Mit oder ohne Bindestrich:
„ultraviolette (UV-)Strahlung“ oder „ultraviolette (UV) Strahlung“?

Frage

Beim folgenden Satz bin ich unsicher, wie ich die Abkürzung UV einfüge:

Ultraviolette (UV-)Strahlung ist Teil des elektromagnetischen Spektrums.
oder
Ultraviolette (UV) Strahlung ist Teil des elektromagnetischen Spektrums.

Auch zum Beispiel bei „Electronic (E-)Mail“? Für eine aufschlussreiche Antwort/Erklärung bin ich Ihnen sehr dankbar.

Antwort

Guten Tag Herr B.,

wir haben es hier mit zwei der verschiedenen Anwendungsarten von Klammern zu tun:

a) Klammern zur Angaben von Alternativen in einem Wort;
b) Klammern zur Abgrenzung von Zusätzen und Nachträgen.

Die erste Anwendungsart (a) sieht in diesem Fall so aus:

a) ultraviolette (UV-)Strahlung
a) Electronic (E-)Mail

Die Klammern geben hier an, dass UV-Strahlung oder Strahlung gemeint ist. Löst man das Ganze auf, ergibt sich also:

ultraviolette (UV-)Strahlung
= ultraviolette UV-Strahlung bzw. ultraviolette Strahlung
Electronic (E-)Mail
= Electronic E-Mail bzw. Electronic Mail

Der jeweils erste Begriff ist sehr wahrscheinlich nicht gemeint, denn ultraviolette UV-Strahlung und Electronic E-Mail enthalten überflüssige Verdopplungen.

Besser funktioniert es, wenn man die Klammern so verwendet (b):

b) ultraviolette (UV) Strahlung
b) Electronic (E) Mail

Die Klammern geben hier an, dass UV eine Erläuterung zu ultraviolett ist, nämlich die Abkürzung. Dasselbe gilt beim eingeklammerten E nach Electronic (wobei man hier der Deutlichkeit halber besser anders vorgeht, siehe unten).

Am besten schreiben Sie den Satz in Ihrer Frage also wie folgt:

Ultraviolette (UV) Strahlung ist Teil des elektromagnetischen Spektrums.

Wer es gerne ganz deutlich hat, kann auch so vorgehen:

c) ultraviolette Strahlung (UV-Strahlung)
c) Electronic Mail (E-Mail)

Kurz ist gut, aber ein bisschen länger ist manchmal besser.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

So schön es klingt, „inbegriffen der Voruntersuchung“ ist nicht richtig

Frage

Ich habe ein Frage zur Kommasetzung:

Sie erreichte, dass die Angelegenheit ? inbegriffen der Voruntersuchung ruhte, bis ihre Schwester in Irland war.

Kann ich davon ausgehen, dass das Komma vor „inbegriffen“ freigestellt ist?

Antwort

Guten Tag Frau G.,

bei dieser Kommafrage muss eigentlich zuerst eine Fallfrage behandelt werden, und zwar im Zusammenhang mit inbegriffen.

Wenn inbegriffen oder einbegriffen mit der Bedeutung einschließlich verwendet wird, sollte es nach dem Substantiv stehen, das eingeschlossen werden soll.

Die Teilnahme kostet 35 Euro, Verpflegung und Unterkunft inbegriffen.

Weiter gilt, dass dieses Substantiv im Nominativ steht, wenn es wie in Ihrem Satz an das Subjekt angebunden wird:

Aus persönlichen Gründen warf fast der gesamte Vorstand, der Vorsitzende inbegriffen, das Handtuch.
Die ganze Familie, mein Hund inbegriffen, wird mich begleiten.
Der größte Teil der Büroeinrichtung, ein ergonomischer Sessel inbegriffen, wird zum Kauf angeboten.

Wie die Beispiele zeigen, wird eine solche Wortgruppe vorn und hinten durch Komas abgetrennt.

Für Ihren Satz bedeutet dies alles, dass wie folgt formuliert und geschrieben werden sollte:

Sie erreichte, dass die Angelegenheit, die Voruntersuchung inbegriffen, ruhte, bis ihre Schwester in Irland war.

Man verwendet also inbegriffen anders als die Präpositionen einschließlich und inklusive, die beide mit dem Genitiv stehen:

Sie erreichte, dass die Angelegenheit, einschließlich/inklusive der Testamentseröffnung, ruhte, bis ihre Schwester in Irland war.

Auch ohne Kommas:

Sie erreichte, dass die Angelegenheit einschließlich/inklusive der Voruntersuchung ruhte, bis ihre Schwester in Irland war.

Es ist verständlich, dass inbegriffen bzw. einbegriffen manchmal wie einschließlich verwendet wird, denn große Bedeutungsunterschiede gibt es nicht. Vorangestelltes inbegriffen oder einbegriffen mit Genitiv gilt aber trotzdem nicht als richtig.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Erweiterte Due Diligence und die Rechtschreibung

Frage

Heute mal wieder ein Problem mit Bindestrichen (bei englischen Begriffen). Die Textstelle lautet:

Schwerpunkte liegen auf […] der ESG- und Technical-Due-Diligence.

M. E. sind die Bindestriche falsch, da man „Due Diligence“ ohne Bindestrich schreibt und „Technical“ ein Eigenschaftswort ist, nach welchem man (wie bei „High Society“) keinen Bindestrich setzt.

Antwort

Guten Tag Herr A.,

vielleicht ist hier eine Schreibweise die beste Lösung, die daran anlehnt, was im Englischen üblich ist. Das legt schon die Verwendung von Technical statt technische nahe:

die ESG und Technical Due Diligence
= die ESG Due Diligence und die Technical Due Diligence

Für Laien ist so vielleicht nicht allzu deutlich, was gemeint ist, aber das liegt mehr an der Wortwahl als an der Rechtschreibung.

Wenn man das Ganze nach den deutschen Rechtschreibregeln für fremdwörtliche Verbindungen aufschreiben will, wird es kompliziert bis unmöglich. Hier werden zwei Verbindungen mit Due Diligence zusammengezogen, die nach den deutschen Regeln unterschiedlich geschrieben werden müssten.

Bei der ersten Verbindung werden dem Substantiv Diligence Adjektive vorangestellt:

die Due Diligence
die Technical Due Diligence

Adjektiv-Substantiv-Verbindungen aus dem Englischen werden getrennt geschrieben, außer wenn sie übersichtlich sind und der Hauptakzent auf dem Adjektiv liegt (zum Beispiel Small Talk o. Smalltalk, Hot Dog o. Hotdog; siehe §37(E4) der Rechtschreibregelung).

Bei der zweiten Verbindung wird der Zusammensetzung Due Diligence eine Abkürzung vorangestellt. Das führt zu einer Schreibung mit Bindestrichen:

die ESG-Due-Diligence

Die Bindestrichschreibung ergibt sich aus §44(1) der Rechtschreibregelung. Sie besagt, dass Zusammensetzungen, in denen eine Wortgruppe auftritt, mit Bindestrichen geschrieben werden (Wasch-Eau-de-Cologne, Lieblings-Top-Ten, das CS-Private-Banking).

Wenn man diese beiden Verbindungen zusammenzieht, ergibt sich nach §98 der Rechtschreibregelung (am ehesten …) diese Schreibung:

die ESG- und Technical Due Diligence
= die ESG-Due-Diligence und die Technical Due Diligence

Für wirklich befriedigend halte ich keine der Schreibweisen. Das kommt bei der Häufung von englischen Fachbegriffen in deutschen Texten häufiger vor.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

PS: Für diejenigen, die sich wie ich bei diesen Fachbegriffen nicht so auskennen:

Due Diligence = sorgfältige Prüfung eines Unternehmens, die durch einen potenziellen Käufer eines Unternehmens vorgenommen wird

ESG = Environmental, Social and Corporate Governance = Umwelt-, Sozial- und Regierungs-, Amts- oder Unternehmensführung; siehe hier.

Aber ob das für uns Laien wirklich mehr Deutlichkeit schafft, wage ich zu bezweifeln.

Autofrei Wohnen, autofrei wohnen, autofreies Wohnen

Frage

Immer wieder sehe ich die Formulierung „autofrei Wohnen“ oder „verkehrsarm Wohnen“. Mir ist klar, dass man […] „autofrei wohnen“ oder „autofreies Wohnen“ schreiben müsste. Nun gibt es aber (gemäß Internet) diverse Veranstaltungen, Studien etc. mit dem Titel „autofrei Wohnen“. Habe ich irgendeine Erklärung verpasst, die erklärt, warum man trotzdem großschreiben kann/soll/darf?

Antwort

Guten Tag Frau W.,

Sie haben nichts verpasst. Nach der Rechtschreibregelung schreibt man:

autofreies Wohnen
Wir sind für autofreies Wohnen.

autofrei wohnen
Wir wollen autofrei wohnen.

Auch Titel von Veranstaltungen u. Ä. müssen so geschrieben werden:

Autofreies Wohnen – eine Herausforderung
Autofrei wohnen – eine Herausforderung

Das liegt daran, dass ein ungebeugtes, als Adverb verwendetes Adjektiv nur bei einem Verb, nicht aber bei einem Substantiv stehen kann – auch nicht bei einem substantivierten Verb. Vor einem Substantiv wird ein Adjektiv gebeugt:

preisgünstig einkaufen
preisgünstiges Einkaufen

schnell schreiben
das schnelle Schreiben

autofrei wohnen
autofreies Wohnen

Für die nicht korrekte Großschreibung von Wohnen bei Autofrei Wohnen in Titeln, Namen von Veranstaltungen usw. könnte es verschiedene Erklärungen geben. Vielleicht hat die englische Großschreibung in Titeln und Überschriften einen Einfluss. Vielleicht geschieht es auch in Anlehnung an Fachbegriffe, in denen das Adjektiv großgeschrieben werden kann (z.B. das Schwarze Loch, der Letzte Wille).

Vielleicht ist es aber auch einfach einer der Schreibfehler, die recht häufig bei substantivierten Infinitiven mit einem Adverb bzw. ungebeugten Adjektiv vorkommen. Zum Beispiel:

*das Früh Aufstehen  / *das früh Aufstehen / das *Früh aufstehen
statt korrekt: das Frühaufstehen (das Früh-Aufstehen)

*das Rechts Überholen / *das rechts Überholen / *das Rechts überholen
statt korrekt: das Rechtsüberholen (das Rechts-Überholen)

*das Miteinander Reden / *das miteinander Reden / *das Miteinander reden
statt korrekt: das Miteinanderreden (das Miteinander-Reden)

Wenn man autofrei wohnen substantivieren möchte (stilistisch nicht zu empfehlen), müsste so geschrieben werden:

das Autofreiwohnen (das Autofrei-Wohnen )
nicht: *das autofrei Wohnen / *das Autofrei Wohnen

Es gibt also zumindest rechtschreiblich einen Unterschied zwischen verkehrsarm wohnen, dem Verkehrsarmen Wohnen und dem Verkehrsarmwohnen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Kann man sie überall hintransportieren, überallhin transportieren oder überall hin transportieren?

Frage

Ich frage mich gerade, welche Schreibvariante richtig ist:

a) Die Duschkabine kann problemlos überall hintransportiert werden.
b) Die Duschkabine kann problemlos überallhin transportiert werden.
c) Die Duschkabine kann problemlos überall hin transportiert werden.

[…] Im Netz finde ich sehr viele Fundstelle, die der Schreibvariante c) entsprechen. Wie könnte man das erklären?

Antwort

Guten Tag Herr B.,

hier sollten Sie diese Schreibweise wählen:

b) Die Duschkabine wird flach verpackt geliefert und kann problemlos überallhin transportiert werden.

Adverbien wie woher, wohin, irgendwoher, irgendwohin, nirgendwoher, nirgendwohin, überallher und überallhin werden in Verbindung mit einem Verb in der (gesprochenen) Alltagssprache oft getrennt:

Wo kommst du her?
Alle sind willkommen, wo sie auch herkommen mögen.
Wo gehst du hin?
Ich weiß nicht, wo sie hingefahren ist.

Insbesondere in der geschriebenen Standardsprache sollten diese Adverbien jedoch ungetrennt bleiben:

Woher kommst du?
Alle sind willkommen, woher sie auch kommen mögen.
Wohin gehst du?
Ich weiß nicht, wohin sie gefahren ist.

Entsprechend schreibt man auch besser:

Sie ist irgendwohin gegangen (statt irgendwo hingegangen)
Sie könnten überallher kommen (statt überall herkommen)
Sie können überallhin transportiert werden (statt überall hintransportiert)

Vgl. diesen älteren Blogartikel.

Die dritte Schreibweise, überall hin transportieren, ist nicht richtig. Dass Sie ihr offenbar so oft begegnen, könnte unter anderem an der automatischen Rechtschreibkorrektur liegen. Das Korrekturprogramm meines Textverarbeitungsprogramms akzeptiert korrekt überallhin transportieren und fälschlich auch überall hin transportieren als richtig geschrieben. Nicht akzeptiert wird überall hintransportieren. Als Korrekturvorschlag erscheint dort das eigentlich falsche überall hin transportieren, aber leider nicht das korrekte überallhin transportieren. Korrekturprogramme sind hilfreich, aber – wie man sieht – nicht „allwissend“.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Das Wohlergehen eines Knirpses wie mir / wie meiner / wie ich?

Frage

Ich hätte wieder einmal eine (zumindest für mich grad sehr) knifflige Frage. Der Satz lautet:

Es war ein magischer Ort, wo man sich für das Wohlergehen eines Knirpses wie mir interessierte.

Hier tönt „wie mir“ für mich seltsam, aber „wie ich“ irgendwie auch. Was ist richtig?

Antwort

Guten Tag Frau S.,

Die Frage ist nicht nur für Sie knifflig, sie tauch immer wieder auf. Auch ich habe keine einfache Antwort, die ich mit voller Überzeugung präsentieren kann.

In Formulierungen dieser Art kommt der Dativ wie mir zwar vor und er klingt auch gar nicht so falsch, aber er gilt hier standardsprachlich als nicht korrekt. In einer wie-Gruppe wie dieser gilt im Prinzip die Übereinstimmung im Kasus:

ein Knirps wie der kleine Schlingel
einen Knirps wie den kleinen Schlingel
einem Knirps wie dem kleinen Schlingel
eines Knirpses wie des kleinen Schlingels

ein Knirps wie ich/du/er/sie
einen Knirps wie mich/dich/ihn/sie
einem Knirps wie mir/dir/ihm/ihr

Und wie steht es in der zweiten Beispielgruppe mit dem Genitiv? – Wenn die wie-Gruppe sich auf ein Genitivattribut bezieht und kein Artikelwort enthält, steht sie im Nominativ, nicht im Genitiv. Das ist u. a. bei Eigennamen und Pronomen der Fall:

das Leben eines Knirpses wie ich (nicht: wie meiner, wie mir)

das Leben eines Bengels wie du (nicht: wie deiner, wie dir)
das Leben eines Mannes wie er (nicht: wie seiner, wie ihm)
das Leben einer Frau wie sie (nicht: wie ihrer, wie ihr)

das Leben eines Knirpses wie Leon (nicht: wie Leons)
das Leben einer Politikerin wie Thatcher (nicht: wie Thatchers)

Demnach muss es ist hier also heißen:

Es war ein magischer Ort, wo man sich für das Wohlergehen eines Knirpses wie ich interessierte.

Das klingt tatsächlich ein bisschen ungewohnt. Wenn Sie das „stört“, können Sie auf eine andere Formulierung ausweichen (das würde ich auch tun). Je nachdem was genau gemeint ist, ginge zum Beispiel:

Es war ein magischer Ort, wo man sich für das Wohlergehen eines Knirpses, wie ich es war, interessierte.
Es war ein magischer Ort, wo man sich für das Wohlergehen des Knirpses, der ich war, interessierte.

Manche Fragen übersteigen auch das Sprachgefühl eines Linguisten wie ich – oder eben eines Linguisten, wie ich es bin.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Wortstellung: „weil’s sich“ oder „weil sich’s“?

Frage

Können Sie mir sagen, warum es zwar eher „ich kann’s mir denken“ als „ich kann mir’s denken“ heißt, die Wortstellung allerdings nicht mehr der ursprünglichen ohne Verkürzung folgt, wenn „sich“ ins Spiel kommt wie in „er kann sich’s denken“? Liegt das nur an der etwas schwierigeren Aussprache oder gibt es hier eine Regel, die ich nur nicht finden konnte? Und wie steht es mit Beispielen, bei denen auf beiden Seiten „s“ zusammenstoßen wie in „besser schläft sich’s so“ bzw. „besser schläft’s sich so“? […]

Antwort

Guten Tag Frau S.,

eine feste Regel hierfür kenne ich nicht. Es ist aber tatsächlich so, dass es und seine Verkürzung ’s nicht ganz denselben Wortstellungsregeln folgen. Für es gilt, dass es als Akkusativobjekt oder als Subjekt vor anderen Objekten steht, wenn alle Wörter Pronomen sind:

Ich kann es mir denken.
Er kann es sich denken.
… weil es mir egal ist.
… weil es sich lohnt.
Besser schläft es sich so.

Die umgekehrte Reihenfolge ist unüblich.

Für die verkürzte Form ’s gilt, dass sie an der gleichen Stelle stehen kann wie es:

Ich kann’s mir denken.
Er kann’s sich denken.
… weil’s mir egal ist.
… weil’s sich lohnt.
Besser schläft’s sich so.

Die verkürzte Form kann auch nach dem Pronomen stehen:

Ich kann mir’s denken.
Er kann sich’s denken.
… weil mir’s egal ist.
… weil sich’s lohnt.
Besser schläft sich’s so.

Nicht alles ist aber gleich üblich. Es gelten die folgenden Tendenzen:

Wenn weder vor noch nach der Verkürzung ’s ein anderes s steht, ist die Wortstellung häufiger, die für es gilt:

Ich kann’s mir denken (vgl. ich kann es mir denken)
… weil’s mir egal ist (vgl. … weil es mir egal ist)

Wenn nach ’s ein anderes s steht, ist die Wortstellung häufiger, die dieses Zusammentreffen von zwei s vermeidet:

Er kann sich’s denken (statt: Er kann’s sich denken)
… weil sich’s lohnt (statt: … weil’s sich lohnt)

Wenn das wie im folgenden Satz nicht möglich ist, ist die Lage sozusagen unentschieden:

Besser schläft sich’s so / Besser schläft’s sich so.

Wenn vor ’s ein anderes s stehen würde, wird das Zusammentreffen von zwei s immer vermieden:

… dass mir’s egal ist. (nicht: dass’s mir egal ist)
… dass sich’s lohnt. (nicht: dass’s sich lohnt)
… dass sich’s so besser schläft (nicht: dass’s sich so besser schläft)

Welche Wortstellung für ’s in Kombination mit anderen Pronomen üblich oder üblicher ist, hängt also von zwei Kriterien ab: von der normalen Wortstellung mit es und – wie Sie richtig gesehen haben – von der unmittelbaren Nähe eines anderen s.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

PS: Überall ist auch die Schreibung ohne Apostroph möglich: kanns, weils, mirs, sichs.

Wenn Pronomen sich häufen: „entgegengesetzt zu denen dessen, der …“

Frage

Ich komme in einer Frage einfach nicht weiter. Ich fand folgende Formulierung:

Auf der Bühne präsentierte der Schurke seine Absichten, die stets entgegengesetzt waren zu denen dessen, der die Bühne gerade verlassen hatte.

Ich bin eigentlich überzeugt, dass es heißen muss „entgegengesetzt zu denen desjenigen, der“, finde aber beim besten Willen den Grund nicht, warum nicht „dessen“ auch gehen könnte. Können Sie mir helfen?

Antwort

Guten Tag Frau L.,

eine Formulierung mit desjenigen wäre besser verständlich, aber dessen ist hier nicht falsch. Der Zweifel oder die Schwierigkeit entsteht dadurch, dass hier zwei Demonstrativpronomen und ein Relativpronomen aneinandergereiht werden: denen dessen, der. Gemeint ist damit ungefähr dies:

entgegengensetzt zu den Absichten des Menschen, der
entgegengensetzt zu den Absichten dessen, der
entgegengensetzt zu denen dessen, der

Eine solche Abfolge ist stilistisch insofern nicht sehr gelungen, als sie meist schwierig verständlich ist. Sie ist aber nicht ausgeschlossen:

Auf der Bühne präsentierte der Schurke seine Absichten, die stets entgegengesetzt waren zu denen dessen, der die Bühne gerade verlassen hatte.

Hier noch ein paar Beispiele solcher Formulierungen:

Weil sich das Wesen des Fußballs weniger in den Geschichten seiner Helden offenbart als in denen derer, die an ihm gescheitert sind.

Im Grunde unterscheiden sich unsere Gefühle nicht stark von denen derer, die uns hier nicht wollen.

Terroir ist also nicht nur der „lokale Fingerabdruck“ in einem Wein, sondern auch der dessen, der ihn zum Ausdruck bringt.

Ein Werk, das uns unseren Tod und den derer, die wir lieben, zeigt

Die zwei Seelen in Liszts Brust – die des musikalischen Visionärs und die dessen, der geistigen Frieden suchte – verschmolzen schon früh einmal.

[E]r hat damit wirklich die Grenzen des musikalisch Möglichen erweitert und auch die dessen, was in einer Oper szenisch für angemessen gehalten wurde

die Geschichten der Menschen, die die Kleider gefertigt haben, und die derer, die sie tragen.

Diese Sätze sind, wie gesagt, nicht falsch. Die Beispiele zeigen aber (falls man die Enerige dafür aufbringen kann, sie zu lesen), dass sie nicht leicht verständlich sind. Es wäre deshalb m.M.n. häufig besser, anders zu formulieren. Zum Beispiel:

Auf der Bühne präsentierte der Schurke seine Absichten, die stets entgegengesetzt waren zu denen desjenigen, der die Bühne gerade verlassen hatte.

Auf der Bühne präsentierte der Schurke seine Absichten, die stets denen der Person entgegengesetzt waren, die die Bühne gerade verlassen hatte.

Auf der Bühne präsentierte der Schurke seine Absichten, die stets den Absichten desjenigen entgegengesetzt waren, der die Bühne gerade verlassen hatte.

Wer gerne elegant gehoben formuliert, darf dies natürlich tun. Wer Mitleid mit den Lesenden hat, formuliert besser etwas „umständlicher“.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Ein „zu jung“ oder „zu alt“?

Frage

Wieder einmal geht’s um Groß- und Kleinschreibung. Ich habe neulich folgen Satz gefunden:  „Ein zu jung oder zu alt gibt es nicht“ (Es ist egal, wie jung oder alt jemand ist). Ich kann mir zwar nicht recht vorstellen, dass man hier „jung“ oder „alt“ großschreibt, aber das „ein“ am Satzanfang irritiert mich. Wissen Sie Rat?

Antwort

Guten Tag Herr A.,

wir haben hier wieder einmal einen Fall, in dem die übliche Schreibweise und die am ehesten regelkonforme Schreibung nicht übereinstimmen. Es geht um eine besondere Art der Substantivierung.

Durch den Artikel ein sind die Wortgruppen zu jung und zu alt substantiviert. Substantivierte Wortgruppen schreibt man mit Bindestrichen. In der amtlichen Regelung stehen dafür als Beispiele hauptsächlich a) substantivierte mehrteilige Konjunktionen und b) substantivierte Infinitivgruppen (siehe hier):

a) das Entweder-oder, das Sowohl-als-auch
b) das An-den-Haaren-Herbeiziehen

Man kann diese Regel auf andere substantivierte Gruppen ausweiten. Dies tut zum Beispiel auch Duden mit Substantivierungen wie das Gewusst‑wie oder kein Weiter‑so (vgl. hier).

Für Ihr Beispiel bedeutet dies, dass man wie folgt schreiben sollte:

Ein Zu-jung oder Zu-alt gibt es nicht.
Es gibt kein Zu-klein oder Zu-groß.

Diese Schreibungen sind gut vertretbar, sie wirken aber sehr ungewohnt.

Man könnte auch  erwägen, wie beim gut eingebürgerten und übersichtlichen das Zuviel zusammenzuschreiben:

Ein Zujung oder Zualt gibt es nicht. [?]
Es gibt kein Zuklein oder Zugroß. [?]

Da diese Begriffe aber nicht eingebürgert und entsprechend auch weniger übersichtlich sind, ist die Zusammenschreibung vor allem theoretisch eine Lösung.

Eine andere Möglichkeit besteht darin, die Wendungen als eine Art Zitate in Anführungszeichen zu setzen:

Ein „zu jung“ oder „zu alt“ gibt es nicht.
Es gibt kein „zu klein“ oder „zu groß“.

Die am häufigsten vorkommende Schreibweise (ein zu jung oder zu alt; kein zu klein oder zu groß) ist streng nach der Rechtschreibregelung nicht korrekt. Die alle überzeugende Ideallösung gibt es hier also nicht.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Es muss nicht unbedingt „zu der Zeit, zu der“ sein

Frage

Ich frage mich schon länger, ob man „zu der Zeit, als/wenn“ sagen kann oder ob man „zu der Zeit, zu der“ sagen muss?

Antwort

Guten Tag Frau E.,

man kann zu der Zeit, zu der sagen, es ist aber wegen der Wiederholung von zu der nicht die schönste Formulierung, die das Deutsche je hervorgebracht hat:

zu der Zeit, zu der die Müllabfuhr noch mit Pferdewagen unterwegs war
zu dem Zeitpunkt, zu dem  er verhaftet wurde

Es gibt daneben zum Glück noch verschieden andere Möglichkeiten:

Mit zu der Zeit ist meistens ein Zeitpunkt in der Vergangenheit gemeint (zu der Zeit = damals). Dann ist ein Anschluss mit als sehr gebräuchlich, aber auch da, in der und wo sind möglich:

zu der Zeit, als die Müllabfuhr noch mit Pferdewagen unterwegs war
zu der Zeit, da die Müllabfuhr noch mit Pferdewagen unterwegs war
zu der Zeit, in der die Müllabfuhr noch mit Pferdewagen unterwegs war
(zu der Zeit, wo die Müllabfuhr noch mit Pferdewagen unterwegs war)

zu dem Zeitpunkt, als er verhaftet wurde
zu dem Zeitpunkt, da er verhaftet wurde
zu dem Zeitpunkt, an dem er verhaftet wurde
zu dem Zeitpunkt, in dem er verhaftet wurde
(zu dem Zeitpunkt, wo er verhaftet wurde)

Dabei gehört da eher zum gehobenen Sprachgebrauch. Bei wo scheiden sich die Geister. Es ist im Prinzip auch standardsprachlich akzeptiert, aber manche schließen wo aus, wenn es sich auf eine Zeitangabe bezieht. Sie müssen deshalb auf mögliche Kritik mehr oder weniger wohlwollender Mitmenschen gefasst sein, wenn Sie hier wo verwenden.

Mit zu der Zeit kann seltener auch ein allgemeiner Zeitpunkt oder ein gegenwärtiger oder zukünftiger Zeitpunkt gemeint sein (zu der Zeit = dann). Dann kann mit wenn oder wie oben mit da, in der oder wo angeschlossen werden:

zu der Zeit, wenn die Rosen blühen
zu der Zeit, da die Rosen blühen
zu der Zeit, in der die Rosen blühen
(zu der Zeit, wo die Rosen blühen)

bis zu dem Zeitpunkt, wenn der Vertrag aufgelöst wird
bis zu dem Zeitpunkt, da der Vertrag aufgelöst wird
bis zu dem Zeitpunkt, an dem der Vertrag aufgelöst wird
bis zu dem Zeitpunkt, in dem der Vertrag aufgelöst wird
(bis zu dem Zeitpunkt, wo der Vertrag aufgelöst wird)

Man muss also nicht unbedingt zu der Zeit, zu der sagen. Es gibt eine Auswahl an Alternativen für zu der: allgemein übliches als oder wenn, eher gehobenes da, neutrales in der und „urtümliches“, aber nicht von allen gleichermaßen akzeptiertes wo.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp