„Na klar“ und das Komma

Frage

Wenn jemand sagt: „Na klar(,) können Asthmatiker Fußball spielen!“, würde ich auf das Komma nach „na klar“ verzichten. Es schaut aber merkwürdig aus. Ist das dennoch korrekt?

Antwort

Guten Tag Frau S.,

Sie sollten tatsächlich auf das Komma verzichten. Wenn Sie na klar durch zum Beispiel natürlich, selbstverständlich oder einfaches klar ersetzen, sehen Sie das vielleicht besser. Es handelt sich um einen Ausdruck der Stellungnahme. Wenn eine solcher Ausdruck vor dem Satz steht, wird er durch ein Komma abgetrennt:

Selbstverständlich, Asthmatiker können Fußball spielen!
Natürlich, Asthmatiker können Fußball spielen!
Aber gewiss, Asthmatiker können Fußball spielen!
Na klar, Asthmatiker können Fußball spielen!

Man kann eine solche Stellungnahme aber auch wie eine Adverbialbestimmung in den Satz einbinden. Dann steht sie nicht vor dem Satz, sondern im Satz an erster Stelle. Entsprechend ändert sich die Wortstellung – und man schreibt kein Komma:

Selbstverständlich können Asthmatiker Fußball spielen!
Natürlich können Asthmatiker Fußball spielen!
Aber gewiss können Asthmatiker Fußball spielen!
Na klar können Asthmatiker Fußball spielen!

Vielleicht sieht der Satz für Sie deshalb merkwürdig aus, weil dieses eingebundene na klar in geschriebener Form (noch) stärker umgangssprachlich ist als die Variante mit vorangestelltem na klar.

Na klar, hier muss ein Komma stehen!
Na klar muss hier kein Komma stehen!

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Braucht man diese Form: Konjunktiv II Futur II Zustandspassiv („würde geöffnet gewesen sein“)?

Falls Sie komplizierte Verbformen mögen, hier noch einmal das Passiv im Futur, aber diesmal das Zustandspassiv im Konjunktiv II.

Frage

Ist es richtig, dass Konjunktiv II-Formen im Futur beim Zustandspassiv aus semantischer Sicht nicht unbedingt Sinn machen?

Antwort

Guten Tag Herr S.,

wenn ich Sie richtig verstehe geht es um die die Formen des Konjunktivs II Futur I und Futur II im Zustandspassiv. Für die Beispielverben öffnen und erledigen sehen diese Formen so aus:

Futur I Konjunktiv II Zustandspassiv:

würde geöffnet sein
würde erledigt sein

Futur II Konjunktiv II Zustandspassiv:

würde geöffnet gewesen sein
würde erledigt gewesen sein

Die Frage ist nun nicht so sehr, ob die diese Konjunktivs-II-Formen Sinn machen oder nicht. Der Konjunktiv II hat in der Regel keine ganz bestimmte Bedeutung. Er ist vielmehr an bestimmte Satzarten gebunden (siehe hier). So hat der Konjunktiv II Futur meist nichts mit Zukunft zu tun. Die Frage lautet deshalb meiner Meinung nach eher, ob solche Formen verwendet werden.

In vielen Fällen sind die Formen, um die es hier geht, stilistisch zweifelhaft. Man verwendet in der Regel nicht die würde-Formen, sondern die einfachen Konjunktiv-II-Formen.

Also besser nicht:

Wenn die Tür geöffnet sein würde, …
…, wenn die Aufgabe erledigt sein würde

Wenn die Tür geöffnet gewesen sein würde, …
…, wenn die Aufgabe erledigt gewesen sein würde

Ach, wenn die Tür nur geöffnet sein würde!

Würde die Aufgabe nur schon erledigt gewesen sein!

sondern:

Wenn die Tür geöffnet wäre, …
…, wenn die Aufgabe erledigt wäre

Wenn die Tür geöffnet gewesen wäre, …
…, wenn die Aufgabe erledigt gewesen wäre

Ach, wenn die Tür nur geöffnet wäre!

Wäre die Aufabe nur schon erledigt gewesen!

Ausgeschlossen sind die Formen aber nicht, zum Beispiel als Zukunft in der Vergangenheit:

Noch war die Tür geschlossen, aber bald würde sie geöffnet sein.
Ich glaubte damals nicht, dass die Aufgabe bald erledigt sein würde.

Noch war der Eingang offen, aber bald würde die Tür [nicht mehr geöffnet sein, sondern] geöffnet gewesen sein.
Wir hatten erwartet, dass die Aufgabe bei der nachträglichen Kontrolle bereits erledigt gewesen sein würde.

Inwieweit vor allem die letzten Formen (Konjunktiv II Futur II) in der Sprachrealität wirklich häufig vorkommen, sei hier dahingestellt. Nicht alles was möglich ist, kommt auch regelmäßig vor. Das Risiko, dass man bei solchen komplexen Formen den Faden verliert, ist sehr groß. Außerden ergibt sich die konkrete Bedeutung im Deutschen oft stärker aus dem Kontext als aus den verwendeten Verbformen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Gewöhnlich, gemein, ordinär und vulgär

Wörter können im Laufe der Zeit eine andere Bedeutung annehmen. Das kommt interessanterweise vor allem bei negativ beladenen Wörtern vor (Bedeutungsverbesserung ist seltener als Bedeutungsverschlechterung). Letzthin sind mir die beiden Wörter ordinär und vulgär wieder einmal aufgefallen.

Dank dem bisschen Latein, das mir noch aus frühen Schulzeiten geblieben ist, weiß ich, dass ordinär auf ordinarius zurückgeht, das die Bedeutung ordentlich, regelmäßig, gewöhnlich hatte (ein Blick ins Wörterbuch Latein zeigt, dass es sogar vorzüglich bedeuten konnte). Das Wort vulgär kommt weit zurück ebenfalls aus dem Lateinischen (vulgarius), wo es gewöhnlich, alltäglich, allgemein bedeutete. Es gehört zum Substantiv vulgo = Volksmasse, breite Masse, einfaches Volk.

Beide Wörter hatten also ursprünglich die Bedeutung gewöhnlich. Im heutigen Sprachgebrauch sind aber ordinäre Scherze oder ordinäre Personen nicht mehr gewöhnlich, sondern unfein und unanständig. Vulgäre Witze und vulgäre Menschen sind erst recht nicht gewöhnlich oder allgemein, sondern „auf abstoßende Weise derb und ordinär“.

Das gleiche Los war dem Wort gemein beschieden: Heute bedeutet es vor allem niederträchtig und unverschämt. Ursprünglich war seine Bedeutung u. a. gemeinsam, gemeinschaftlich, allgemein, gewöhnlich. Das kann man noch in gemeinsam, gemeinschaftlich und allgemein oder Gemeinde und Gemeinbesitz erkennen. Auch die Gemeine Stubenfliege und die Gemeine Grasnelke sind weder niederträchtig noch besonders unverschämt, sondern einfach gewöhnliche Vertreterinnen ihrer Art. (Die Stubenfliege kann allerdings häufig sehr nervig und unverschämt sein, aber sie hat ihren Namen nicht dieser Eigenschaft zu verdanken.)

Die Wörter ordinär, vulgär und gemein erhielten ihre negative Bedeutung, weil gewöhnlich oft als nicht gut genug oder nicht wertvoll genug gilt. Diese negative Nebenbedeutung wird dann im Laufe der Zeit zur Hauptbedeutung. Das passiert – wenn man genauer hinschaut – auch schon mit dem Wort gewöhnlich: Wenn von der neuen Freundin oder einem Heiratsakandidaten gesagt wird, sie bzw. er sei schon etwas gewöhnlich, ist das je nach Spitzzüngikeit der beurteilenden Person ein leicht negatives bis absolut vernichtendes Urteil. Gewöhnlich wird eben oft als nicht gut genug empfunden.

„Feste Zeiten, an/in/während/zu denen …“ – manchmal ist vieles möglich

Frage

Eine Frage zu einer Präposition: „Ich möchte feste Zeiten einführen, in denen ich online bin.“ Die Präposition „in“ scheint mir fragwürdig. Wäre „zu“ nicht besser?

Antwort

Guten Tag Herr L.,

Die Antwort auf diese Frage ist wahrscheinlich unbefriedigend für diejenigen, die eindeutige und klare Verhältnisse mögen. Für alle anderen mag es schön sein, zu sehen, wie viel Freiheit uns die Sprache lässt. Für diese Formulierungen kommen nämlich (mindestens) vier Formulierungen in Frage:

feste Zeiten, in denen ich online bin
feste Zeiten, zu denen ich online bin
feste Zeiten, an denen ich online bin

Bei der vierten Variante sollte man allerdings standarsprachlich nicht (wie es oben im Titel der Einfachheit halber geschehen ist) den Dativ denen, sondern den Genitiv derer wählen:

feste Zeiten, während derer ich online bin

Gibt es dabei Unterschiede? Eigentlich nur Folgendes: Wenn es um einen Zeitpunkt oder verschieden Zeitpunkte geht, drängt sich eher an oder zu auf als in:

feste Zeiten, an denen sie aufstehen
feste Zeiten, zu denen sie aufstehen
(feste Zeiten, in denen sie aufstehen)

Wirklich ausgeschlossen ist in aber nicht. Die Präposition während hingegen ist nur bei Angaben einer Zeitdauer möglich. Sie klingt (wegen des Genitivs?) auch ein bisschen gehobener also an, in und zu.

Im Übrigen werden diese Präpositionen bei Angaben dieser Art bunt gemischt, ohne dass dabei wesentliche Anwendungs- oder Bedeutungsunterschiede zu erkennen sind. Dazu, ob es eventuell regionale Unterschiede gibt, konnte ich so schnell nichts finden. Im persönlichen Sprachgebrauch gibt es aber bestimmt Vorlieben und Abneigungen, wie Ihre Frage zeigt.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Futur I Passiv: Die Frage, ob die Wände nächste Woche gestrichen werden (werden?)

Frage

Wie ist das Futur I Passiv Plural im Nebensatz richtig?

Er fragt, ob die Wände nächste Woche gestrichen werden werden.
Er fragt, ob die Wände nächste Woche gestrichen werden.

Soll man das zweite „werden“ wegfallen lassen? Ich konnte die Antwort nirgendwo finden. Alle Beispiele mit Passiv im Nebensatz waren im Singular.

Antwort

Guten Tag Frau F.,

man muss hier zwischen Futur und Zukünftigem unterscheiden. Zuerst zum Futur:

Das Futur I Passiv sieht wie folgt aus:

Die Wand wird nächste Woche gestrichen werden.
Die Wände werden nächste Woche gestrichen werden.

Er fragt, ob die Wand nächste Woche gestrichen werden wird.
Er fragt, ob die Wände nächste Woche gestrichen werden werden.

Und nun zum Zukünftigen: Im Deutschen wird etwas Zukünftiges häufig mit dem Präsens ausgedrückt. Wichtig ist dabei nur, dass durch eine Zeitangabe oder durch den Satzzusammenhang ersichtlich ist, dass es sich um etwas Zukünftiges handelt:

Sie fahren erst morgen in den Urlaub.
Ich habe jetzt keine Zeit. Wir reden später darüber.

Siehe hier unter „Präsens des Zukünftigen“.

Das gilt auch für das Passiv. Auch dann kann für etwas Zukünftiges das Futur I oder das Präsens verwendet werden:

Die Wand wird nächste Woche gestrichen [werden].
Die Wände werden nächste Woche gestrichen [werden].
Er fragt, ob die Wand nächste Woche gestrichen [werden] wird.

Wenn in einem Nebensatz der Infinitiv werden direkt neben der 3. Person Plural werden stehen würde, ist sogar nur das Präsens üblich. Das ist keine grammatische, sondern eine stilistische Wahl:

Er fragt, ob die Wände nächste Woche gestrichen werden.

Die Form gestrichen werden werden wäre hier nicht falsch, nur unüblich und stilistisch unschön. Aber ganz gleich mit wieviel werden, wichtig ist vor allem, ob gestrichen [werden] wird.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Sich zu etwas entschließen und sich für etwas entscheiden

Frage

Meine Frage betrifft das Verb „sich entschließen“, das grundsätzlich mit der Präposition „zu“ benutzt wird. Wäre aber auch der folgende Gebrauch korrekt: „sich entschließen für“?

Antwort

Guten Tag Herr S.,

allgemein üblich ist:

sich zu etwas entschließen
Er kann sich nicht dazu entschließen, Paris zu verlassen.
Sie entschlossen sich zur Flucht.

Seltener kommt auch vor:

sich für etwas entschließen

Das ist meist dann der Fall, wenn sich für etwas entscheiden gemeint ist. Auch wenn sich entschließen und sich entscheiden eigentlich nicht die gleiche Bedeutung haben, ist es nicht immer einfach, sie eindeutig voneinander zu unterscheiden. Dennoch ist es standardsprachlich im Allgemeinen besser sich zu etwas entschließen und sich für etwas entscheiden zu verwenden.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Namenserklärung oder Namenerklärung? – Zusammensetzungen mit „Namen-“ und das Fugen-s

Frage

Die Wortzusammensetzung „Namenserklärung“ wird häufig im rechtlichen Kontext gebraucht. Nun geht es aber um die Erklärung von Pflanzennamen, wofür der Verfasser das Wort „Namenerklärung“ (ohne Binde-s) einsetzt. Müsste es „Namenserklärung“ heißen (mit Binde-s) oder wird das Binde-s absichtlich weggelassen, um die Begriffe zu unterscheiden? Welche Variante würden Sie verwenden?

Antwort

Guten Tag Frau S,

bei der Verwendung von Fugenelementen wie dem Binde-s in Zusammensetzungen ist richtig, was üblich ist. Ein Blick in die Wörterbücher zeigt, dass Folgendes üblich ist:

Bei allen Zusammensetzungen mit Namen- an erster Stelle kann man ein Fugen-s verwenden. Das ist immer der Fall bei:

Namenspatron/Namenspatronin
Namenstag
Namensträger/Namensträgerin
Namensvetter/Namensvetterin

Auch bei weniger festen Verbindungen kommt das Fugen-s häufig vor; zu Beispiel:

Namensaktie
Namensänderung
Namenserklärung
Namensforschung
Namensgebung
Namensliste
Namensnennung
Namensübertragung
Namensverwechslung

Häufig gibt es auch eine Nebenform ohne -s. Das ist insbesondere – aber nicht nur – dann der Fall, wenn mehr als ein Name gemeint ist oder gemeint sein kann:

Namenaktie
Namenänderung
Namenerklärung
Namenforschung
Namengebung
Namenliste
Namennennung
Namenübertragung
Namenverwechslung

Es gibt keinen Bedeutungsunterschied zwischen den Formen mit und ohne s. Ich persönlich würde immer die Form mit s wählen, aber viele Zusammensetzungen kommen auch ohne s vor und sind ebenfalls als korrekt anzusehen. Wenn Ihr Verfasser Namenerklärung ohne s der Form Namenserklärung mit s vorzieht, kann er dies problemlos tun. Er verwendet dabei „nur“ eine andere Form, an der Bedeutung ändert sich nichts.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Mit Abgeordnetem Thaler und Bürgerbeauftragter Berger – adjektivische Beugung ohne Artikel

Frage

Allmonatlich stelle ich eine Übersicht der Termine meiner Chefin zusammen. Das Ganze geht dann als stichwortartige Liste, quasi im Schlagzeilenformat, an unsere Abteilungsleitungen. Und immer wieder stolpere ich über dasselbe Problem. Heißt es:

Treffen mit Abgeordneten Peter Thaler oder Treffen mit Abgeordnetem Peter Thaler
Gespräch mit Bürgerbeauftragten Claudia Berger oder Gespräch mit Bürgerbeauftragter Claudia Berger

Die zuerst genannten Varianten würden sich durch schlichtes Weglassen des Artikels ergeben. Sie klingen für mich falsch – was aber leider auch für die jeweils zweite Variante gilt, wenn ich sie lange genug anstarre. Ich finde einfach keine Begründung, warum die eine oder andere Möglichkeit richtig sein sollte. […]

Antwort

Guten Tag Frau U.,

langes Anstarren hilft bei sprachlichen Zweifeln nie. Je länger man hinschaut, desto größer wird in der Regel die Unsicherheit. Das gilt insbesondere für so verzwickte Phänomene wie die deutsche Adjektivbeugung.

Die Wörter der/die Abgeordnete und der/die (Bürger–)Beauftragte sind substantivierte Adjektive. Als solche werden sie in der Standardsprache normalerweise gleich gebeugt wie „gewöhnliche“ Adjektive.

Wenn man (substantivierte) Adjektive mit dem bestimmten Artikel verwendet, werden sie schwach gebeugt:

Treffen mit dem Abgeordneten
Treffen mit dem Abgeordneten Thaler
Treffen mit dem Abgeordneten Peter Thaler

Gespräch mit der Bürgerbeauftragten
Gespräch mit der Bürgerbeauftragten Berger
Gespräch mit der Bürgerbeauftragten Claudia Berger

vgl.

mit dem großen Erfolg
mit der zunehmenden Aufmerksamkeit

Wenn man (substantivierte) Adjektive ohne Artikel verwendet, werden sie stark gebeugt:

Treffen mit Abgeordnetem
Treffen mit Abgeordnetem Thaler
Treffen mit Abgeordnetem Peter Thaler

Gespräch mit Bürgerbeauftragter
Gespräch mit Bürgerbeauftragter Berger
Gespräch mit Bürgerbeauftragter Claudia Berger

vgl.

mit großem Erfolg
mit zunehmender Aufmerksamkeit

Siehe auch hier.

Man kann also bei adjektivisch gebeugten Substantiven nicht immer einfach den Artikel weglassen. Das hat oft Auswirkungen auf die Endung:

Informationsabend für die Studierenden
Informationsabend für Studierende

Die Verwandten von Frau Schmidt wurden benachrichtigt.
Frau Schmidts Verwandte wurden benachrichtigt.

Wer isst das viele Eingemachte?
Wer isst so viel Eingemachtes?

Es spricht der Abgeordnete Thaler.
Es spricht Abgeordneter Thaler.

Ganz ungefragt noch ein Vorschlag: Wenn Sie bei den artikellosen Varianten wieder einmal unsicher sind, könnten Sie auch einfach mit Artikel formulieren. Sehr viel länger wird die Übersicht dadurch nicht:

Treffen mit Abgeordnetem Thaler
Treffen mit dem Abgeordneten Thaler

Gespräch mit Bürgerbeauftragter Berger
Gespräch mit der Bürgerbeauftragten Berger

Ich hoffe, dass Abgeordnete und Bürgerbeauftragte bzw. die Abgeordneten und die Bürgerbeauftragten von nun an weniger Zweifel aufkommen lassen – wenigstens was ihre Beugung betrifft.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Fronleichnam

Heute haben viele in katholischen Gebieten frei. Man feiert Fronleichnam zum Gedenken der wirklichen Gegenwart Christi bei der Eucharistie. Man möge mir bitte verzeihen, falls ich dies nicht ganz richtig formuliere. Da ich weder aus katholischem Haus komme noch aus einer katholischen Region stamme und auch jetzt nicht in einem katholischen Gebiet wohne, ist mir dieser Feiertag eigentlich mehr oder weniger unbekannt. Ich habe heute auch keinen freien Tag. Erst wenn es hier an einem Donnerstag nach Pfingsten zu ungewöhnlichen Staus kommt und die Läden besonders voll sind, dämmert es mir jeweils: Das muss ein katholischer Feiertag sein. Heute ist dies, wie gesagt, Fronleichnam.

Um meine Unwissenheit wenigstens ein bisschen zu reduzieren, wollte ich wissen, woher dieser ungewöhnliche Name stammt. Ich kenne Fron nur im Zusammenhang mit Fronarbeit und Frondienst, also der Arbeit, die Bauern oder Leibeigene ihren Grundherren oder Feudalherren schuldig waren. Leichnam ist ein schönes Wort mit der Bedeutung Leiche, toter Körper. Da dies kaum die Bedeutungen sein können, die zusammen den Namen für dieses Kirchenfest ergeben, musste ich weitersuchen.

Der Name ist schon alt und stammt aus der Zeit, in der man das Fest zu feiern begann (seit dem 13. Jh.). Das Wort vron war eigentlich ein Adjektiv und bedeutete den geistlichen oder weltlichen Herrn betreffend, ihm gehörend. Das erklärt die Begriffe Fronarbeit und Frondienst: Arbeit bzw. Dienst für den Herrn. Das Wort Leichnam (bzw. sein Vorläufer) bezeichnete ursprünglich nicht nur den toten, sondern bis ins 17 Jahrhundert auch den lebenden Körper (wie heute noch niederländisch lichaam, isländisch líkami, norwegisch u. dänisch legeme). Kurz zusammengefasst: Fronleichnam bedeutet des Herren Körper. Und genau dies wird ja gefeiert: die wirkliche Gegenwart des Leibes (und Blutes) Christi bei der Eucharistie.

Wer frei hat, genieße den freien Tag! Und wer arbeitet, aber dies „trotzdem“ gelesen hat: Wieder etwas dazugelernt!

Zur Wortgeschichte siehe hier und hier.

Bei zweimal täglichem Zähneputzen?

Frage

Was halten Sie von dieser Formulierung?

Wie jeder Mensch ist auch jedes Gebiss einzigartig. Trotzdem gibt es einige allgemeine Regeln für die Mundhygiene. Welche allgemeinen Regeln der Mundhygiene es neben zwei- bis dreimal täglichem Zähneputzen gibt, erfahren Sie hier.

Ich stolpere irgendwie. Sie auch? Hier ginge es ja sicher: „neben zwei bis drei mal täglich die Zähne zu putzen“, aber so wie im Beispiel?

Antwort

Guten Tag Herr F.,

auch ich stolpere über diese Formulierung und ich würde sie so nicht verwenden. Sie scheint aber allgemein üblich zu sein. So findet sich zum Beispiel bei zweimal täglichem Zähneputzen auf den Internetseiten von Zahnpasta- und Mundwassermarken, Apotheken, Zahnarztpraxen usw. Man kann darüber diskutieren, ob eine solche Formulierung wirklich grammatisch ist, aber was üblich ist, ist letztlich richtig.

Ich würde deshalb zwei- bis dreimal tägliches Zähneputzen nicht als falsch bezeichnen, auch wenn es bestimmt kein stilistischer Höhepunkt ist. Besser wäre eine andere Formulierung. Alternativen sind aber meist etwas länger und umständlicher:

neben ein- bis zweimal täglichem Zähneputzen
außer ein- bis zweimal täglich die Zähne zu putzen

bei dreimal wöchentlicher Anwendung des Produktes
wenn das Produkt dreimal wöchentlich angewendet wird

mehrmals jährliches Wechseln des Filters ist sinnvoll
den Filter mehrmals jährlich (zu) wechseln ist sinnvoll

Etwas Ähnliches gilt zum Beispiel auch für Formulierungen wie die über Achtzehnjährigen und die unter Zwölfjährigen. Das sind ebenfalls übliche Konstruktionen, denen man mit grammatisch-orthografischer „Logik“ nur bedingt beikommen kann.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp