Auch standardsprachlich passt oft ein »von« statt des Genitivs
Frage
Ich habe eine Frage zu folgendem Satz:
Er hatte einer Bemerkung von(?) Elisabeths Kollegen entnommen, dass seine Frau …
oder nur:
Er hatte einer Bemerkung Elisabeths Kollegen entnommen, dass seine Frau …
Letzteres klingt irgendwie falsch. Umgangssprachlich ist „von Elisabeths Kollegen“ heute sicher ok, aber in der Schriftsprache? Natürlich könnte ich auch „der Kollegen Elisabeths“ schreiben, aber vielleicht würden viele das heute als altmodisch und geschwollen ansehen.
Antwort
Guten Tag Frau G.,
Sie können hier am besten Ihrem Sprachempfinden folgen. Formulierungen mit von anstelle des Genitivs sind nämlich lange nicht immer nur umgangssprachlich.
Nicht möglich ist diese Formulierung:
NICHT: eine Bemerkung Elisabeths Kollegen
Eine Substantivgruppe kann u. a. nur dann im Genitiv stehen, wenn sie mindestens ein gebeugtes Artikelwort oder Adjektiv enthält (Teil der Genitivregel).
die Reparatur der Fahrräder
NICHT: die Reparatur Fahrräderder Preis natürlichen Mineralwassers
NICHT: der Preis Mineralwassers
Auch die Substantivgruppe Elisabeths Kollegen enthält kein Artikelwort oder Adjektiv. Man weicht in solchen Fällen auch in der Standardsprache häufig auf eine Formulierung mit von aus:
die Reparatur von Fahrrädern
der Preis von Mineralwasser
Entsprechend auch:
eine Bemerkung von Elisabeths Kollegen
Bei dieser Formulierung ist allerdings nicht deutlich, ob es um eine Bemerkung eines Kollegen oder um eine Bemerkung mehrerer Kollegen geht.
Ihr weiterer Vorschlag ist möglich, weil die Substantivgruppe ein gebeugtes Artikelwort enthält:
eine Bemerkung der Kollegen Elisabeths
Es ist klar, dass es sich um mehrere Kollegen handelt. Es klingt aber tatsächlich ein bisschen gehoben.
Sie haben also vorerst zwei Möglichkeiten:
Er hatte einer Bemerkung von Elisabeths Kollegen entnommen … (nicht eindeutig)
Er hatte einer Bemerkung der Kollegen Elisabeths entnommen … (vielleicht ein bisschen gehoben/veraltend)
Damit sind wir aber noch nicht am Ende unserer Möglichkeiten. Es gibt noch weitere Formulierungen, die eindeutig und auch standardsprachlich vertretbar sind:
Er hatte einer Bemerkung der Kollegen von Elisabeth entnommen …
Er hatte einer Bemerkung von Elisabeths Mitarbeitern entnommen …
Nicht jede Wortgruppe mit von, die anstelle eines Genitivs steht, ist umgangssprachlich. Siehe auch hier.
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Bopp
Ungebeugtes »ein«: ein und dieselbe Sache, in ein bis zwei Monaten, das ein oder andere Problem
Frage
Warum steht hier „ein“:
ein und dieselbe Sache
(https://www.duden.de/rechtschreibung/ein_Zahl)
Sollte es nicht „eine und dieselbe Sache“ heißen? Im Duden fehlt die Erklärung.
Antwort
Guten Tag Frau S.,
ein bleibt häufig ungebeugt, wenn es durch und, bis oder oder mit zwei oder einer anderen Kardinalzahl oder andere verbunden wird. Diese Angabe ist auf Anhieb kaum verständlich. Die folgenden Beispiele helfen hoffentlich dabei, die Sache zu verdeutlichen:
Wir warten noch ein bis zwei Tage.
eine Mietdauer von zwischen ein und drei Jahren
Wir hatten noch das ein oder andere Problem zu lösen.
in ein und einer halben Stunde
Das ist auch dann der Fall, wenn ein durch und mit derselbe/dieselbe/dasselbe verbunden wird:
Das ist ein und dieselbe Sache.
für ein und denselben Zweck
mit ein und demselben Auto
Meist ist es auch möglich, ein zu beugen (siehe auch hier):
Wir warten noch einen bis zwei Monate.
eine Mietdauer von zwischen einem und drei Jahren
Wir hatten noch das eine oder andere Problem zu lösen.
in einer und einer halben Stunde
Bei der Wendung ein und derselbe/dieselbe/dasselbe kommt gebeugtes ein aber selten vor:
Das ist eine und dieselbe Sache.
für einen und denselben Zweck
mit einem und demselben Auto
Ein und dieselbe Sache und eine und dieselbe Sache sind also fast ein und dieselbe Sache. Die Version mit eine kommt allerdings seltener vor.
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Bopp
PS: Im Duden-Wörterbuch finden Sie keine Erklärung, aber in anderen Duden-Werken wird dieser Fall schon behandelt (z.B. in Das Wörterbuch der sprachlichen Zweifelsfälle und in der Duden-Grammatik).
Ein Personendatum, gibt es das?
Frage
Ich wurde gefragt, ob es einen Singular für „personenbezogene Daten“ gibt und habe das verneint. Im Speziellen ging es hier darum, ob man sagen könne, ein Nachname sei ein „personenbezogenes Datum“.
Für mich klingt das absurd. Ich würde immer sagen, ein Nachname ist eine personenbezogene Information oder ähnliches. Aber vielleicht liege ich auch falsch.
Als Begründung hatte ich geantwortet, dass „Daten“ sich in diesem Kontext nicht auf die Pluralform von „Datum“ (ein Name ist kein Datum) bezieht, sondern hier gleichbedeutend mit zum Beispiel „Fakten/Angaben/Informationen“ ist. Mit dieser Bedeutung ist das Wort „Daten“ ein Pluralwort.
Antwort
Guten Tag Frau S.,
die Antwort lautete hier „Jein“. Ihre Begründung ist im Prinzip korrekt. Daten mir der Bedeutung Angaben, Informationen ist ein Pluralwort. Der Singular Datum wird im Allgemeinen nur für einen Kalendertag oder einen Zeitpunkt verwendet. Siehe zum Beispiel die Angaben in DWDS unter Daten und Datum.
So sind auch Zusammensetzungen wie Eckdaten, Konjunkturdaten, Kontaktdaten, Kundendaten, Messdaten, Nutzerdaten, Stammdaten, Unternehmensdaten, Wetterdaten, Vorratsdaten, Zugangsdaten u.v.a.m. nur im Plural gebräuchlich. Auch das Wort Personendaten und die Verbindung personenbezogene Daten werden im Allgemeinen nur im Plural verwendet. So weit herrscht Einigkeit zwischen Ihnen, mir und den Wörterbüchern.
Und nun kommt das Aber: Fachsprachlich wird selten auch der Singular Personendatum bzw. personengebundenes Datum verwendet (sagt auch ein Wörterbuch, siehe hier):
Weil die Religionszugehörigkeit aber ein besonderes Personendatum ist, ist eine unmittelbare gesetzliche Grundlage notwendig.
Am Begriff des Personendatums hat sich auch mit der DSGVO nichts geändert.
Das Landgericht Berlin hat entschieden, dass die Wohnadresse ohne Namensnennung kein personenbezogenes Datum ist.
Das Berufungsgericht hat ausgeführt, eine dynamische IP-Adresse sei in Verbindung mit dem Zeitpunkt des über sie vorgenommenen Zugriffs ein personenbezogenes Datum, sofern der Nutzer der Website während des Vorgangs seine Personalien angegeben habe […]
Ich kannte diesen Singular auch nicht und hielt ihn zunächst für falsch. Ich würde sowieso empfehlen, Personendaten und personenbezogene Daten nur im Plural zu verwenden und im Singular eine andere Formulierung zu wählen:
Der Nachname ist eine personenbezogene Angabe/Information.
Der Nachname gehört zu den personenbezogenen Daten.
In einem rein fachsprachlichen Kontext – zum Beispiel unter Datenschutzbeauftragten oder juristischen Fachleuten – ist der Singular Personendatum bzw. personenbezogenes Datum offenbar nicht völlig ungebräuchlich. Auch für andere Fachbegriffe der Form -daten kommt wahrscheinlich fachsprachlich gelegentlich der entsprechende Singular -datum vor. Außerhalb eines solchen fachlichen Kontextes wirkt ein Singular wie Personendatum oder personenbezogenes Datum aber irritierend.
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Bopp
Kongruenz: Verstehen wir uns als kompetenter oder als kompetenten Dienstleister?
Frage
Es geht um diesen Satz:
Wir verstehen uns als kompetenter Dienstleister und Problemlöser für unsere Kunden.
Müsste „kompetenter“ nicht im Akkusativ stehen? Bezieht sich „kompetenter Dienstleister“ auf „wir“ oder auf „uns“? Oder ist vielleicht sogar beides („kompetenter/kompetenten“) korrekt?
Antwort
Guten Tag Frau P.,
hier ist tatsächlich beides möglich:
Wir verstehen uns als kompetenter Dienstleister und Problemlöser für unsere Kunden.
Wir verstehen uns als kompetenten Dienstleister und Problemlöser für unsere Kunden.
Wenn eine mit als oder wie eingeleitete Wortgruppe von einem reflexiven oder reflexiv verwendeten Verb abhängig ist, steht sie in der Regel im Nominativ. Sie bezieht sich dann auf das Subjekt:
Der Rottweiler hat sich als guter Wachhund bewährt.
Der Außenminister gebärdet sich wie ein innenpolitischer Rebell.
Die Erneuerung stellt sich als richtiger Schritt in die Zukunft heraus.
Ich fühlte mich als der Retter der Situation.Das Museum präsentiert sich als moderner und multimedialer Erlebnisraum.
Du stellst sich als guter, besorgter Vater hin.
Er sah sich als der Retter der Menschheit.
Wir verstehen uns als kompetenter Dienstleister.
Bei den reflexiv verwendeten Verben (Verben, die mit gleicher Bedeutung statt des Reflexivpronomens auch ein Akkusativobjekt bei sich haben können), kommt selten auch der Akkusativ vor. Die die als-Gruppe bezieht sich dann auf das Reflexivpronomen:
Das Museum präsentiert sich als modernen und multimedialen Erlebnisraum.
Du stellst dich als guten, besorgten Vater hin.
Er sah sich als den Retter der Menschheit.
Wir verstehen uns als kompetenten Dienstleister.
In Ihrem Beispiel ist die als-Gruppe von sich verstehen abhängig. Sie bezieht sich üblicherweise auf das Subjekt und steht wie wir im Nominativ (wir als kompetenter Dienstleister). Seltener bezieht sie sich auf das Reflexivpronomen und steht wie uns im Akkusativ (uns als kompetenten Dienstleister).
Beides ist also möglich und beides gilt als korrekt. Mehr dazu finden Sie hier.
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Bopp
PS: Bei nicht reflexiver Verwendung dieser Verben ist nur der Bezug auf das Akkusativobjekt üblich:
Das Museum präsentiert den Neubau als modernen und multimedialen Erlebnisraum.
Sie stellt ihn als guten, besorgten Vater hin.
Sie sahen ihn als den Retter der Menschheit.
Wir verstehen unsere Firma als kompetenten Dienstleister und Problemlöser.
Komme ich hier her oder komme ich hierher?
Frage
Momentan beschäftige ich mich mit diesem Satz, den ich in einem Forum gelesen habe: „Wie komme ich hier her?“
Da stellt sich die Frage, ob „hierher“ ein Verbzusatz ist, der deshalb mit dem Verb „kommen“ zusammengeschrieben wird („hierherkommen“). Oder haben wir es mit dem Infinitiv „herkommen“ zu tun zusammen mit dem selbstständigen Adverb „hier“ („hier herkommen“)? Im ersten Fall hätten wir dann dieses Ergebnis:
Wie komme ich hierher?
Im zweiten dann eben dieses:
Wie komme ich hier her?
Welches davon ist nun richtig?
Antwort
Guten Tag Herr B.,
nach der standardsprachlichen Schreibung sollte es sein:
hierherkommen = an diesen Ort kommen
Wie komme ich hierher? = Wie komme ich an diesen Ort?
Man schreibt hierher (an diesen Ort) in Verbindung mit einem einfachen Verb mit dem Verb zusammen:
hierherbringen, hierherführen, hierherholen, hierherkommen, hierherlegen, hierherlocken, hierherschaffen, hierherschleppen, hierhersetzen, hierherstellen, hierhertragen usw.
In getrennter Stellung im Hauptsatz:
bringe hierher, führe hierher, hole hierher, komme hierher, lege hierher usw.
Umgangssprachlich und in der gesprochenen Alltagssprache wird hierher allerdings auch getrennt verwendet:
Hier kommt man her, um Kaffe zu trinken.
Ich komme hier nicht gerne her.
Entsprechend könnte man umgangssprachlich eventuell auch schreiben:
Warum kommt man hier her?
Wie komme ich hier her?
Standardsprachlich wählt man aber besser hierherkommen / komme hierher / hierhergekommen:
Hierher kommt man, um Kaffe zu trinken.
Ich komme nicht gerne hierher.
Viele bekannte Leute sind hierhergekommen, um sich behandeln zu lassen.
Weißt du, wie man hierherkommt?
Kommen Sie hierher und genießen Sie die Aussicht!
Und wie eingangs schon gesagt:
Wie komme ich hierher?
Ähnliches gilt übrigens u. A. auch für dahin und dorthin und woher und wohin (neu ist das Thema also nicht).
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Bopp
Wo denken Sie, fehlt hier ein Komma?
Frage
Setze ich in diesem Satz nach „warum“ ein Komma?
Warum denken Sie, verlagert das Unternehmen die Forschungsabteilung von Bonn nach Großbritannien?
Antwort
Guten Tag Herr B.,
der Einschub denken Sie sollte vorn und hinten durch ein Komma abgetrennt werden. Der Fragesatz lautet:
Warum verlagert das Unternehmen die Forschungsabteilung von Bonn nach Großbritannien?
In diesen Fragesatz wird denken Sie eingeschoben:
Warum, denken Sie, verlagert das Unternehmen die Forschungsabteilung von Bonn nach Großbritannien?
Es wird nicht gefragt, warum die angesprochene Person etwas denkt (nicht: warum denken Sie?), sondern warum ihrer Meinung nach etwas geschieht (warum verlagert …?).
Es folgen noch ein paar Beispiele für Einschübe dieser Art, bei denen das erste Komma häufig nicht gesetzt wird, obwohl es dort stehen sollte:
Was, meinst du, will ich dir damit sagen?
Wie, findest du, soll es nun weitergehen?
Und woher, vermutet ihr, kam das Geld für die Reise?
Für wie viele Leute, behauptet er, ist hier Platz?
Wo, sagst du, habt ihr übernachtet?
Wo, denken Sie, fehlt hier ein Komma?
Diese Konstruktion ist verwandt mit einer anderen Konstruktion, die jedoch bei genauerem Hinsehen viel komplexer ist:
Was denkst du, dass ich dir damit sagen will?
Wie findest du, dass es jetzt weitergehen soll?
Wo sagst du, dass ihr übernachtet habt?
Nicht alle halten Formulierungen dieser zweiten Art für grammatisch einwandfrei, aber sie kommen vor. Man könnte sie sogar zum Anlass dazu nehmen, das oben verteidigte Komma mit besonderer grammatischer (Über)genauigkeit wieder in Frage zu stellen. Doch das führt hier zu weit. Mehr zu dieser Konstruktion finden Sie hier.
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Bopp
Vom Planet(en) Wissen und vom Planet(en) der Affen
Frage
Ich habe eine Frage zur schwachen Deklination der Substantive. Mich interessiert der Satz: „Ich komme vom Planet Wissen“ – ist es richtig so? Onlinetextprüfung verbessert in „vom Planeten“ .
Antwort
Guten Tag Frau S.,
automatische Textprüfer haben nicht immer recht, aber in diesem Fall ist die Verbesserung sehr wahrscheinlich gerechtfertigt. Das Substantiv Planet wird in der Standardsprache schwach gebeugt, das heißt, außer im Nominativ Singular hat es immer die Endung en („siebenmal en“, wie ein niederländischer Freund und Kollege es vor Jahren einmal im Deutschunterricht in Amsterdam gelernt hat).
Es heißt somit:
den Planeten Mars mit bloßem Auge sehen
für jeden Planeten eine Karte erstellen
zum Planeten Jupiter fliegen
Avatar spielt auf dem Planeten Pandora
die Atmosphäre unseres Planeten Erde
und entsprechend auch:
Ich komme vom Planeten Wissen
(= von einem Planeten namens Wissen)
Ausnahmen gibt es natürlich auch. Wenn ein schwach dekliniertes Substantiv allein steht, wird es häufig nicht dekliniert. So heißt es:
von einem Planeten zum andern
eine Zwischenform zwischen einem Planeten und einem Stern
aber ohne Endung:
von Planet zu Planet
eine Zwischenform zwischen Planet und Stern
Auch bei zitierten Namen von Titeln u. Ä. wird nicht gebeugt. Wenn also von der Fernsehserie „Planet Erde“ oder der ARD-Sendung „Planet Wissen“ die Rede ist, bleibt der Name in der Regel artikellos und ungebeugt:
die letzte Folge von Planet Erde (auch: von „Planet Erde“)
Ich komme von Planet Wissen (auch: von „Planet Wissen“)
So viel zu Standardsprache. In der Umgangssprache werden schwach deklinierte Substantive im Akkusativ und im Dativ manchmal auch ohne Endung verwendet:
eine Karte für jeden Planet
den Planet Mars sehen
auf dem Planet Pandora
Das gilt standardsprachlich (noch?) nicht als korrekt, es ist aber keine neue Erscheinung. So wurde zum Beispiel schon vor über fünfzig Jahren bei den deutschen Titeln einer amerikanischen Science-Fiction-Filmreihe (bewusst?) Planet statt eigentlich korrekt Planeten gewählt:
Rückkehr zum Planet der Affen (1970)
Flucht vom Planet der Affen (1971)
Eroberung vom Planet der Affen (1972) [!]
Die Schlacht um den Planet der Affen (1973)
Selbst wenn den für diese Titel Verantwortlichen bewusst war, dass es eigentlich zum Planeten der Affen, vom Planeten der Affen, des Planeten der Affen und um den Planeten der Affen heißen müsste, zeigt die Wahl, dass die ungebeugten Formen auch damals schon vorkamen und relativ gebräuchlich waren. Die Fans des Genres kann es wahrscheinlich kaum stören, ob die Filme auf dem Planeten der Affen oder auf dem Planet der Affen spielen. Wer sich der gebräuchlichen Standardsprache bedienen möchte, spricht und schreibt aber am besten vom Planeten der Affen.
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Bopp
Warum es zu unser aller Bestem und nicht zu unser aller Besten ist
Frage
Eine Freundin und ich sind uns unsicher, wie es richtig heißen muss: „Das ist zu unser aller Bestem“ oder „Das ist zu unser aller Besten“? Unser Tipp ist, dass „unser aller Bestem“ korrekt ist, da man hier ja […] den Dativ verwendet.
Antwort
Guten Tag Herr U.,
richtig ist hier tatsächlich:
zu unser aller Bestem
Ein (substantiviertes) Adjektiv wird schwach gebeugt, wenn ein Artikelwort vor ihm steht, dessen Endung den Fall schon angibt:
das Beste für uns alle
zum (= zu dem) Besten der Kinder
zu unserem Besten
Ein (substantiviertes) Adjektiv wird stark gebeugt, wenn kein Artikelwort vor ihm steht, dessen Endung den Fall schon angibt:
nichts Bestes
für dein Bestes
zu Susannes Bestem
Das bringt uns zum Unterschied zwischen zu unserem Besten und zu unser aller Bestem:
Im Gegensatz zu unserem ist die Wendung unser aller kein Possessivartikel. Es ist der Genitiv von wir alle:
Nom.: wir alle
Akk.: uns alle
Dat.: uns allen
Gen.: unser aller
Als solches ist es ein Genitivattribut zum substantivierten Adjektiv Bestes:
zu wessen Bestem?
zum Besten aller
zum Besten unser aller
Wenn ein Genitivattribut vorangestellt wird, fällt der Artikel weg (hier: zum → zu). Es steht dann kein gebeugtes Artikelwort mehr vor dem substantivierten Adjektiv, so dass die starken Endungen zum Zug kommen:
unser aller Bestes
für unser aller Bestes
Also auch im Dativ:
zu unser aller Bestem
wie zum Beispiel auch:
zu Susannes Bestem
zu Herrn U.s Bestem
Mehr zu unser aller und unser beider finden Sie in diesem (nicht mehr ganz taufrischen) Blogartikel.
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Bopp
Das Café Huber im Genitiv und im Plural
Frage
Ich möchte „Café Huber“ deklinieren, und zwar Genitiv und Plural. Kann man beim Gesamtbegriff das -s weglassen?
Antwort
Guten Tag Frau W.,
der Genitiv des Namens Café Huber kann mit und ohne Genitiv-s gebildet werden (vgl. hier und hier):
des Cafés Huber
des Café Huber
Ebenso zum Beispiel:
des Hotels Central
des Hotel Centraldes Bahnhofs Altona
des Bahnhof Altonades Theaters an der Wien
des Theater an der Wien
Ich halte allgemein die Varianten mit Genitiv-s für besser und entsprechend für empfehlenswert. Da aber die Tendenz, bei Eigennamen mit Artikel die Genitivendung wegzulassen, sehr stark ist, kann man die endungslose Variante nicht mehr als falsch bezeichnen.
Nicht richtig ist es, bei Namen dieser Art das Genitiv-s ganz am Ende anzuhängen:
nicht: *des Café Hubers
nicht: *des Hotel Centrals
nicht: *des Bahnhof Altonas
So viel zum Genitiv. Bei der Pluralbildung bin ich eigentlich überfragt, denn ohne Kontext ist es nur schwer vorstellbar, was gemeint ist. Ein Beispiel könnte sein, dass es irgendwo zwei Cafés mit demselben Namen gibt. Dann könnte man wie folgt formulieren (auch hier mit und ohne Endung, aber der Fall ist so selten, dass es weder Regeln noch allgemeine Tendenzen gibt):
die beiden Cafés Huber
die beiden Café Huber
Meist ist es wahrscheinlich besser, je nach Kontext anders zu formulieren. Zum Beispiel:
die Lokale/Cafés mit dem Namen »Café Huber«
die Cafés der Huber-Kette
Man kann also jemanden zu einem Besuch des Cafés Huber oder des Café Huber einladen. Und wenn es deren zwei gibt, sollte man angeben, in welches der beiden Cafés Huber, der beiden Café Huber oder der beiden Cafés mit dem Namen Huber man einlädt.
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Bopp

