Gleiche Funktion, andere Wortstellung: denn ich bin / deshalb bin ich

Frage

Ich habe eine Frage zu den Konjunktionen „denn“ und „deshalb“. Die Konjunktion „denn“ leitet einen Hauptsatz ein. In der Regel steht das konjugierte Verb an zweiter Stelle.

Ich gehe schlafen, denn ich bin müde.

Mit „deshalb“ wird ebenfalls einen Hauptsatz eingeleitet. Jedoch folgt nach der Konjunktion das Verb und nicht das Personalpronomen:

Ich bin müde, deshalb gehe ich zu Bett.

Gibt es eine Erklärung, weshalb bei den genannten Konjunktionen die Syntax anders ist?

Antwort

Guten Tag Herr M.,

die beiden Wörter haben die gleiche oder eine ähnliche Funktion. Sie verbinden Sätze miteinander. Sie gehören aber nicht der gleichen Wortklasse an: denn ist eine Konjunktion, deshalb ist ein Konjunktionaladverb.

Nebenordnende Konjunktionen stehen zwischen den Teilsätzen die sie verbinden und gehören zu keinem von ihnen. Sie haben keinen Einfluss auf die Wortstellung des ihnen folgenden Hauptsatzes:

Ich gehe zu Bett.
Ich bin müde
→ Ich gehe zu Bett, denn ich bin müde.

Konjunktionaladverbien verbinden ebenfalls Sätze miteinander. Im Gegensatz zu den Konjunktionen gehören sie aber zu einem der beiden verbundenen Sätze. Wenn sie am Anfang des Satzes stehen, besetzen sie die erste Position im Satz. Unmittelbar darauf folgt dann also das Verb:

Ich bin müde.
Ich gehe zu Bett.
→ Ich bin müde, deshalb gehe ich zu Bett.

Wie andere Adverbien bzw. Adverbialbestimmungen können Konjunktionaladverbien auch im Innern des Teilsatzes stehen:

Ich bin müde.
Ich gehe zu Bett.
→ Ich bin müde; ich gehe deshalb zu Bett.

Sie können „sogar“ zusammen mit einer Konjunktion stehen:

→ Ich bin müde und deshalb gehe ich zu Bett.

Hier noch ein paar Beispiele:

Konjunktion damit:
Hilf mir bitte, damit ich mit der Arbeit fertig werde.

Konjunktionaladverb sonst:
Hilf mir bitte, sonst werde ich nicht mit der Arbeit fertig.
Hilf mir bitte, ich werde sonst nicht mit der Arbeit fertig.
Hilf mir bitte, denn sonst werde ich nicht mit der Arbeit fertig.

Konjunktion jedoch:
Es gibt also einen Unterschied, jedoch man muss ihn kennen.

Konjunktionaladverb jedoch:
Es gibt also einen Unterschied, jedoch muss man ihn kennen.
Es gibt also einen Unterschied, man muss ihn jedoch kennen.

Das letzte Beispiel zeigt, dass es auch Wörter gibt, die beide Rollen erfüllen können. Mehr zu dieser Frage finden Sie auf dieser Seite der LEO-Grammatik.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Keine zehn gebrauchte/gebrauchten(?) Apparate

Frage

Wie dekliniere ich hier richtig:

Im Jahr 2029 werden es wahrscheinlich keine 200 000 neu geschaffene/geschaffenen Sozialwohnungen sein.
Aktuell werden keine 100 gebrauchte/gebrauchten Apparate im Netz angeboten.

Antwort

Guten Tag Herr B.,

nach der gebeugten Form keine wird ein Adjektiv schwach gebeugt, das heißt, es hat dieselbe Endung wie nach z. B. dem bestimmten Artikel:

die neu geschaffenen Sozialwohnungen
keine neu geschaffenen Sozialwohnungen
die 200 000 neu geschaffenen Sozialwohnungen
keine 200 000 neu geschaffenen Sozialwohnungen

die gebrauchten Apparate
keine gebrauchten Apparate
die 100 gebrauchten Apparate
keine 100 gebrauchten Apparate

Das gilt auch, wenn keine umgangssprachlich nach einer Zahlenangabe die Bedeutung nicht, nicht einmal hat:

Im Jahr 2029 werden es wahrscheinlich keine 200 000 neu geschaffenen Sozialwohnungen sein.
= Im Jahr 2029 werden es wahrscheinlich nicht 200 000 neu geschaffene Sozialwohnungen sein.

Aktuell werden keine 100 gebrauchten Apparate im Netz angeboten.
= Aktuell werden nicht einmal 100 gebrauchte Apparate im Netz angeboten.

Da keine wie nicht (einmal) verwendet wird, kommt manchmal auch wie nach nicht die starke Beugung vor, was ich aber nicht empfehlen würde:

Im Jahr 2029 werden es wahrscheinlich keine 200 000 neu geschaffene Sozialwohnungen sein [?]

Aktuell werden keine 100 gebrauchte Apparate im Netz angeboten [?]

Aber die Umgangssprache wäre nicht die Umgangssprache, wenn Sie sich daran hielte, was jemand wie Dr. Bopp empfiehlt. Standardsprachlich „unproblematisch“ formuliert man zum Beispiel so:

Im Jahr 2029 werden es wahrscheinlich nicht 200 000 neu geschaffene Sozialwohnungen sein.
Im Jahr 2029 werden es wahrscheinlich weniger als 200 000 neu geschaffene Sozialwohnungen sein.

Aktuell werden nicht einmal hundert gebrauchte Apparate im Netz angeboten.
Aktuell werden weniger als hundert gebrauchte Apparate im Netz angeboten.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Von und bis bei Wochentag und Datum: von/vom – bis/bis zum

Dieser Beitrag ist wieder einmal der Beweis dafür, dass man vor lauter Möglichkeiten und Beispielen schnell den Überblick verliert.

Frage

Fragen zum Thema Datum/Zeitangaben haben Sie sicher schon viele erhalten, doch ich habe in Ihrem Blog-Archiv nichts zu diesem Fall gefunden […]:

Wann ist „von“ und wann „vom“ richtig? Und warum kann eigentlich (z. B. laut Duden) das „zum“ eingespart werden (es wird sogar empfohlen)?

vom Montag, 1. August, bis [zum] Donnerstag, 4. August

Auch nicht so klar: „von/vom September 1914 bis [zum] November 1915“ oder ist beides denkbar?

Antwort

Guten Tag Herr F.,

bei den Datumsangaben gibt es viele Möglichkeiten. Richtig ist, was üblich und akzeptiert ist, und das ist hier vieles. Ob mit oder ohne Artikel, ob mit oder ohne zum und ob Dativ oder Akkusativ – fast alles kommt vor.

Geschrieben wird häufig wie folgt:

von Montag, 1. August, bis Donnerstag, 4. August
vom Montag, 1. August, bis Donnerstag, 4. August
vom Montag, 1. August, bis zum Donnerstag, 4. August

Vor dem Datum kann auch der Artikel verwendet werden. Nach von, vom und zum steht häufig der Dativ dem:

von Montag, dem 1. August, bis zum Donnerstag, dem 4. August
vom Montag, dem 1. August, bis zum Donnerstag, dem 4. August

Nach bis steht der Akkusativ den:

von Montag, dem 1. August, bis Donnerstag, den 4. August
vom Montag, dem 1. August, bis Donnerstag, den 4. August

Der Akkusativ ist allerdings überall möglich, auch wenn er nicht von allen gleichermaßen akzeptiert wird*:

von Montag, den 1. August, bis zum Donnerstag, den 4. August
vom Montag, den 1. August, bis zum Donnerstag, den 4. August

In der gesprochenen Sprache sind vor allem die Formulierungen mit Artikel bei der Datumsangabe üblich. Die drei ersten Beispiele werden also häufig so gesprochen wie die Beispiele oben mit Artikel:

von Montag, 1. August, bis Donnerstag, 4. August
→ von Montag, dem/den ersten August, bis Donnerstag, den vierten August

vom Montag, 1. August, bis Donnerstag, 4. August
→ vom Montag, dem/den ersten August, bis Donnerstag, den vierten August

vom Montag, 1. August, bis zum Donnerstag, 4. August
→ von Montag, dem/den ersten August, bis zum Donnerstag, dem/den vierten August

Auch bei den Monatsangaben gibt es mehr als eine Möglichkeit, ihre Anzal bleibt aber verhältnismäßig beschränkt:

vom September 1914 bis zum November 1915
von September 1914 bis November 1915
vom September 1914 bis November 1915

Mit Logik und eindeutigen Regeln kommt man hier also nicht sehr weit.

Die Beispiele oben zeigen, was alles möglich ist. Es sind aber so viele, dass sie kaum mehr wirklich informativ sind. Deshalb hier zusammenfassend:

  • von [Wochentag, Datum,] – bis [Wochentag, Datum]
  • vom [Wochentag, Datum,] – bis [Wochentag, Datum]
  • vom [Wochentag, Datum,] – bis zum [Wochentag, Datum]
  • Nach von, vom und bis zum häufig dem, aber auch den*
  • Nach bis immer den

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

* Mit dem Akkusativ handelt es sich bei der Datumsangaben nicht um einen Apposition zum Wochentag, sondern um eine eigenständigere Zeitangabe.

Des Öfteren?

Frage

Bei dem Mehrwortausdruck „des Öfteren“ hat mein Analysierer Probleme mit dem Wort „Öfteren“. Mir persönlich kam es nicht unvertraut vor, ich konnte aber auf Anhieb keine Erklärung für diese Wortform finden. […] Bei „des Weiteren“ hat mein Tool kein Problem, „Weiteren“ als substantiviertes Adjektiv im Komparativ mit der Flexionsendung „-en“ zu erkennen. Aber „oft“ ist ein Adverb und Adverbien gelten doch als unflektierbar? […]

Antwort

Guten Tag Herr H.,

die Form öfteren in des Öfteren kann wie weiteren in des Weiteren als Genitivform analysiert werden (es sind Adverbialgenitive). Bei des Öfteren handelt es sich um eine feste Wendung, die auf die Verwendung des Komparativs öfter als Adjektiv zurückgeht. Standardsprachlich ist diese Verwendung nicht mehr gebräuchlich, in der Umgangssprache kommt sie aber noch vor:

ihre öfteren Besuche
nach öfterer Wiederholung

Auch die heute nur selten vorkommende Superlativform öftesten geht auf die adjektivische Verwendung von oft bzw. öfter zurück:

die am öftesten gehörte Antwort
So tituliert er sich am liebsten und am öftesten.

Im heutigen Standarddeutschen werden oft und öfter nur als Adverbien und entsprechend ungebeugt verwendet. Die Superlativform am öftesten kommt – wie gesagt – nur selten vor. Normalerweise wird hierfür am häufigsten verwendet.

Daneben kam und kommt manchmal noch die Form öfterer (statt öfter) vor. Dieser doppelte Komparativ lässt sich dadurch erklären, dass öfter häufig nicht vergleichend, sondern verstärkend verwendet wird und dann (fast) die gleiche Bedeutung hat wie einfaches oft:

Das haben wir schon oft / öfter gehört.
Sie war oft / öfter in Talkshows zu sehen.

Zu dem so als Positiv empfundenen öfter wurde eine Komparativform öfterer und eine Superlativform öfterst gebildet.

Die Männchen schreien stärker, volltönender und öfterer als die Weibchen
und dieses ist der öfterste Fall

Diese Formen gelten standardsprachlich als nicht korrekt.

Im heutigen Standarddeutschen gibt es also nur das Adverb oft mit seiner Komparativform öfter (und dem Superlativ am häufigsten). Adjektivisch gebeugte Formen trifft man auch an, aber sie sind veraltet oder gelten als umgangssprachlich. Ausnahme: des Öfteren.

Ihr Analysierer hat wahrscheinlich deshalb Mühe mit mit der Form Öfteren, weil sie nicht nach heute geltenden Regeln gebildet wurde. Sie setzt ein Adjektiv oft voraus, das es in der heutigen Standardsprache nicht gibt.

Viel mehr zur Geschichte von oft und seinen Steigerungsformen finden Sie hier.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Sich an etwas erinnern, sich einer Sache erinnern, sich etwas erinnern oder sich auf etwas erinnern?

Frage

Heißt es „sich erinnern“ oder nur „erinnern“? Zum Beispiel: „Er erinnert den Sommer.“

Antwort

Guten Tag B.,

zuerst dachte ich, die Antwort sei kurz und einfach. Ich hatte aber nicht mit der regionalen Vielfalt der deutschen Sprache gerechnet.

Allgemein ist die folgende Wendung gebräuchlich:

sich an etwas/jemanden erinnern

Er erinnert sich an den Sommer.
Ich erinnere mich noch gut daran.
Erinnerst du dich noch an den Spielplatz im Wald?
Die Kinder erinnerten sich nicht mehr an die früheren Nachbarn.

Damit ist aber nicht alles gesagt. Einige in Norddeutschland oder in Österreich Ansässige haben sich hier vielleicht schon gewundert. Vor allem in Norddeutschland kommt regional auch vor:

etwas/jemanden erinnern

Er erinnert den Sommer.
Ich erinnere mich das noch gut.
Erinnerst du noch den Spielplatz im Wald?
Die Kinder erinnern die früheren Nachbarn nicht mehr.

Gemäß einigen Wörterbüchern kommt vor allem in Österreich auch diese Konstruktion vor:

sich auf etwas/jemanden erinnern

Dafür konnte ich allerdings so schnell keine „echten“ Beispiele finden. Aber wenn es im Wörterbuch steht, kommt es in der Sprachrealität bestimmt auch vor (vgl. hier).

Als korrekt, aber veraltet oder gehoben gilt die Verwendung von sich erinnern mit dem Genitiv:

sich einer Sache/jemandes erinnern

Er erinnert sich des Sommers.
Ich erinnere mich dessen noch gut.
Erinnerst du noch des Spielplatzes im Wald?
Die Kinder erinnerten sich nicht mehr der früheren Nachbarn.

Allgemein üblich und standardsprachlich einwandfrei erinnert man sich an den Sommer (sich an etwas erinnern). Wer es gern gehoben hat, darf sich des Sommers erinnern (geh./veraltend: sich einer Sache erinnern). In der norddeutschen Umgangssprache kann man sich regional auch den Sommer erinnern (ndt. Umgs.: etwas erinnern). Ob man sich in der österreichischen Umgangssprache wirklich auch auf den Sommer erinnert, kann ich leider nicht mit Sicherheit sagen  (öster. Umgs.: sich auf etwas erinnern). Eine erstaunliche Variantenvielfalt.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Auch standardsprachlich passt oft ein »von« statt des Genitivs

Frage

Ich habe eine Frage zu folgendem Satz:

Er hatte einer Bemerkung von(?) Elisabeths Kollegen entnommen, dass seine Frau …

oder nur:

Er hatte einer Bemerkung Elisabeths Kollegen entnommen, dass seine Frau …

Letzteres klingt irgendwie falsch. Umgangssprachlich ist „von Elisabeths Kollegen“ heute sicher ok, aber in der Schriftsprache? Natürlich könnte ich auch „der Kollegen Elisabeths“ schreiben, aber vielleicht würden viele das heute als altmodisch und geschwollen ansehen.

Antwort

Guten Tag Frau G.,

Sie können hier am besten Ihrem Sprachempfinden folgen. Formulierungen mit von anstelle des Genitivs sind nämlich lange nicht immer nur umgangssprachlich.

Nicht möglich ist diese Formulierung:

NICHT: eine Bemerkung Elisabeths Kollegen

Eine Substantivgruppe kann u. a. nur dann im Genitiv stehen, wenn sie mindestens ein gebeugtes Artikelwort oder Adjektiv enthält (Teil der Genitivregel).

die Reparatur der Fahrräder
NICHT:
die Reparatur Fahrräder

der Preis natürlichen Mineralwassers
NICHT: der Preis Mineralwassers

Auch die Substantivgruppe Elisabeths Kollegen enthält kein Artikelwort oder Adjektiv. Man weicht in solchen Fällen auch in der Standardsprache häufig auf eine Formulierung mit von aus:

die Reparatur von Fahrrädern
der Preis von Mineralwasser

Entsprechend auch:

eine Bemerkung von Elisabeths Kollegen

Bei dieser Formulierung ist allerdings nicht deutlich, ob es um eine Bemerkung eines Kollegen oder um eine Bemerkung mehrerer Kollegen geht.

Ihr weiterer Vorschlag ist möglich, weil die Substantivgruppe ein gebeugtes Artikelwort enthält:

eine Bemerkung der Kollegen Elisabeths

Es ist klar, dass es sich um mehrere Kollegen handelt. Es klingt aber tatsächlich ein bisschen gehoben.

Sie haben also vorerst zwei Möglichkeiten:

Er hatte einer Bemerkung von Elisabeths Kollegen entnommen … (nicht eindeutig)

Er hatte einer Bemerkung der Kollegen Elisabeths entnommen … (vielleicht ein bisschen gehoben/veraltend)

Damit sind wir aber noch nicht am Ende unserer Möglichkeiten. Es gibt noch weitere Formulierungen, die eindeutig und auch standardsprachlich vertretbar sind:

Er hatte einer Bemerkung der Kollegen von Elisabeth entnommen …

Er hatte einer Bemerkung von Elisabeths Mitarbeitern entnommen …

Nicht jede Wortgruppe mit von, die anstelle eines Genitivs steht, ist umgangssprachlich. Siehe auch hier.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Ungebeugtes »ein«: ein und dieselbe Sache, in ein bis zwei Monaten, das ein oder andere Problem

Frage

Warum steht hier „ein“:

ein und dieselbe Sache
(https://www.duden.de/rechtschreibung/ein_Zahl)

Sollte es nicht „eine und dieselbe Sache“ heißen? Im Duden fehlt die Erklärung.

Antwort

Guten Tag Frau S.,

ein bleibt häufig ungebeugt, wenn es durch und, bis oder oder mit zwei oder einer anderen Kardinalzahl oder andere verbunden wird. Diese Angabe ist auf Anhieb kaum verständlich. Die folgenden Beispiele helfen hoffentlich dabei, die Sache zu verdeutlichen:

Wir warten noch ein bis zwei Tage.
eine Mietdauer von zwischen ein und drei Jahren
Wir hatten noch das ein oder andere Problem zu lösen.
in ein und einer halben Stunde

Das ist auch dann der Fall, wenn ein durch und mit derselbe/dieselbe/dasselbe verbunden wird:

Das ist ein und dieselbe Sache.
für ein und denselben Zweck
mit ein und demselben Auto

Meist ist es auch möglich, ein zu beugen (siehe auch hier):

Wir warten noch einen bis zwei Monate.
eine Mietdauer von zwischen einem und drei Jahren
Wir hatten noch das eine oder andere Problem zu lösen.
in einer und einer halben Stunde

Bei der Wendung ein und derselbe/dieselbe/dasselbe kommt gebeugtes ein aber selten vor:

Das ist eine und dieselbe Sache.
für einen und denselben Zweck
mit einem und demselben Auto

Ein und dieselbe Sache und eine und dieselbe Sache sind also fast ein und dieselbe Sache. Die Version mit eine kommt allerdings seltener vor.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

PS: Im Duden-Wörterbuch finden Sie keine Erklärung, aber in anderen Duden-Werken wird dieser Fall schon behandelt (z.B. in Das Wörterbuch der sprachlichen Zweifelsfälle und in der Duden-Grammatik).

Kongruenz: Verstehen wir uns als kompetenter oder als kompetenten Dienstleister?

Frage

Es geht um diesen Satz:

Wir verstehen uns als kompetenter Dienstleister und Problemlöser für unsere Kunden.

Müsste „kompetenter“ nicht im Akkusativ stehen? Bezieht sich „kompetenter Dienstleister“ auf „wir“ oder auf „uns“? Oder ist vielleicht sogar beides („kompetenter/kompetenten“) korrekt?

Antwort

Guten Tag Frau P.,

hier ist tatsächlich beides möglich:

Wir verstehen uns als kompetenter Dienstleister und Problemlöser für unsere Kunden.
Wir verstehen uns als kompetenten Dienstleister und Problemlöser für unsere Kunden.

Wenn eine mit als oder wie eingeleitete Wortgruppe von einem reflexiven oder reflexiv verwendeten Verb abhängig ist, steht sie in der Regel im Nominativ. Sie bezieht sich dann auf das Subjekt:

Der Rottweiler hat sich als guter Wachhund bewährt.
Der Außenminister gebärdet sich wie ein innenpolitischer Rebell.
Die Erneuerung stellt sich als richtiger Schritt in die Zukunft heraus.
Ich fühlte mich als der Retter der Situation.

Das Museum präsentiert sich als moderner und multimedialer Erlebnisraum.
Du stellst sich als guter, besorgter Vater hin.
Er sah sich als der Retter der Menschheit.
Wir verstehen uns als kompetenter Dienstleister.

Bei den reflexiv verwendeten Verben (Verben, die mit gleicher Bedeutung statt des Reflexivpronomens auch ein Akkusativobjekt bei sich haben können), kommt selten auch der Akkusativ vor. Die die als-Gruppe bezieht sich dann auf das Reflexivpronomen:

Das Museum präsentiert sich als modernen und multimedialen Erlebnisraum.
Du stellst dich als guten, besorgten Vater hin.
Er sah sich als den Retter der Menschheit.
Wir verstehen uns als kompetenten Dienstleister.

In Ihrem Beispiel ist die als-Gruppe von sich verstehen abhängig. Sie bezieht sich üblicherweise auf das Subjekt und steht wie wir im Nominativ (wir als kompetenter Dienstleister). Seltener bezieht sie sich auf das Reflexivpronomen und steht wie uns im Akkusativ (uns als kompetenten Dienstleister).

Beides ist also möglich und beides gilt als korrekt. Mehr dazu finden Sie hier.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

PS: Bei nicht reflexiver Verwendung dieser Verben ist nur der Bezug auf das Akkusativobjekt üblich:

Das Museum präsentiert den Neubau als modernen und multimedialen Erlebnisraum.
Sie stellt ihn als guten, besorgten Vater hin.
Sie sahen ihn als den Retter der Menschheit.
Wir verstehen unsere Firma als kompetenten Dienstleister und Problemlöser.

Komme ich hier her oder komme ich hierher?

Frage

Momentan beschäftige ich mich mit diesem Satz, den ich in einem Forum gelesen habe: „Wie komme ich hier her?“

Da stellt sich die Frage, ob „hierher“ ein Verbzusatz ist, der deshalb mit dem Verb „kommen“ zusammengeschrieben wird („hierherkommen“). Oder haben wir es mit dem Infinitiv „herkommen“ zu tun zusammen mit dem selbstständigen Adverb „hier“ („hier herkommen“)? Im ersten Fall hätten wir dann dieses Ergebnis:

Wie komme ich hierher?

Im zweiten dann eben dieses:

Wie komme ich hier her?

Welches davon ist nun richtig?

Antwort

Guten Tag Herr B.,

nach der standardsprachlichen Schreibung sollte es sein:

hierherkommen = an diesen Ort kommen
Wie komme ich hierher? = Wie komme ich an diesen Ort?

Man schreibt hierher (an diesen Ort) in Verbindung mit einem einfachen Verb mit dem Verb zusammen:

hierherbringen, hierherführen, hierherholen, hierherkommen, hierherlegen, hierherlocken, hierherschaffen, hierherschleppen, hierhersetzen, hierherstellen, hierhertragen usw.

In getrennter Stellung im Hauptsatz:

bringe hierher, führe hierher, hole hierher, komme hierher, lege hierher usw.

Umgangssprachlich und in der gesprochenen Alltagssprache wird hierher allerdings auch getrennt verwendet:

Hier kommt man her, um Kaffe zu trinken.
Ich komme hier nicht gerne her.

Entsprechend könnte man umgangssprachlich eventuell auch schreiben:

Warum kommt man hier her?
Wie komme ich hier her?

Standardsprachlich wählt man aber besser hierherkommen / komme hierher / hierhergekommen:

Hierher kommt man, um Kaffe zu trinken.
Ich komme nicht gerne hierher.
Viele bekannte Leute sind hierhergekommen, um sich behandeln zu lassen.
Weißt du, wie man hierherkommt?
Kommen Sie hierher und genießen Sie die Aussicht!

Und wie eingangs schon gesagt:

Wie komme ich hierher?

Ähnliches gilt übrigens u. A. auch für dahin und dorthin und woher und wohin (neu ist das Thema also nicht).

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Vom Planet(en) Wissen und vom Planet(en) der Affen

Frage

Ich habe eine Frage zur schwachen Deklination der Substantive. Mich interessiert der Satz: „Ich komme vom Planet Wissen“ – ist es richtig so? Onlinetextprüfung verbessert in „vom Planeten“ .

Antwort

Guten Tag Frau S.,

automatische Textprüfer haben nicht immer recht, aber in diesem Fall ist die Verbesserung sehr wahrscheinlich gerechtfertigt. Das Substantiv Planet wird in der Standardsprache schwach gebeugt, das heißt, außer im Nominativ Singular hat es immer die Endung en („siebenmal en“, wie ein niederländischer Freund und Kollege es vor Jahren einmal im Deutschunterricht in Amsterdam gelernt hat).

Es heißt somit:

den Planeten Mars mit bloßem Auge sehen
für jeden Planeten eine Karte erstellen
zum Planeten Jupiter fliegen
Avatar spielt auf dem Planeten Pandora
die Atmosphäre unseres Planeten Erde

und entsprechend auch:

Ich komme vom Planeten Wissen
(= von einem Planeten namens Wissen)

Ausnahmen gibt es natürlich auch. Wenn ein schwach dekliniertes Substantiv allein steht, wird es häufig nicht dekliniert. So heißt es:

von einem Planeten zum andern
eine Zwischenform zwischen einem Planeten und einem Stern

aber ohne Endung:

von Planet zu Planet
eine Zwischenform zwischen Planet und Stern

Auch bei zitierten Namen von Titeln u. Ä. wird nicht gebeugt. Wenn also von der Fernsehserie „Planet Erde“ oder der ARD-Sendung „Planet Wissen“ die Rede ist, bleibt der Name in der Regel artikellos und ungebeugt:

die letzte Folge von Planet Erde (auch: von „Planet Erde“)
Ich komme von Planet Wissen (auch: von „Planet Wissen“)

So viel zu Standardsprache. In der Umgangssprache werden schwach deklinierte Substantive im Akkusativ und im Dativ manchmal auch ohne Endung verwendet:

eine Karte für jeden Planet
den Planet Mars sehen
auf dem Planet Pandora

Das gilt standardsprachlich (noch?) nicht als korrekt, es ist aber keine neue Erscheinung. So wurde zum Beispiel schon vor über fünfzig Jahren bei den deutschen Titeln einer amerikanischen Science-Fiction-Filmreihe (bewusst?) Planet statt eigentlich korrekt Planeten gewählt:

Rückkehr zum Planet der Affen (1970)
Flucht vom Planet der Affen (1971)
Eroberung vom Planet der Affen (1972) [!]
Die Schlacht um den Planet der Affen (1973)

Selbst wenn den für diese Titel Verantwortlichen bewusst war, dass es eigentlich zum Planeten der Affen, vom Planeten der Affen, des Planeten der Affen und um den Planeten der Affen heißen müsste, zeigt die Wahl, dass die ungebeugten Formen auch damals schon vorkamen und relativ gebräuchlich waren. Die Fans des Genres kann es wahrscheinlich kaum stören, ob die Filme auf dem Planeten der Affen oder auf dem Planet der Affen spielen. Wer sich der gebräuchlichen Standardsprache bedienen möchte, spricht und schreibt aber am besten vom Planeten der Affen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp