuchstaben werden am Wortanfang und am Wortende nicht
abgetrennt (§107 E1)
Zum Beispiel: aber, Efeu, Echo, Idee, Ofen, Ufer, über

Dass aber die Lehrerin ihrer Tochter den ungetrennten Igel als Fehler angestrichen hat und auch ihr Rechtschreibduden I-gel vorschreibt, fand Frau S. dann zurecht ziemlich verwirrend.

Antwort

Sehr geehrte Frau S.,

wie die bereits von Ihnen zitierte Rechtschreibregel besagt, darf Igel nicht getrennt werden. Siehe die entsprechende Rechtschreibregel (oder den Originaltext der amtlichen Regelung).

Ich vermute, dass Sie das Wort nicht in der aktuellsten Ausgabe des Dudens nachgeschlagen haben. Auch nach dem Rechtschreibduden, Ausgabe 2006, darf das Wort Igel nämlich nicht getrennt werden. Die Verwirrung ist aber nicht so erstaunlich. Einzelne Vokalbuchstaben durften in der alten Rechtschreibung nicht abgetrennt werden. Mit der Reform von 1998 wurde diese Regel aufgehoben, d.h. man durfte I-gel trennen. Dies war auch noch nach der Neuregelung von 2004 möglich. Mit der letzten Reform im Jahre 2006 wurde die genannte Regel aber wieder eingeführt, so dass man also jetzt Igel wie vor 1998 nicht trennen darf. Wahrscheinlich ist die von Ihnen benutzte Dudenversion nach 1998, aber vor 2006 erschienen und deshalb in einigen Punkten nicht mehr aktuell.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Nachtrag
Wie Frau S. mir freundlicherweise mitteilte, stamm ihr Rechtschreibduden tatsächlich aus dem Jahr 2004 und werden an der Schule ihrer Tochter Rechtschreibunterlagen aus dem Jahr 2000 verwendet. Ein Teil der Verwirrung und des Ärgers über die Reform ließe sich also vermeiden, wenn wir alle immer die aktuellsten Regeln vor Augen hätten. Das kostet zwar wieder einiges (und das ist eine ganz andere Diskussion), aber die Reform von 2006 soll nun für längere Zeit die letzte gewesen sein.

Brutto und netto

Frage

Zurzeit suche ich zwei Wörter. Ich kann diese nirgenwo finden. Vielleicht können Sie mir weiterhelfen.

Die Pluralformen von Brutto und von Netto, sind dies Brutti und Netti?

Woher stammen diese Wörter? Aus dem Italienischen oder dem Lateinischen?

Antwort

Sehr geehrter Herr F.

es ist vielleicht gar nicht so erstaunlich, dass Sie die beiden Wörter nirgendwo finden können, denn es gibt sie eigentlich nicht. Die Wörter brutto und netto werden in der deutschen Standardsprache nur als Adverbien benutzt:

etwas brutto/netto auszahlen
das Salär beträgt brutto/netto

Sonst kommen sie eigentlich nur als erster Teil in Zusammensetzugen vor:

Bruttolohn/Nettolohn
Bruttogewicht/Nettogewicht
Bruttobetrag/Nettorbetrag
Bruttosozialprodukt
usw.

Wenn Sie sie als Nomen verwenden, insbesondere im Plural, dann handelt es sich wohl meistens um eine Abkürzung, die als umgangssprachlich gelten muss. Zum Beispiel:

die Bruttos und Nettos berechnen = die Brutto- und Nettobeträge berechnen

Wenn Sie dennoch darauf bestehen, brutto und netto als Nomen zu verwenden, empfehle ich Ihnen den Plural mit s zu bilden: Bruttos und Nettos. Ein Plural mit i klingt sehr förmlich und “offiziell”, was nicht so gut zum umgangssprachlichen Charakter passt. Es ist auch eine korrekte Art der Deutschen Pluralbildung, denn die Mehrzahlformen Kontos, Saldos und Pizzas sind ja auch richtig.

Die beiden Wörter stammen aus dem Italienischen. Das Wort netto bedeutet sauber, rein. Das Wort brutto bedeutet im modernen Italienischen hässlich, schlecht. Ein schönerer Gegensatz zu netto ergibt sich, wenn man eine im Italienischen veraltete Bedeutung von brutto hinzuzieht: schmutzig. Zu der Zeit, in der diese Begriffe ins Deutsche übernommen wurden, machte man also einen Unterschied zwischen dem schmutzigen und dem sauberen Gewicht. Das tun die Italienischsprachigen noch immer, denn im modernen Italienischen ist das Nettogewicht zwar das peso netto, aber das Bruttogewicht nicht etwa das peso brutto, sondern das peso lordo. Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, dass lordo tatsächlich schmutzig bedeutet.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Ferien

Dr. Bopp macht zwei Wochen Urlaub. So lange werde ich leider keine Ihrer brennenden und weniger akuten Fragen beantworten können. In der letzten Juniwoche bin ich aber wieder ganz der Ihre.

Das heißt natürlich nicht, dass Canoonet einfach stillliegt. Unser Team wird dafür sorgen, dass die Sprachdienste wie immer vierundzwanzig Stunden am Tag online verfügbar sind. Ich habe auch munkeln hören, dass Canoonet vielleicht sogar schon in ein paar Tagen mit ein, zwei Neuigkeiten aufwarten kann.

jeden Freitag

Frage

Letztens bin ich über folgende Frage gestolpert:

Warum heißt es : “jeden Freitag gehe ich …”? Warum wird das Pronomen im Akkusativ benutzt? Gibt es dazu eine Regel oder Gesetzmäßigkeit?

Antwort

Sehr geehrte Frau J.,

die Wortgruppe jeden Freitag in Ihrem Beispiel steht tatsächlich im Akkusativ. Das kommt im Deutschen häufiger vor und heißt dann ein Adverbialakkusativ oder adverbialer Akkusativ.

Dieser Akkusativ wird u.a. bei Zeitangaben verwendet, nach denen mit wann oder wie lange gefragt werden kann und die nicht von einer Präposition (z.B. an, in) eingeleitet werden. Beispiele:

Ich fahre jeden Morgen/Tag/Freitag/Sommer in die Stadt.
Ich habe den ganzen Abend/Tag/Sommer gearbeitet.
Wir haben einen Tag/Monat warten müssen.

Andere Adverbialakkusative finden Sie bei Angaben wie den folgenden:

Er hat den Rucksack den ganzen Weg getragen.
Wir sind einen Kilometer gegangen.
Die Temperatur ist zehn Grad höher als gestern.

Siehe hierzu auch die Seiten Adverbialbestimmung und Akkusativ in der Canoonet-Grammatik.

Etwas Vergleichbares ist der adverbiale Genitiv bei unbestimmten Zeitangaben:

Du wirst es eines Tages verstehen.
Eines schönen Morgens wachte ich auf und …

Andere Beispiele für den Adverbialgenitiv:

Wir waren bester Stimmung.
Sie kam gemessenen Schrittes auf uns zu.
Unseres Erachtens muss das Haus abgebrochen werden.

Zur Unterscheidung zwischen diesen Adverbialbestimmungen und dem Akkusativobjekt resp. Genitivobjekt siehe diese Grammatikseite.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Trennbare Verben

Eine Frage, die immer wieder einmal auftaucht und deren Beantwortung den meisten Muttersprachigen einiges Kopfzerbrechen bereiten kann:

Frage

In Singapur hatte ich eine interessante Diskussion mit einer Deutschstudentin. Ich konnte ihr leider nicht erklären, warum Verben teilweise im Satzbau getrennt werden (als Native-Speaker man macht es ja intuitiv richtig). Z.B. abfahren: Heute fährt Sven um 15 Uhr ab. Oder einkehren: Ich kehrte abends in eine Gastwirtschaft ein. Wie läßt sich dies grammatikalisch genau erklären und wie ist hier die Regel? Vielen Dank! G.

Antwort

Sehr geehrter Herr G.,

nicht nur in Singapur, sondern auch an anderen Orten wundern sich Anderssprachige über gewisse deutsche Verben. Es geht hier nämlich um die sogenannten trennbaren Verben. Wenn sie in einem Hauptsatz stehen, wird der erste Teil abgetrennt und ganz an den Schluss des Satzes gestellt:

abfahren: Heute fährt Sven um 15 Uhr ab.
einkehren: Ich kehrte abends in eine Gastwirtschaft ein.
herumtreiben: Er treibt sich wieder irgendwo herum.

Man erkennt die trennbaren Verben im Allgemeinen daran, dass sie auf dem ersten Teil betont sind:

abfahren
einkehren
herumtreiben

Untrennbare Verben werden auf dem Verbstamm betont:

verfahren: Heute verfährt Sven sich sicher wieder.
betreiben: Sie betreibt eine Gastwirtschaft.

Diese Unterscheidung kann ziemlich wichtig sein. Ein bekanntes Beispiel ist das folgende:

umfahren: Er umfährt den Polizisten.
umfahren: Er fährt den Polizisten um.

Damit ist aber noch nicht alles gesagt, denn die Trennung gilt nur in Hauptsätzen. In Nebensätzen bleiben auch die trennbaren Verben ungetrennt:

…, dass Sven heute um 15 Uhr abfährt.
…, als ich abends in eine Gastwirtschaft einkehrte.
…, wenn er sich wieder irgendwo herumtreibt.

…, obwohl Sven sich sicher wieder verfährt.
…, weil sie eine Gastwirtschaft betreibt.

Das zwingt uns manchmal (aber wirklich nur ganz selten), einen Satz in der geschriebenen Form umzuformulieren, da es sonst zu ziemlich ernsten Missverständnissen kommen kann:

Es ist besser, wenn du den Polizisten umfährst.

Sie finden diese Informationen auch in unserer Grammatik: Trennbare Verben.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Canoonet-Grammatik

Es soll ja tatsächlich noch Leute geben, die die Deutschgrammatik von Canoonet nicht kennen! Auch diesen Menschen wollen wir unser Werk nicht weiter vorenthalten:

Frage:

Ist Canoonet eine allgemeine Grammatik oder nur ein Demo?

Antwort:

Die Grammatik von Canoonet ist eine umfassende Beschreibung der deutschen Sprache, die auf insgesamt über 2500 Seiten die meisten Aspekte der deutschen Grammatik umfasst. Sie ist in zwei Bereiche eingeteilt: die Wortgrammatik (mit separater Beschreibung der Wortbildung) und die Satzgrammatik.

Wortgrammatik
Wortbildung
Satzgrammatik

Hinweise zur Benutzung der Grammatik sind hier zu finden:

Wie benutzen Sie die Wortgrammatik
Wie benutzen Sie die Satzgrammatik

Und um es auch anderssprachigen am Deutschen Interessierten etwas einfacher zu machen: Es gibt unsere Deutschgrammatik auch in englischer Übersetzung:

Word Grammar
Word Formation
Sentence Grammar

How to use the Word Grammar
How to use the Sentence Grammar

Für weitere Fragen stehe ich natürlich wie immer gerne zur Verfügung.

Dr. Bopp

Nur nichts anmerken lassen!

Frage:

Ist folgende Formulierung korrekt:

Nur nichts anmerken lassen

oder brauchts das mir?

Mir nur nichts anmerken lassen

oder gar

Sich nur nichts anmerken lassen

Antwort:

Sehr geehrter Herr G.,

die Redewendung lautet sich etwas/nichts anmerken lassen. Standardsprachlich muss das Reflexivpronomen sich also genannt werden. Zum Beispiel:

Man darf sich nur nichts anmerken lassen.
Lass dir nur nicht anmerken!
Ich darf mir nichts anmerken lassen.
“Sich nur nichts anmerken lassen” lautet die Devise der Powerfrauen.

Umgangssprachlich wird aber auch die Wendung Nur nichts anmerken lassen! ohne Reflexivpronomen verwendet. Zum Beispiel:

Aber jetzt hieß es: Nur nichts anmerken lassen und locker bleiben!
Nur nichts anmerken lassen! Sie könnten alles in den falschen Hals kriegen.

In diesem Sinne ist Ihr Beispielsatz also richtig formuliert. Er gehört aber zur gesprochenen Umgangssprache und sollte deshalb in der formelleren Standardsprache nicht verwendet werden. Es empfiehlt sich dann, stattdessen eine der obenstehenden standardsprachlichen Formulierungen zu verwenden.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

gefolgt von

Frage:

Meine Deutschlehrerin erklärte 1975, dass die Formulierung “gefolgt von” nicht korrekt sei. Heute wird diese Form jedoch immer häufiger gebraucht – und das nicht nur von Sportreportern, sondern auch z.B. im Feuilleton der NZZ oder in inhaltlich hochstehenden Referaten etc.

Die Violinistin aus A gewann den ersten Preis gefolgt von ihrer Kollegin aus B.
Die Feinstaubkonzentration in Neudorf ist sehr hoch, gefolgt von der in Altdorf.

Falls das korrekt wäre, müsste doch auch gelten: Ich werde von meinem Kind gefolgt. Oder nicht? Was meinen Sie dazu?

Antwort:

Sehr geehrte Frau F.,

Sie stellen eine Frage, die mir einiges Kopfzerbrechen bereitet hat. Damit Sie dies nicht als Vorwurf auffassen, sei Folgendes gleich hinzugefügt: Solche Fragen habe ich eigentlich am liebsten.

GEFOLGT VON

Den Ausdruck gefolgt von finde ich korrekt. Er steht zum Beispiel auch in den Beispielsätzen in Duden, Das große Wörterbuch der deutschen Sprache:

Gefolgt von verschiedenen Würdenträgern, betrat er den Saal

Er hat vor allem die Bedeutung begleitet von. Im modernen Sprachgebrauch wird gefolgt von immer mehr auch in einem weiteren Sinne gebraucht; so zum Beispiel auch in Ihren Beispielsätzen. Ich bin geneigt, diese Verwendung auch als korrekt anzuschauen (ich bin eben nicht so ein strenger Grammatiker). Der Ausdruck gefolgt von hat sich gewissermaßen vom Verb folgen gelöst und die die Funktion einer eigenständigen Präposition erhalten.

GEFOLGT WERDEN VON

Erstaunlicher fand ich, dass auch immer mehr die Wendung gefolgt werden von verwendet wird. Zum Beispiel:

Jeder Zahlenwert wird gefolgt von einer Erläuterung.
Die Wiederbelebung der Wirtschaft wurde gefolgt von einer politischen Wiederbelebung.

Diese Formen erachte ich als falsch, auch wenn sie relativ häufig vorzukommen scheinen. Es handelt sich um eine Passivkonstruktion, die ein Verb jemanden folgen voraussetzt. Im Deutschen heißt es aber jemandem folgen. Die richtige Formulierung wäre also:

Jedem Zahlenwert folgt eine Erläuterung.
Der Wiederbelebung der Wirtschaft folgte eine politische Wiederbelebung.

Woher diese Form gefolgt werden von kommt, kann ich leider nicht erklären. Dafür wären genauere Untersuchungen notwendig. Vielleicht wird sie in Analogie mit Verben wie begleiten (begleitet werden von) gebildet. Ebenfalls möglich sind Einflüsse von etwas zu wörtlichen Übersetzungen aus dem Englischen oder Französischen, wo solche Passivsätze korrekt sind: to be followed by resp. être suivi par. Aber dies sind natürlich nur einige unfundierte “Schnellschüsse”.

Es kann sein, dass auch die Passivkonstruktion gefolgt werden von einmal korrektes Deutsch sein wird. Vorläufig würde ich Sie aber im Standarddeutschen nicht verwenden. Ich halte deshalb Ihren Beispielsatz Ich werde von meinem Kind gefolgt für nicht korrekt.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp