Als oder wie ich neulich …

Frage

Gibt es eine Regel, wann man in Aussagesätzen wie oder als verwendet?

Als ich neulich …
Wie ich neulich …

Antwort

Sehr geehrter Herr S.,

für die zeitliche Verwendung von als und wie gilt das Folgende: Mit als drückt man in der Vergangenheit aus, dass ein einmaliges Geschehen gleichzeitig mit einem anderen Geschehen erfolgt:

Als ich neulich nach Hause kam, stand die Polizei vor der Tür.

Hier sollte man nicht wie verwenden. Man sagt standardsprachlich also besser nicht:

Wie ich neulich nach Hause kam, stand die Polizei vor der Tür.

Wenn man hier trotzdem einmal wie verwendet, steht glücklicherweise nicht gleich die Polizei vor der Tür. Es gilt aber als umgangssprachlich. Nur wenn man etwas Vergangenes erzählt und dabei das sogenannte historische Präsens verwendet, kann als oder wie stehen:

Als ich neulich nach Hause komme, steht die Polizei vor der Tür.
oder
Wie ich neulich nach Hause komme, steht die Polizei vor der Tür.

Diese Angaben können Sie auch in der Canoonet-Grammatik nachlesen. Dort fällt sogar ein Schuss!

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Hähbät Bähgä

Soeben hörte ich jemanden „Extremdeutsch“ sprechen. Er sagte etwas, dass ich ungefähr so aufschreiben würde:

Eä heißt Hähbät Bähgä.

Gemeint war:

Er heißt Herbert Berger.

In die gleiche Reihe gehören Aussprachen wie:

eeählich (ehrlich)
hähtä (härter)
Fahbe (die Farbe)
a la kaaht (à la carte)

Nun ist es so, dass das r in vielen Regionen nicht „rollend“ gesprochen wird und das rollende r entsprechend im Standarddeutschen fast nicht (mehr) üblich ist, aber man kann alles übertreiben! Das sollten sich Hähbät-Sager und Gähda-Sagerinnen überlegen, bevor sie die Aussprache anderer kritisieren oder belächeln. Es sind nämlich häufig solche extremen „r‑Vokalisierer“, die meinen, eine besonders gute Standardaussprache zu haben.

Das Alphabet

Frage

Gibt es noch andere Gründe, das deutsche Alphabet in der Reihenfolge zu beherrschen, als für Lexika, Wörterbücher und Ähnliches, und wie kam die Reihenfolge zustande?

Antwort

Sehr geehrter Herr B.,

die feste Reihenfolge der Buchstaben im Alphabet dient tatsächlich nicht dazu, Schulanfängern das Leben schwer zu machen. Sie dient vor allem dazu, Wörter in Listen und Aufzählungen aller Art einzuordnen. Der Vorteil ist, dass man die Wörter mit Hilfe eines „äußerlichen“ Merkmals, das heißt, ohne ihre Bedeutung berücksichtigen zu müssen, einordnen und wiederfinden kann. Das ist deshalb ein Vorteil, weil es nur etwas mehr als zwei Dutzend Buchstaben, aber unzählige Bedeutungsmerkmale gibt.

Der Ursprung der Reihenfolge der Buchstaben ist wie die genaue Herkunft des Alphabets unbekannt. Unsere Schrift lässt sich über verschieden Schritte auf das Alphabet der Phönizier zurückführen. Dessen genauer Ursprung ist bis heute ungeklärt. Das phönizische Alphabet war unter anderem die Basis des griechischen Alphabets, das ja mit seinen ersten beiden Buchstaben, Alpha und Beta, den Namen Alphabet geliefert hat. Vom griechischen Alphabet wurde das etruskische Alphabet abgeleitet und davon wieder das lateinische, das die Grundlage unseres modernen Alphabets ist. Bei jedem Übergang von einem Alphabet auf das nächste wurden Anzahl und Reihenfolge der Buchstaben zu einem großen Teil übernommen, aber auch ein wenig geändert. Kleinere Unterschiede bei der Einordnung der Buchstaben gibt es auch heute noch. So wird zum Beispiel der relativ junge Buchstabe ö im Deutschen gleich nach dem o eingeordnet, während er in schwedischen Listen und Wörterbüchern erst ganz am Schluss hinter dem z zu finden ist.

Wichtig ist nicht so sehr, wie die Reihenfolge der Buchstaben im Alphabet genau festgelegt ist. Wichtig ist vor allem, dass es eine feste Reihenfolge gibt. Nur eine feste, allgemein bekannte und akzeptierte Reihenfolge erleichtert es, Wörter und Begriffe in Listen wiederzufinden.

In digitalen Wörterbüchern und Enzyklopädien ist die alphabetische Sortierung allerdings für das Auffinden von Wörtern kaum mehr wichtig. Deshalb stellt sich hier für mich gleich die folgende Frage: Wie lange werden die kleine ABC-Schützinnen und ‑Schützen noch lernen müssen, das ABC aufzusagen? Lernen sie es eigentlich noch?

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Fragezeichen nach indirekten Fragen?

Fragezeichen machen ihrem Namen manchmal alle Ehre, indem sie zu Fragen Anlass geben:

Frage

Bei indirekten Fragen setzt man normalerweise am Ende einen Punkt. Zum Beispiel:

Ich möchte wissen, ob er kommt.
Sie fragt ihn, wann er komme.

Setzt man auch einen Punkt bei:

Wissen Sie, ob er kommt
Können Sie mir sagen, wann er kommt

Oder setzt man doch besser ein Fragezeichen?

Antwort

Guten Tag M.,

Sie müssen hier ein Fragezeichen setzen:

Wissen Sie, ob er kommt?
Können Sie mir sagen, wann er kommt?

Das liegt daran, dass der Hauptsatz, von dem die indirekte Frage abhängig ist, eine Frage ist. Man sieht das gut, wenn man die indirekte Frage ob/wann er kommt im Gesamtsatz durch das ersetzt:

Ich möchte das wissen.

Wissen Sie das?
Können Sie mir das sagen?

Das Fragezeichen in Ihren beiden Beispielen gehört also nicht zur indirekten Frage, sondern zum Gesamtsatz. Wenn der Gesamtsatz eine Aufforderung ist, endet er entsprechend mit einem Ausrufezeichen:

Frag ihn endlich, wann er kommt!

Und wie Ihre Beispiele ganz am Anfang zeigen, setzt man am Schluss einen Punkt, wenn der Gesamtsatz ein Aussagesatz ist:

Ich möchte wissen, ob er kommt.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Offenes Kaminfeuer und Feuer im offenen Kamin

Frage

Ist der Begriff „offenes Kaminfeuer“ korrekt? Im Grunde ist es doch ein Feuer in einem offenen Kamin. Gibt es ein offenes Feuer?

Antwort

Sehr geehrter Herr K.,

gegen die Formulierung offenes Kaminfeuer ist nichts einzuwenden. Ein offenes Feuer ist ein Feuer, das nicht von allen Seiten umschlossen, nicht verdeckt und in diesem Sinne frei zugänglich ist. Man kann ein weiteres Holzscheit, kompromittierenden Unterlagen, Fotos untreuer Exgeliebter, die Wurst, die man nicht mag, oder was immer man sonst verbrennen möchte, einfach in die Flammen werfen. Bei kleinen Kindern und offenem Feuer sollte man vorsichtig sein, damit sie weder sich selbst noch Teile der Einrichtung, von denen man sich noch nicht trennen möchte, ein Opfer der Flammen werden lassen. Umgekehrt können bei einem offenen Feuer Funken unkontrolliert die Feuerstelle verlassen. Unter anderem deshalb ist in trockenen Sommern offenes Feuer im Wald nicht gestattet, und auch bei Tankstellen sollte man Rauchen und offenes Feuer vermeiden.

Es gibt übrigens auch offenes Licht:

Die Bedeutung dieses Schildes wird im Allgemeinen wie folgt umschrieben: „Feuer, offenes Licht und Rauchen verboten“. Damit ist Licht von Kerzen, Petroleum, Benzin, Karbid usw. gemeint. Ausgenommen sind luftdicht verschlossene Brennelemente wie Glüh- oder Bergwerkslampen.

Offen bedeutet nicht nur nicht geschlossen (Türen, Geschäfte, Hemdkragen, Kamine usw.) sondern auch unverdeckt, frei zugänglich (z. B. Gelände, Wunden, Licht, Feuer). Wenn an kalten Winterabenden je nach romantischer Veranlagung und Geldbeutel in einer bescheidenen Skihütte oder einem großen Landhaus ein Feuer im Kamin angezündet wird, kann man dieses also ein Feuer in einem offenen Kamin, ein offenes Feuer in einem Kamin oder eben ein offenes Kaminfeuer nennen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Das unsystematische „welches“

Regelmäßige Besucher und Besucherinnen wissen, dass ich Sie immer wieder bitte, bei Fragen darauf zu achten, Ihre E-Mail-Adresse richtig anzugeben. Ich kann Ihnen nämlich sonst nicht antworten. Das ist gestern wieder zweimal vorgekommen. Einmal bei Andreas Frage nach dem Fall, der bei analog steht. (Andrea, wenn Sie an der Antwort interessiert sind, schicken Sie bitte eine E-Mail an die auf dieser Seite angegebene E-Mail-Adresse.)

Die zweite „unbeantwortbare“ Frage kam vermutlich aus Russland (.ru). Sie zeigt, dass wir im Deutschen manchmal etwas eigenartig mit der Übereinstimmung in Genus und Numerus umgehen:

Frage

In einem Kinderbuch habe ich folgenden Satz gelesen: „Welches sind die größten Schiffe?“ Dann habe ich noch mehrere ähnliche Fragen entdeckt. Worauf bezieht sich die Endung -s im Wort „welches“?

Antwort

Guten Tag!

Die Form welches ist die sächliche Einzahlform des Fragepronomens welch-. Sie kann sich trotz ihrer sächlichen Einzahl auf alle Genera und sogar auf den Plural beziehen, wenn sie allein steht und über das Verb sein mit einem Substantiv im Nominativ verbunden ist:

Welches ist der richtige Lösungsweg?
Welches war die beste Limonade.
Welches sind die neuen Aufträge und welches die alten?

Man kann hier ohne Bedeutungsunterschied auch die Formen von welch- verwenden, die sich – wie man es eigentlich von einem rechtschaffenen Pronomen erwarten dürfte – nach Geschlecht und Numerus des Wortes richten, auf das sie sich beziehen:

Welcher ist der richtige Lösungsweg?
Welche war die beste Limonade.
Welche sind die neuen Aufträge und welche die alten?

Mehr zu welches finden Sie hier.

Etwas Entsprechendes ist bei den Antwortmöglichkeiten der Fall: Die sächlichen Einzahlformen das, dies und jenes können sich unter den gleichen Voraussetzungen (sein und Substantiv im Nominativ) auch auf alle Genera und den Plural beziehen:

Das/dies/jenes ist der richtige Lösungsweg.
Das/dies/jenes war die beste Limonade.
Das/dies sind die neuen Aufträge und das/jenes die alten.

Das Deutsche ist hier also immerhin noch so konsequent, dass es bei Frage und Antwort gleich inkonsequent ist.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Das unsystematische Frühstück

Frage

Ist es falsch zu sagen: „Ich esse Frühstück“? Wenn ja, warum? Schließlich ist es auch richtig, wenn man sagt: „Ich esse Mittag.“

Antwort

Sehr geehrte Frau D.,

im Standarddeutschen sagt man nicht ich esse Frühstück. Man sagt einfach ich frühstücke. Wenn es etwas formeller oder gehobener zugeht, kann man auch das Frühstück einnehmen. Für das Einnehmen des Mittagessens kann man aber ungekehrt nicht ich mittage oder ich mittagesse sagen.

Die Wendung ich esse Mittag ist eine kürzere, eher umgangsprachliche Form von Ich esse zu Mittag oder eine Art Ableitung von das Mittagessen. Man nennt also die Tageszeit. Ebenso geht man am Abend vor: ich esse (zu) Abend, das Abendessen. Entsprechend müsste es bei der morgens eingenommenen Mahlzeit ich esse (zu) Morgen und das Morgenessen heißen. Diese Formen sind aber außer in einigen Dialekten und Regionalsprachen nicht üblich. Dafür verwendet man frühstücken und das Frühstück. Das Standarddeutsche geht also bei der Benennung der Mahlzeiten nicht sehr systematisch vor:

das Frühstück – ich frühstücke
das Mittagessen – ich esse zu Mittag
das Abendessen – ich esse zu Abend

Oft wird aber gar nicht angegeben, um welche Mahlzeit des Tages es sich handelt, weil sich dies meist schon aus dem engeren oder weiteren Zusammenhang ergibt. Dann hört oder liest man je nach Sprachregister zum Beispiel:

Ich ess grad was.
Wir sind beim Essen.
Die Herren sind bei Tisch.
Madame geruht zu speisen.

Informationen zum Ursprung des Wortes Frühstück finden Sie übrigens hier.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Valentinstagsrätsel

Es geht hier weder um die Liebe noch um den Kommerz, sondern einfach um die Wortbildung.

Frage

Mein örtliches Anzeigenblättchen titelte links oben: „Valentinstagsrätsel“. Das klingt furchtbar, aber ist es auch falsch? Das ist gerade mein Rätsel …

Antwort

Sehr geehrter Herr K.,

das Wort Valentinstagsrätsel mag mit seinen beiden Fugen-s nicht allzu melodiös klingen, aber es ist korrekt gebildet. Wenn Zusammensetzungen mit dem Wort Tag an zweiter Stelle in einer weiteren Zusammensetzung an erster Stelle stehen, verwendet man in der Regel ein Fugen-s:

Sonntagsruhe
Bundestagswahl
Reichstagsabgeordneter
Gründonnerstagsliturgie
Geburtstagsüberraschung
Reformationstagsfeier

In den angelsächsischen Ländern ging es, soweit ich weiß, beim Valentinstag eigentlich um (anonyme) Valentinstagskarten. Heutzutage wird man auch bei uns „multimedial“ dazu aufgefordert, mindestens ein persönliches Valentinstagsgeschenk zu überreichen. Ein speziell auf den Valentinstag zugeschnittenes Rätsel ist also auf der Ebene der Wortbildung entsprechend ein Valentinstagsrätsel. Ebenfalls üblich sind allerdings die Bezeichnungen Valentinskarte und Valentinsgeschenk. Im Titel hätte also auch der kürzere Begriff Valentinsrätsel stehen können.

Valentinstagsrätsel ist vielleicht nicht die schönste aller Wortschöpfungen. Es ist aber immerhin ganz erfreulich, dass Ihr Anzeigenblatt nicht der um sich greifenden „Bindestrichmanie“ erlegen ist (Valentinstags-Rätsel) oder die Rechtschreibregeln gänzlich hinter sich lassend Valentinstags Rätsel oder gar Valentinstag’s Rätsel geschrieben hat.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Weder sie noch er ist – ähm – sind …

Frage

Ich hätte eine Frage zu „weder … noch“. Zum Beispiel: „Weder sie noch er ist besonders darüber erfreut, dass …“

Inwiefern ist hier der Singular richtig? Ich habe ein wenig im Internet nach Beispielen gesucht und dabei entdecken müssen, dass sehr oft Plural gewählt wird, also: „Weder sie noch er sind besonders darüber erfreut, dass …“

Nach meiner Einschätzung müsste aber auf alle Fälle der Singular richtig sein, da dies ja im Prinzip nur eine vereinfachte Kurzform des folgenden Satzes ist: „Weder sie ist besonders darüber erfreut noch er ist besonders darüber erfreut, dass …“

Wie verhält es sich denn?

Antwort

Sehr geehrter Herr B.,

es verhält sich eigentlich ganz einfach: Wenn eine mit weder … noch verbundene Wortgruppe das Subjekt des Satzes ist, kann das Verb sowohl im Singular als auch im Plural stehen. Beides ist üblich und richtig:

Weder sie noch er ist besonders darüber erfreut, dass …
Weder sie noch er sind besonders darüber erfreut, dass …

Ihre Argumentation für die Verwendung des Singulars ist zwar richtig, aber nicht die einzig richtige. Man kann tatsächlich sagen, dass es sich um die Zusammenziehung von zwei Sätzen handelt:

Weder sie [ist besonders erfreut] noch er ist besonders erfreut.
Weder sie noch er ist besonders erfreut.

Man kann aber auch sagen, dass weder … noch wie und zwei Subjektteile verbindet. Dadurch entsteht ein mehrteiliges Subjekt, das den Plural verlangt:

Er und sie sind besonders erfreut.
Weder er noch sie sind besonders erfreut.

Das Deutsche lässt bei weder … noch beide Sichtweisen zu.

Wenn einer der beiden mit weder … noch verbundenen Teile im Plural steht, wird das Verb im Allgemeinen im Plural verwendet.

Weder sein Geld noch seine guten Beziehungen helfen ihm weiter.
Weder seine guten Beziehungen noch sein Geld helfen ihm weiter.
(Selten: Weder seine guten Beziehungen noch sein Geld hilft ihm weiter.)
(Nicht: *Weder sein Geld noch seine guten Beziehungen hilft ihm weiter.)

Mehr dazu finden Sie hier.

Man kann also sagen, dass weder sie noch er darüber erfreut ist oder sind, dass weder Geld noch gute Beziehungen ihnen weiterhelfen. Dabei geht es wohl nicht um Fragen zu Grammatik und Rechtschreibung, denn dabei hilft einem Canoonet auch ohne Geld und gute Beziehungen weiter!

Schirmherrschaft, Schirmfrauschaft, Schirmherrinnenschaft

Das Thema der geschlechtergerechten Formulierung meide ich (fast) immer mit beinahe so viel Überzeugung wie der Teufel das Weihwasser. Es gibt meistens ebenso viele Meinungen, wie es Fach- und andere Leute gibt, die sich darüber äußern. Diskussionen in Foren u. Ä. werden auf beiden Seiten oft mit einer solchen Vehemenz geführt, dass Fundamentalisten aller Glaubensrichtungen noch etwas davon lernen könnten. Da weder Grammatik noch Rechtschreibung diese Frage eindeutig bestimmen können und mein Fachwissen mir deshalb nicht viel hilft, halte ich mich als „Dr. Bopp“ normalerweise von dieser Diskussion fern. Nach dieser langen Einleitung mache ich heute eine Ausnahme für die Wortschöpfung Schirmfrauschaft.

Frage

Gibt es tatsächlich den gebrauch des Wortes „Schirmfrauschaft“ anstelle von „Schirmherrschaft“, wenn eine Frau die „Schirmherrin“ ist. Eigentlich achte ich für gewöhnlich auf eine genderneutrale Sprache in Texten, finde aber die Anfrage eines Auftraggebers für „Schirmfrauschaft“ sehr befremdlich.

Antwort

Sehr geehrte Frau M.,

um gleich unangebracht kalauernd zu beginnen: Das Wort Schirmfrauschaft ist dann eine gute Wortschöpfung, wenn man auch sagt:

die Hausfrau statt die Hausherrin
die Schutzfrau statt Schutzherrin
die Schirmfrau statt die Schirmherrin
unter der Frauschaft Katharinas der Großen statt unter der Herrschaft …
unter der Schutzfrauschaft der heiligen Barbara statt unter der Schutzherrschaft …

Ich will damit eigentlich aufzeigen, dass das Wort Frau im heutigen Deutschen nur bei Eigennamen die weibliche Entsprechung zum männlichen Herr ist: Frau Müller – Herr Müller. Sonst gilt nämlich:

Frau – Mann
Herrin – Herr

Zum Beispiel:

Kauffrau – Kaufmann
PR-Frau – PR-Mann
Bauherrin – Bauherr
Schutzherrin – Schutzherr
Hausfrau – Hausmann
Hausherrin – Hausherr
und
Schirmherrin – Schirmherr

Im Allgemeinen gilt weiter, dass Herrschaft etwas ist, das sowohl von einem Herrn als auch von einer Herrin ausgeübt werden kann:

unter der Herrschaft Katharinas der Großen
unter die Schutzherrschaft der heiligen Barbara stellen

Für mich gehört deshalb die Verwendung von Schirmfrauschaft in den Bereich „Man kann alles übertreiben“. Die Schirmherrschaft obliegt einem Schirmherrn oder einer Schirmherrin. Wenn man dieses Wort unbedingt „geschlechtergerechter“ machen will, ist Schirmherrinnenschaft eine bessere Lösung. Am besten und meiner Meinung nach ebenso geschlechtergerecht ist aber einfach Schirmherrschaft.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp